Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 26 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Mystik: סן sagen sie gar nichts., und deuten höchstens auf'den > Plato unter׳ ihren Büchern. Wer nun gewohnt ist, zu denken, der weist auch, zu unterscheiden; io unterscheiden die Hörer aus der vierten Elaste auch Musik, wo sie als Kunst sich geltend machen, oder wo sie blos , flüchtig unterhalten will. Nur Geist — Geist verlangen sie auch hier, in welcher Gattung, in welcher Form er irgend sich ster>!׳ortbun wolle; denn ohne Geist werde, meinen sie. das Spie! zur Spielerei, und diese gehöre nur für Kinder — für kleine Kinder. Ihnen ist daher selbst Nonsseau's Lied von drei Noten weriher, als manche ganze Oper, dis nur lärmt, und Handels Geber um Frieden, von kaum einigen Tönen, mehr werthcr, als manche Fuge, die nur richtig ausgerechnet ist; jo wie, wer jene gut und schön vorträgt, ihnen lieber ist. als wer eine Reihe Bravourarien blos fertig beransbringt. Sie verachten das Austerwesentliche der Tonkunst nicht, wie sie selbst bloße Geschicklichkeit in ihr nicht verachten: aber Beides ist ihnen gleichgiltig. wenn eö nicht zum höheren Zweck verwendet wird, und von dem, was gleichgiliig ist und doch Zeit wegnimmt. ziehen sie sich zurück- Sie hängen weder am Neuen, noch am Alten, sondern am Guten, das den höheren Zweck beabsichtigt und sich ihm nähert; vielmehr aber am Borlrefflichen, das ibn erreicht. Sic verschmähen die Urtheile der zweiten Elaste nicht, sie stellen sie nur rubig an ihren Ort, sie sind nicht unwillig bei denen der dritten, sie lassen sie nur freundlich gewähren. 2hr Beifall trifft mit dem, jener beiden, nicht selten zusammen: ihr Gesichtspunkt nie. Sie begreifen jene beiden leicht, werden aber schwer von ihnen begriffen. Doch, zeigen sie sich tolerant, so werden sie auch gern tolerirt. Das Sprüchlein übrigens: 1)6 §u8tihu8 non est disputandum — halten sie ebenso für eine lere Faselei, wie das Disputiren, außer unter ähnlich Gesinnten, für ein erfolgloses Bemühen. — F. L . . . . Bericht ' über ->e TlMgkeit der israrl. Allianz ju Wien im Zahre 1884. (Fortsetzung.) In ähnlicher Weise staben wir auch in Brody für die Einfübrnllg des profanen Unterrichts in der dortigen Tälmud-Tborä vorgesorgt, wo bisher ein solcher Unterricht streng verpönt war. Hier werden die Volksschulgegcnstände in einem beiondern, für diesen Zweck gemietbeten Locale in den NachmittagLstunden gelehrt. Die Anstalt wurde zu Beginne dieses Jahres eröffnet und heute zählt sie bereits über 100 Zöglinge, welche mit lobenöwertstem Eifer dem von tüchtigen Schulmännern geleiteten Unterrichte lauschen. Die Erhaltungskosten dieser Anstalt werden von uns bestritten, und ist gegründete Hoffnung vorhaüden, dass in ganz kurzer Zeit sämmtliche schulpflichtige Kindcr Brody's die Wohlthaten eines geregelt«׳!! Voksschulunterrichts geniesten werden. Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt werden, dass wir dem Herrn Rabbiner Löwenstein in Lemberg zur Erhaltung der von!hm gegründeten Anstalt ״Ohel Mosche“, welche einer Anzahl schnlpstichtiger, dem Oheder entnommener Kinder den Unterricht in den hebräischen und Bolköfchulgegenständen zu Theil werden lässt, eine einmalige Subvention von 300 fl. bewilligt haben. Mit freudiger Genugthuung dürfen wir auf die Erfolge der von uns in Sablocic gegründeten Volksschule Hinweisen. Diese Schule wurde von uns gegen Ende deS Jahres 1883 mit einer Anzahl von circa 30 Schülern eröffnet; heute zählt sie 94 Zöglinge, von denen viele aus der Umgebung herbeigcstromt sind, welche bis zu ihrem zehnten Lebensjahre im Oheder gesessen, ohne sich auch nur die geringste Kenntnis des Buchltabirens in der polnischen oder deutschen Sprache, oder sich eine Sprache überhaupt erworben zu haben. Heute sind dieselben Kinder wie wurde ihr nicht schwer, mit den neuen Bekanntschaften bald eine lebhafte Conversalion anzuknüpfen. Ein junges Mädchen, das sich ganz besonders Zudit anschloss, schwärmte von der gegenwärtig in Berlin weilenden Primadonna, und Zudit, die mit Frl. W- und ihren Pensionärinnen das Opernstans besucht hatte, um jene Sängerin zu hören und den Geschmack an gutem Gesang zu bilden, fällte ein so überraschend treffendes Urtsteil über Gesang und Spiel der Künstlerin, dais jenes junge Mädchen staunend auf Zudit blickte und ihr in den schmeichelhaftesten Ausdrücken sagte, wie sympathisch sie von ihren! Wesen berührt werde. Da näherte sich Frau Tobias mit einer Dame von imposanter Gestalt und mit geistvollem und zugleich liebenswürdigcm Gesichtsausdrucke und stellte ihrer Nichre Frau Dr. WrlmS. die Mutter des besten Freundes ihres Sobnes Max, vor. Zudit fühlte bei dem Klange dieses Namens ihr Herzblut stocken, die Farbe wechselte schnell auf ihren Wangen; doch die Erregung währte nur eine Secunde, bald wurde sie Herr ihrer Gefühle und sich graziös verneigend, sprach sie mit leiser vibirender Stimme ihre Freude aus, die Bekanntschaft einer so. hochgeschätzten Freundin ihrer l. Tante zu machen. Frau Dr. Wilms nahm an der Seite Judits Platz und erzählte lächelnd, dais ihr Sohn Georg, der ein sehr ernstes Temparameut besitze, sich merkwürdiger Weise von den liebenswürdigen Schwestern seines Freundes das Versprechen abzewinnen liest, in dem Liebhabertheater mitzuwilken. So schwer es ihm auch wurde, sich in diese, seinen Anschauungen so fern liegende Situation hineinznleben, konnte er seine Zusage, die halb im scherze gegeven wurde, nicht mehr zurücknehmeu. Zudit bemerkte, dass eine kleine Zerstreuung auch dem ernstesten Cvarakler zuträglich sei, und dass sie mit Spannung das Spiel erwarte, von dem sich ihre Eousinen einen so glänzenden Erfolg versprachen. Schon wurde das Zeichen zum Beginn der Aufführung g geben. Die Gesellschaft nahm Platz, man klingelte zum zweiten und bald zum drillen Mal, und das Spiel begann. Als sich der Vorhang hob, trat zuerst Sara und Georg auf, sie sprachen einen Dialog, in welchen der Verfasser des Lustspieles so viel Geist und Witz gelegt hatte, dass das Publikum lebhaft angeregt und in die heiterste Stimmung versetzt wurde. Die Nöllen waren sehr gut vertheilt und den Charakleren der mitipielenden Personen so anpassend, daß das Stück musterhaft zu Ende gespielt wurde. Man applaudirte nach jedem Acte mit wahrem Enthusiasmus und zuletzt wurden die Diletrauten stürmisch auf die Bübne gerufen, dieselben verneigten sich dankend und kurz darauf erschienen sie in Gesellschaftstoilette unter den heiteren Gästen. Georg juckte seine Mutter, die noch immer mit Zudit conversirte. und war sichtlich überrascht, sie an der Seile des geliebten Mädch'Nö zu sehen. Beide sprachen dem jungen Manne ihre Änertennnng für seine Leistung im Spiele aus, welche Georg dankend ablebnte, indem er behauptete, dass er bedeutend lieber im Zusckaucrraume geblieben wäre, als sein zweifelhaftes Talent der Kritik auszusetzen. (Fortsetzung folgt). .