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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-07-28 · Heft 26 (28.7.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 26 (28.7.1885)
Date
1885-07-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — Verhältnis, als der erhöhte Glanz verliehen dem Herodianischen Äempel einen besonderen Reiz, denn der prachtliebende König sparte keine Geldmittel, um den Tempel dergestalt bcrznstellen, dass er bedentend schöner geworden, a!S er zur Zeit Salomo'S gewesen. Was diesen Tempel vom Salomonischen.unterschied, war sein tcrassenförmiges Äussteigen zum Haupthe'ligtbum hin, denn ber Har Habajia, Tempelberg, wurde be&euteuo vergrößert. Das Heiligthüm konnte von weiter Ferne gesehen werden und übte auf den Beschauer einen überraschenden und imposanten Eindruck. Vor der Asora, dem eigentlichen Vorhofe deS Tempels, bestanden noch zwei Vordöse. Der erste Vorhos diente zur Generalversammlung des Volkes, wo die wichtigsten Fragen zur Discussivn gelangten; denselben durften auch Heiden uud Ver' unreinigte betreten- Der zweite Vorhos wurde mit einer hohen Mauer umgeben. Ju der Asora bestand je eine Abtheilung für Priester, Israeliten, Männer und Frauen. DaS Heiligtbum bestand auS einer Vorhalle, Ulam—Hechal, Tempel und Kodesch- Hakodoschim, dem Allerheiltgsten. Die Prachtentsaltung, die bei der Einweihung des Herodianischen Tempels stanfand, übertraf bei weitem diejenige, welche Salomo bereitet hatte. Ueber dem Haupteingange des Tempels ließ Herodes einen goldenen Adler -— das Symbol der römischen Herrschaft — anbringen, was die Pharisäer in Harnisch gegen ihn brachte. Juda. b. Zippori und Matias b. Margalot, zwei für die Religion ihrer Väter hochbegeisterte Männer, benutzten ein sich unter dem Volke verbreitetes Gerücht von der Erkrankung des Herodes dazu, aus der Verschwiegenheit und der Lethargie herauszutreten, und in öffentlichen Reden rügten sie es mit einem solchen Feuereifer, wie ihn nur der hohe Ernst hervorzurufen vermag, dass der am Eingänge angebrachte Adler keine Verzierung und Ausschmückung sei, um ihm ein besonderes Relief zu verleihen, sondern eine Höhnung, Schändung und Entweihung der heiligsten Principien Israels, denn das Abbild des Adlers schlage .dem zweiten.Gebote des Dekalogs geradezu in'S Gesicht. Begeistert durch diese ans der tiefsten Wurzel der Wahrheit stammenden Reden obbenannter Männer ließen sich viele Junglinge an Seilen hinaufziehen und schlugen den Adler herunter. Dieselben, von Herodes zur Verantwortung gezogen, gestanden mit Todesverachtung und eisernem Löwenmuth ihre That, motivirten, dass ihre Handlungsweise in dem zweiten biblischen Ge» bote begründet gewesen j\i und demgemäß sie frei von Schuld und Fehl seien. Doch Herodes, in welchem idumäiiches Blut rieselte und den der unerträgliche Hochmulh und die grenzenlose Herrschsucht eines Emporkömmlings voll und ganz beherrschten, war weit davon entfernt, hier Milde walten zu lassen, er verurtheilte sie vielmehr als ״Tempelschänder" zum Feuerlode, den sie auch gestählten Muthes als Märtyrer für die Wahrheit ihres angestammten Glaubens erlitten. (Fortsetzung folgt.) Verschiedenheit der klrtheile über Werke der Tonkunst. (Schluss.) Andere und Geringere, auch Fatalere aus dieser Classe ן sind die erstorbenen, einbildischen Grammatiker der Tonkunst, die nichts weiter sind, als eben solche Grammatiker. Sie versäumen nicht leicht die Aufführung eines neuen Musikstückes, aber allein, oder doch zunächst, um irgend einen Verstoß in der Regel, wäre es auch nur eine herkömmliche, auszuspüren. Eine kleine ReminiScenz, eine verdeckte Quinte, eine verbotene Oetave ist ihnen ein wahrer Fund, besonders an einem berühmten Meister: und sie zucken die Achseln über Mozarts ganzes, wunderherrliches Finale des ersten ActcS des ״TituS", weil allerdings in der Umkehrung einer der begleitenden Figuren eine solche vorkommt. Sie gleichen jenen Recensentcn, die von einem schö» neu Gedicht nichts zu verkündigen baden, als einen falschen Reim; oder jenem Kritiker in Wilhelm M e i st e r s Lehrjahren, der an Wilhelms Darstellung des Hamlet nichts bemerkenswerth fand, als das Weiße Bändchen, das beim Gefechte mit LaerteS unter der schwarzen Kleidung hervorguckle. ״Aber wär' es den» nicht besser, der falsche Reim, das weiße Bändchen wäre nicht da?" O ja. es wäre besser: und Jbr habt Recht. — UebrizenS findet man diese beiden Arten Männer (Weiber dieser Art gibt'S wohl nicht), der Natur der Sache nach, fast allein unter etwas bejahrten Künstlern und verschollenen Kunstrichtern. — Aber eS gehören auch in diese Classe die Virtuosen, die nichts sind als Virtuosen: geschickte Söhne Tubalkains, ,,von dem Herkommen die Geiger und Pfeifer." Für sie hat blos, oder doch bei weitem zumeist, das Schwierige, das Halsbrechende, und dessen gelungene oder mislungene Ausführung, Interesse; wie für den Seiltänzer von Profession der Gang auf Draht. Was leicht auszuführen, ist ihnen gleichgiltiz; was einfach und natürlich, alltäglich und fade. Schwieriges und dessen gute Ausführung gehört freilich mit zur Sache, besonders bei Virtuosen: aber daS Mittel zum Zweck, von diesem wissen sie selten oder nehmen doch wenig Kunde davon. Sie halten sich an jene, mit diesem wird sich's schon finden. Und in der That — (in so vielerlei Gestaltungen wirkt des Menschen geistige Natur, und von so verschiedenen Seilen zugänglich ist das Gebier der Tonkunst!) — wollen wir aufrichtig sein, so müssen wir ihnen zugestehen: Besitzen sie neben großer Geschicklichkeit, wenn nicht Genie, doch Geist überhaupt und Talent, so findet sich'S mit dem Zweck auch wirklich — gewissermaßen und in glücklicher Stunde, unter günstigen Verhältnissen; sonst aber auch gar nicht. D 1 nun die Geschicklichkeit ausgezeichneter Virtuosen großen Fleiß gekostet, und das, norauf der Mensch diesen verwandt, ihm eben darum sehr werth wird; da sie überall Personen der Fülle erblicken, die, was s i e vermögen, nicht vermögen, doch aber es gern möchten; da sie überall Verwunderung und Preis, wenn auch nicht Antheil uud Wohlgefallen finden, Verwunderung und Preis aber plötzlicher und lauter hervorbrechsn, als Antheil und Wohlgefallen, und des Menschen Eigenliebe oder Eitelkeit vom Plötz-׳ lichen und Lauten nur allzuleicht dahingerissen wird, besonders in Momenten, wo durch angestrengte Leistungen er ohnehin gereizt uud zum Vollgefühl, wo nicht zur Ueberschätzung seiner Fähigkeiten aufgeregt ist: so ist auch ihr gewöhnliches Entschei-. den gegen Anderes, was nicht in ihren Kram taugt, ihr Enthusiasmus allein für das, womit sie handeln, ihr Absprechen auf eigene Autorität, und was dergleichen mehr ist, leicht genug zu erklären. llebrigent schimmern unter diesen Virtuosen jetzt fast eben so viele Frauen als Männer. Die dritte Classe nehmen Hörer und Beurtheiler musikalischer Werke ein, welche empfänglich, belebt, vielleicht enthusiastisch, aber doch nur mit dem Ohre hören und demgemäß entscheiden. Sie lieben Musik, weil durch sie ihr Blut in eine leichtere Wallung versetzt, ihre Stimmung behaglicher wird; weil Musik, in Einsamkeit oder Gesellschaft, als ein stets zur Hand liegendes Hilfsmittel dient, ״auszufütlen die Leere der Stunden und die lange, unendliche Zeit." Je nachdem nun Compositionen diesen ihren Zweck fördern, schätzen und lieben sie dieselben; je nachdem sie selbst mehr oder weniger für die Ausführung der-

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