Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 26 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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e — INN gewandelt. Eine von unserem Secretär im vorigen Sommer in Sabloeic vorgeuommene, mehrstündige Prüfung ergab ein »echt befriedigendes Resultat. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass die dortige Gemeinde, insbesondere aber daS Särurconm^ mit aller Liebe und Därme für das Gedeihen der Anstalt tbätig ist. Sie haben Freitische für die armen Kinder der Umgebung besorgt, wodurch denselben der Besuch der Schule ermöglicht ist. Ebenso wurden die armen Kinder gelegentlich einer am 15. Decembrr v. Z. unter Mitwirkung wohlthatizer Frauen dort veran statteten Ohauuka-Feier mit Kleidern rc. beschenkt, wofür wir diesen Wohlthätern an dieser Stelle unseren wärmsten Dank anssprecken. Es wäre nur zu wünschen, dass sich auch an allen anderen Orten Galiziens die maßgebenden Kreise für ein solches humauts Wirken erwärmen, wir kämen dann rascher an's Ziel. Wir baden aber auch jener die öffentlichen Schulen be» suchenden jüdischen Zugend Galiziens, für deren religiöse Ausbildung nicht im Geringsten gesorgt ist, unsere vollste A-:smerks'amkeit zuzewendet, indem wir zunächst in jenen Gemeinden, wo die öffentlichen Schulen ziemlich stark von jüdischen Kindern besucht werden, welche jedoch keinen Neligionsunterricht genießen, persönliche Anregungen zur Anstellung von Religionslehrern gegeben, welche gleichzeitig in den Nachmittags- und Abendstunden der Obeäer-Zugeud Unterricht in den Volksschulgegenständen erlheilen sollten. Diese Anregungen blieben nicht ohne Erfolg. Zn Stry, wo bisher 400—500 jüdische Schulkinder ohne jeglichen Neligionsunterricht auswuchsen, ist bereits aus Grund einer von uns rür diesen Zweck gewährten Subvention von 300 st. jährlich ein tüchtiger, akademisch gebildeter Neligionslehrer angesteUt worden, von welchem zu erwarten stebt, dass er nicht blos seinen Platz als Neligionslehrer an den öffentlichen Schulen würdig außsüllcu, sondern auch seiner Mission, die Obsäer- Zugend zum Bolksichnlunterricht heranzuziehen gerecht werden wird. — Auch in Stanißlau werden bereits Vorbereitungen zur Anstellung eines NeligionslehrerS für die zahlreichen, die öffcntliche Schule besuchenden Kinder getroffen, und hoffen wir, dass die anderen Gemeinden allmälig diesem Beispiele folgen werden. Weitere Subventionen zur Förderung des Schulwesens in Galizien wurden bewilligt: der Schulinspcctiou in Brody zum Ankäufe eines für die Erweiterung der dortigen jüdischen Volksschule uölhigeu Gebäudes fl. 2000, dem Waisenhauie daselbst pro 1885 fl. 200 und der Gemeinde Bolechow fl. 500. Was die Förderung des Handwerks unter der jüdischen Zugend Galiziens anbelaugt, so haben wir dieser Frage eine ganz besondere Beachtung gewidmet, und sind nach reiflichen Berathungen schticßtich zu der Ueberzeugung gelangt, dass wir auch aus diesem Gebiete au das bereits Bestehende anknüpsen, es womöglich zeitgemäß reformiren und durch Gewährung entsprechender Subventionen erweitern müssen. Wir haben somit dem Verein der Bernsteinstistung in Lemberg, welcher für die Verbreitung des Handwerks unter den Juden Galiziens thätig ist, aber vermöge seiner verhältnismäßig schwachen Mittel nicht mebr als 18 Zöglinge zu erhalten vermag, eine Subvention von fl. 2500 jährlich vorläuflz auf 4 Jahre — also zusammen st. 10.000 — votirt, um ihn in die Lage zu versetzen, weitere 25 Zöglinge auszunehmen und dem Handwerke znzusühren. Die Erhaliuugskosteu für jeden Lehrling belaufen sich nämlich in Lemberg auf fl. 100 jährlich. Die genannte Stiftung hat denn in der Thal bereits auf Grund der ihr bewilligten Subvention 25 neue Zöglinge ausgenommen und bei Handwerkern untergebracht. Sämmtliche Zöglinge erhalten in einer Abendschule, welche den gesetzlichen Vorschriften vollkommen entspricht, Unterricht in allen Gegenständen der Volks- und Bürgerschule. Aehnliche, das Handwerk betreffende Anregungen Haben wir auch in verschiedenen größeren Landgemeinden gegeben und ihnen gleichzeitig unsere materielle Unterstützung zugesagt; leider ist' jedoch bisher noch kein greifbares diesbezügliches Resultat erzielt worden. Wir haben hier in kurzen Umrissen das bisher in Galizien Begonnene mitgetheilt und bekennen gerne, dass dieses gegenüber der großen uns hier gestellten Aufgabe nur ein ganz.kleiner-׳ Anfang ist. Allein ist schon im Allgemeinen jeder Anfang schwer, um wieviel mehr in unserem Falle. — Sind wir aber gleichwohl über diese höchst schwierigen Anfänge hinausgekommen, so werden wir wohl bei lhatkrästiger Mitwirkung unserer Glaubens' genossen, deren Opferwilligkeit uns bisher stets über alle Schwierigkeiteu hinweggeholsen, in kurzer Zeit das begonnene Hilfswerk ein gutes Stück vorwärts bringen. Eine unserer nächsten Hauptaufgaben wird sein, Lehrerbildunzsanstalten in Galizien in's Leben zu rufen. Denn an geeigneten Lehrern mangelt es daselbst gar sehr, und wie oft wir auch seit Zähren die Gründung solcher Anstalten in Galizien anregen mochten, sie scheiterten immer an der Ungunst der traurigen Parteiverhältniße. Nun aber haben sich, Dank unserer fortwährenden Bemühungen, die Drnge so weit geklärt, dass man wenigstens in den maßgebenden Kreisen des galizischen Judenthums einzusehen beginnt, wie dringend nölhig die Creirung solcher Anstalten sei. Und jo ist uns denn auch in den letzten Tagen von der vonr Lemberger Cultusralhe zu diesem Zwecke eingesetzten (Snquere eine Eingabe, betreffs einer dort zu errichtenden Lehrerbitdungsanstatt, zugegangen. Diese Eingabe ist auf derselben Basis ausgebaut, Die Ihnen aus unseren Miltheilungen vom September v. I. bekannt ist, wo von der in Aussicht genommenen Gründung einer vollständigen Lehrerbildungsanstalt, in welcher sowohl sämmtliche Gegenstände des Pädagogiums, als auch die hebräisch'en und rabbinischen Disciplinen tradirt werden sollen, die׳ Rede war. _ ' (L-chluss folgt.) Kleine Chronik. Wien. Aus Sborow wird Dem ״Wiener Israelit" über eine traurige Begebenheit berichtet, die sich daselbst vorige Woche zngetragen hat und welche deutlich zeigt, wie weit noch diese Gemeinde von der Civilisation entfernt und wie tief eingewurzelt der Fanatismus ist. Am 14. d. M. starb daselbst ein Herr Josef Thon, ein intelligenter׳ Mann von tugendhaftem Lebenswandel. Der Verblichene förderte die Interessen des Zudcnthums bei jeder Gelegenheit. Eine Sünde nur konnte man ihm hier nicht verzeihen, dass er sich nämlich nicht lang kleidete, sondern kurze europäische Tracht trug. Deßhalb sah man ihn mit scheelen Augen an, niemnnd aber wagte es, ihm, der ein braves nützliches Mitglied der hiesigen Gemeinde war, öffentlich nahezutreten. Nach seinem Ableben nun sollte ihm sein Verbrechen heimgezahlt werden Der Gemeinde-Ausschuss, sowie viele Gemeinde-Mitglieder und die Grabaim der Chowra Kadischa rafften sich auf, um an diesem רשה Rache zu nehmen. Es wurden Versammlungen abgehalten. Der Eine beantragte, dem Verstorbenen auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe keinen Platz einzuräumen; Andere verlangten die Hälfte seines Vermögens zu Gunsten der Chewra Kadischa,• die ihn sonst nicht beerdigen würde u. s. w. Zwei volle Tage wurde darüber Debattirt, endlich entschloss man sich, den Verblichenen gegen ein Honorar von 200 Gulden nach jüdischem Ritus zu bestatten. An einem entlegenenen Winkel des Friedhofes wurde er zur Ruhegebettet.