Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 26 (28.7.1885)
- Date
- 1885-07-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische O 1• LL n für dir OeZammt-InterpsZen jiiiiisdipr Canioreu. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercantor Icrkoi) ~zßaxtev. r Kctlncl Administration W i tn, II., Novaragaste 27. Zufcrar« werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 26 Wien. 28. Juli 1885. 5. In ln׳ nunq Urtier,,Entwickelung des Synagogen-! Gklmuies". j Von Obercantor 2. Singe: in Wien j XXXVIII. j Vor iins liegen zwei Hefte Syuagogengefäuge; das eine . mir dem Titel ״Gottesdienstliche Gesängecomp, von Im an ne l Faißt '), das andere mit der Aufschrift ״Gesänge ans das Neu׳, jahrs- und Versöhnnligssest' von I. Faißt (beide Nkannscripl); ein drittes Heft, die Gesänge von ש״רגלים, scheint in Verllül! geialherr zu fein, da es uuä trotz marrrrigfacher Air frage:! an ge-! eignete״ Sielten l.ider nicht gelang, dasselbe ausfindig zu machen. Die Geschichte des Lynagogengesanges erleidet durch j den angedenteten Verlust iitseserne keine Schädigung, da doch die Faißt'ichen Synagogengefänge iir dem von dem rvurtembergischen Syuagogenratve berausgegebenen Synagogengesangswerke vollinhaltlich Aufnahme gefnndel; und daber leiebr einzn-- iehen find. Trotzdem begrüßen wir die Tbalsache herzlich, die es ') Zmanucl (Gotrlicb Friedrich) Faißt, ged. a!n 13. Occober 1823 zu Eßlingen in Würtemberg, studirte christliche Theologie und in seinen Muhestunden Musik und Orgelspiel; lcheres pflegte er schon in frühester Jugend mit solchen! Erfolge, da so er mit 0 Jahren schon selbstständig Organistendienste versah; 1836 finden wir ihn als Schüler des Seminars zu Schönthal und 1840 auf den! Stifte in Tübingen, wo er gleichzeitig bei Silcher Musikstudien trieb. Der künstlerische Eiufluh Silcher 's bewog Faißt, der Tbeologie den Rücken zu kehren und sich ganz der Musik zu widmen. Eine ausgiebige Unterstützung der Würtemberzischen Oberkirchenbehörde ermöglichte ihm eine Studienreise nach Berlin, n׳o ec 1844 Schüler Mendelssohn Barthoidy's und später l S. Dehu's wurde, bei dem er seine uiusikalische Ausbildung bis zur vollstän- > digen Recke beendigte. Auf seiner Heirnreise 1846 trat Faihr mit großen! Erfolge in verschiedenen Städten als Orgelvirtuos mit außergewöhulickem Erfolge auf und wählte Stuttgart zun! bleibenden Aufenthalte. Dort gründete Faißt 1847 die Organistenschule und der! Verein für elastische Kirchenmusik,!vurde Director des LicderkranzeS, sowie 1849 Dirigent des Schwäbischen .Sängerbundes׳. Ju demselben Jahre wurde er Gesanglehrer an! Katharinen-! .stifte und in Folge einer größeren Arbeit ״Beiträge zur Geschichte der Klaviersonate' von der Universität Tübingen zun! Doktor der Philophie ernannt rc. | Seine kirchlichen und weltlichen Chorgesänge werden allenthalben als gediegen > bezeichnet, und sein Wirken war von großem Einflüsse auf die Bedeutung des j Stuttgart'schen Musiklebens. nils ermöglicht. die Faißl'schen Synagogengefänge. wenigstens in den beiden Heften, aus dem M a n nicripte kennen zu lernen unö liniere Anschauungen ans einer lliigekrübten Urquelle schöpfen zu können, weil das Studium eines Manu'criples den emsigen Forscher gleichsam in die geistige Weikstätle des belrestenden Meisters führt und einen nnbeirrlen Einblick für die Licktlind Sch'altenfeiten!einer Arbeiten gewährt. Jede Ansschrif!. Correcinr, Einschalnuig oder Abkürzung muß beachtet oder wenn möglich auch der fachmännische Grund de!selben ausfindig gemacht werden So finden wir denn schon in der Aufschrift der beiden vorliegenden Hefle ein-.u bemerken sw er tben Unterschied, indem der Wortlaut derselben auf dem erstell Hefte ״Gottesdienstliche Gesänge comp on irr von Jmannel Fa!ß!" zur Genüge bekundet, dass wir es mir einer Sammlung selbststän» diger Arbeiten zu lbun haben, während die Auffchrisl des dritten Heftes ״Gesänge auf das Nenjabrs- und Brrsöhnungsfeft" zu Mindest in Zweifel lässt, ob die Gesänge Faißr'iche Originalcomposilionen seien. Und in der Thar, schon die oberflächliche Durchsicht des dritten Bandes liefert uns den Beiveis, dass dasselbe ei!! Sammelwerk verschiedener Meister und znnuist eine unerlaubte Umschreibung ihrer Schöpfungen sei. Der Drexierische weltberühmte יי יי (!■׳ und desselben Meisters stimmnngsoolle יעלה, wie die herrlichen Volkerl'schen כי ענל עמך finden sich hier, in einer Fassung, die uns geradezu daran zweifeln lässt, ob Faißt diese vollständig ungeschickte und vollständig ungerechtfertigte Umarbeitung bejorgte, weil wir es unmöglich begreifen, wie ein Meister von der Bedenlung Faißts einen solchen Vandalismus an den Geistesschöpsnngen Anderer begehen kann; allein nur zu bald werden wir davon überzeugt, dass cs leider so ist, wenn wir die meisten Arbeiterr einer eingehenden Durchsicht würdigen. Die gelegentlich der Besprechung des Schir Zion (Anlzer), Semiroth Jisroel (Naumburg) und. des Münchner Werkes (Kohn) kennengelernfen christlichen Mitarbeiter, 11. z. Franz Schubert, Nilter v. Seisried und F. Lachner rc. an der Spitze, lieferlen für die Synagoge Tonschöpsnngen allgemeinen Cha- 2) Wir bekennen uns zu dieser Anschauung nicht.