Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 25 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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er beruhigte den Oberrabbiner, der mit solchem Eifer für seine Confession eingetreten ist, und ehe ein Monot vergieng, hatte der Gerichts Präsident von Tußla seine Versetzung nach Oesterreich in Händen. Chacham Jehuda Finzi ist ein echter Priester, ein wahrer Sachwalter des Volkes. Waris. (Confirmationsseier im israelitischen Tempel.) Von einer Mutter, deren Tochter in der Hauptstadt Frankreichs lebt, ward uns ein Brief derselben zur Verfügung gestellt, dem wir nachfolgende Schilderung einer Confirmation in Paris entnebmeu: Die Schreiberin des Brieses hat lange Jahre in Wien gelebt, ist daher von früher an großstädtisches Schaugeplänge und Prachtentsaltung gewöhnt; dennoch aber kann sie nicht genug Worte finden, die überwältigende Macht dieser erhebenden religiösen Feier darznstellen. Sie warb, wie es in dem Briefe heißt, geradezu verzückt und euthusiasmirt, so bezaubernd und gewaltig war der Eindruck, den dieser weihevolle Act in ihrer Seele hervorgerufen hatte. Hervorheben müssen wir noch, dass sich eine Tochter der Schyeiberin des Briefes unter den Consirmanden befand, was wohl die Wirkung auf das mütterliche Gemüth um so packender machte. Den Vorgang bei dieser Festlichkeit erzählte sie nun ihrer Mutter mit folgenden Worten, die wir unverändert wiedergeben: ,Am Donnerstag (5. Juni 1884) war die Confirmation unserer Regina. Das war ein wunderbar weihevolles Fest. Es hat dies׳ eigentlich dieselbe Bedeutung wie die Barmizwa des jüdischen Knaben. Hier in Paris, wo alles gleich ist, feiern die Juden die Confirmation der Knaben und Mädchen auf das feierlichste. Ich will es Ihnen, thenerste Mutter, so gut ich es vermag, beschreiben: Die Feier fand im schönsten Tempel von Paris statt, der ״.La victorie“ genannt wird. Das Gotteshaus war festlich glänzend geschmnckr und von Herren und Damen, letztere in höchster Eleganz, bis auf den letzten Winkel gefüllt. Ohne Eintrittskarte konnte Niemand in den Teinpel gelangen. Punkt drei Uhr begann die Orgel und leitete mit ihrem Spiele die Festlichkeit erhebend ein. Nun erschienen zuerst die Bediensteteu aller Gotteshäuser von Paris paarweise; ihnen folgten acht Rabbiner im höchsten Ornate, und hinter denselben schritten die Celebritäten und Vorsteher. Der Oberrabbiner hielt eine Rede an die Versammlung. Am Schlüsse erbrauste die Orgel abermals und nun wurden 200 Mädchen, alle weiß . gekleidet, mit einem langen Schleier, gleich einer Braut umhüllt, und hinter denselben 200 ganz schwarz gekleidete Knaben in den Tempel geleitet. Sämmtliche Kleidungsstücke, vom Hemde bis zu den Handschuhen, erhallen die Kinder aus der Nothschildstiftung in der Schule gratis- Nachdem sich die Kinder ausgestellt, empfängt sie der Cautor mit einem Gesänge, gegen den die Orgel nichts ist. Die beiden Oberrabbiner richteten hierauf Ansprachen an die Kinder und belehrten sie über den Zweck und die Bedeutung der Feier, dass sie nun als Juden ausgenommen werden und eintreten in den heiligen Gottesbund Israels. Die Ansprachen waren ergreifend und kein Herz blieb ungerührt. Darauf beteten die Kinder mit lauter Stimme die ihnen vorgeschriebeuen Gebete. Der Cantor mit dem ganzen Chore singen unter Orgelbebegleitnng das ״Schma Jisroel“ so würdevoll, wie ich eS im Leben noch nie gehört habe. Ich war davon bis in daS Tiefste meiner Seele erschüttert. Hiermit ist die Feier beendet. Wer dies einmal gesehen hat, der kann es nicht wieder vergessen. Ich kann Ihnen, thenerste Mutter, gar nicht sagen, wie sehr ich mich erbaut und gehoben fühlte. Ich wünschte nur immer, dass Sie, liebste Mutter, zugegen wären und das mitansehen könnten.* Wir haben diesen Worten nichts beizufügen, sie sprechen klar und vornehmlich und zeigen, wie man jenseits des Rheins bestrebt ist, kindliche G müther für die Religion des Judenthums zu erwärmen und zu begeistern. (Montef.) Korrespondenz der Nedaetion. B. in Schl. Wollen gefälligst noch 25 kr. im nächsten Quartale nachsenden. Frau Dr. L. in B. Unier tiefstes Beileid über den herben Verlust, den Sie erlitten. L. in Schwall. (Preuß.) Es ist uns unbegreiflich, dass Sie nicht im Besitze der Blätter sind, da dieselben pünktlich abgesendet wurden. Din S. (Schw.) Besten Dank für ihre Bemühung zur Verbreitung unseres Blattes, die letzte?tu!inner bereits abgesendet. Jener Herr College, der gelegentlich des Ankaufes eines Solist- Zion den AbonnementSbetrag von 2 fl. 50 kr. an Professor Sulzer gesandt hat, möge der Redaction seinen?kamen mittheilen. An mehrere Abonnenten in Rußland. Zu wiederholten?Raten haben wir Ihnen bekannt gegeben, dass Sie den AbonnementSbetrag auch in Rubel einsenden können. Wollen Sie also das Versäumte baldigst nachholen. , Zahlungen der Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind an die Nedaetion Wien- II.- Novarai gaffe Nr. 23׳ zn senden. S Die Reduktion. Wegen der gesetzlich normirten Sonntagsruhe erscheint die heutige Nummer um einen Tag später. Die Redaciion. Concors.! Concurs. In der hiesigen isr. Religionsgemeinde ist die Stelle eines zeitgemässen, musikalisch gebildeten Tenoristen, der zugleich בעל הפילה und שוחט ובודק וקורא seilt muss und in der Knabenschule wöchentlich zwei Stunden Gesangunterricht zu ertheilen hat, mit dem Jahresgehalte von 500 Gulden und entsprechenden Nebenemolumenten zu besetzen. Reflectanten — der deutschen und ungarischen Sprache mächtig — wollen ihre diesbezüglichen Gesuche unter Angabe ihres Alters, Standes, bisherige Verwendung und unbescholtenen Lebenswandel an den gefertigten Cultusvorstand portofrei einsenden. — Zu einem Probevortrage werden nur die Berufenen zugelassen. Reisespesen jedoch werden einzig und allein dem Acceptirten vergütet. Szabadka — M.-Theresiopel, 28. Juni 1885. Jakob Weisz, M. Freudenberg, Notar. Präses. Am 1. September, eventuell am 15. Oetober d. J. ist in der hiesigen isr. Cultusgemeinde der Posten eines Cantors, Schochet und Kor eh zu besetzen. Für diesen Posten ist ein fixer Jahresgehalt von fl. 700, freier Wohnnng nebst üblichen Emolumenten und der Ertrag der Schechita stipulirt. Bewerber müssen musikalisch gebildet sein und die Befähigung haben einen Chor zu dirigiren. Diejenigen, welche die Eignung haben, dem Gemeinde-Secretariat vorzustehen, werden bevorzugt und nach Uebereinkommen der Jahresgeh alt erhöht. Documentirte Gesuche sind bis 15. August d. J. beim Cultusvorstande einzubringen. Die Aufnahme geschieht auf ein Jahr provisorisch. Dem Acceptirten werden die Reisekosten vergütet. L e i p n i k, 7 Juli 1885. Der Cultus-Vorstand.