Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-05 · Heft 27 (5.8.1885) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 27 (5.8.1885)
Date
1885-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453026--1437-3455578
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Oesterreichisch-ungarische r Pränumeralions-Preis Aür Kereinsmilgtteder: .Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig - - . fl- 2.50 Vierteljährig - - fl. 1-25 Monatlich - - . fl-—-45 I-ür Nichtmitglieber: Ganzjährig ... st. 6.— Halbjährig ... fl. 3.— Vierteljährig - . fl- 1-50 Monatlich ... fl. —-50 Anr das Ausland: Ganzjährig ... fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ für die Gesummt-IntmsZkli jüdischer Cantoren. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Oberoantor Icr^ob Mcrirerr. / ^Rcdacitan j un& ן Administration j וןן i e II, | II-, Novaragasse 27. ii — Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 27 Wien, 5. August 1885. 5. Jahrgang Sir Moses Monkefiorr der größte Philanthrop, den die Geschichte kennt, ist am 28. Juli dahingeschieden. Das gesammte Judenthum steht im Geiste trauernd an seinem Grabe, denn es hat mit ihm einen treuen Tohn und eifrigen Vertheidiger verloren. Friede sei ihm! Wik», am 5- August 1885. In Nr. 15 der ,Knrik n. Reform",einesvvrnebmlich die Int r» essen des NabbinerstandrS vertretenden Blattes baden wir nicht obne erfreuliche Genugtbuung und innerer Befriedigung einen Hinweis aus bas ersprießliche Wirken des Cantorenvereines gelesen. Der betresfende Autor, der die Tendenz verfolgt, die Raddiner der gelammten österreichisch-ungarischen Monarchie zu gemeinsamer Thcitigkeit, zur Bildung eines Rabbiner-Vereines aurzufordern, sagt unter Anderem: ,Die Cantoren haben einen Verein gegründet, sind zusammengetrelen, sie haben den Sland, der stets beiseite gesetzt wurde, zu Ehren gebracht und kämpfen für ihre Zukunft." -,Jeder Stand bat die Bedeutung des Vercinslebens bald erkannt, und die Arbeiter selbst haben ihre Vereine, die bei jeder Gelegenheit heilbringend eingreifen. Die Cantoren haben sofort die Gelegenheit ergriffen und stehen bereits geeinigt da und imponiren den Predigern und Rabbinern, die noch immer zögern und abwarten, obgleich sie das Los der Witwen und Waisen ihrer dahingegangenen Collegen vor Allgen haben.* Diese anerkennenden Worte aus dem Munde eines nicht dem Cantorenstande angehörenden Mannes baben uns wohl im ersten Augenblicke erfreut, bald aber das Gefühl der tief freu Betrübnis in uns hervorgerufen; denn wir müssen gestehen, dass die Cantoren wohl zu einem Vereine zulammengelreken sind, dass diese Institution überall Achtung und Ansehen genießt, dass aber das Gros der Mitglieder um seine eigene Zukunft und die des Cantorenvereines nicht nur nicht kämpft, sondern sich gar nicht um dieselbe kümmert. Wie unendlich schwer es ist. gegen den Jndrsferentismus und die geradezu leichtsinnige Sorglosigkeit unter unseren Standesgenossen anzukämpfen, davon weiß der Vorstand des Cantorenvereines und die Nedaction dieses Blattes ein gar trauriges Lied zu singen. Was nützen all' ihre Bestrebungen und Bemühungen, was frommen alle noch?so wohlgemeinten An» regungen, wenn den Cantoren jedes Verständnis, jedes Gefühl für die gemeinsame Sache zu fehlen scheint, wenn diejenigen, die dazu berufen wären, mitznthun und mitzuhelfen in Unthatigkeit verharren? Man möge uns nicht den Vorwurf machen, dass wir nnsere Collegen hart benrtbeilen — welches Vergnügen könnte es uns denn gewähren im eigenen Fleische zu wühlen — leider nötbigen uns aber die Tbatsachen zu diesem traurigen Bekenntniße. Vor kurzer Zeit wurden die Vereinsmitglieder aufgefordert, in ihren Gemeinden Sammlungen für den Vereinsfond einzu׳ leiten. Der Vorstand zögerte absichtlich mit der Absendung der Sammelbögen, -da er naturgemäß in einer so hochwichtigen Angelegmheit irgendwelchen Kundgebungen aus dem Mitgliederkreise entgegensah. Einige Wochen sind seitdem verstrichen, keine Stimme wurde bisher vernommen, Niemand hat auch nur den leisesten Versuch gemacht, sein Interesse hiefür zu bekunden. Wohin sollen solche Zustände führen? Wie wird es erst uns bei Lösung jener Fragen ergehen, die weniger einen malerielleu Voctbeil erwarten lassen und bei welchen einmüthiges und geschlossenes Auftrslen allein einen Erfolg verbürgen? Die aufrichtige Beannvortung überlassen wir unseren Collegen und Vereinsmitgliedern. Vielleicht werden sie dadurch aus ihrem Wiuterichlafe gerüttelt und endlich einmal die Schwere der Verantwortung, die sie durch das Festhalten an dem bisherigen Zustande auf sich laden, empftuden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.