Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 23 (3.7.1885)
- Date
- 1885-07-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 7׳ — chie Eintheilnng der Matrikenbezirke bis Ende August laufenden Jahres .äußern mögen. Sobald dies geschehen ist. wird der Minister die Bezirke endgiltig feststellen. Budapest, 1. Juli. Vor vier Wochen verschwand die zweieinhalbjährige Tochter des Sajo-Vamoser Einwohners Joseph Varga, und einige Neberreste ihrer Leiche wurden acht Tage später im Schilfe der herrschaftlichen Wiese gefunden. Seither bringt ein berüchtigtes Blatt alltäglich die haarsträubendsten Berichte über einen rituellen Mord, welchen die Sajo-Vamoser Inden an der kleinen Varga begangen haben sollen. Die blutrünstigen Schilderungen verursachten -Erregung unter den Bauern von Sajo-Vamos, bis heute über den Vorfall eine officielle Darstellung des Miskolezer Staatsanwaltes erschien, welcher constatirt, dass das Kind unbeaufsichtigt das Haus verließ, im Sumpfe der naheliegenden Wiese versank und dass nachher die Leiche von Hunden zerfleischt wurde. Das Volk ist ist trotz der -heftigsten Agitation bereits wieder ruhig. Baris. lieber die Ausschreitungen gegen die Juden in Algier liegen nun folgende Mittheilungen vor: In einem Cafe-Concert wurde eine Operette gegeben, worin über die Juden gespottet wurde. .Das jüdische Consistorium erhob deshalb Beschwerde, und die Behörde untersagte Las Stück. Letzten Mittwoch zog nun in Folge dieses Verbotes eine Bande von zweihundert Jungen, die meistens nicht älter als fünfzehn Jahre waren, allein von mehreren erwachsenen Personen angeführt wurden, auf den Regierungsplatz und schrie: ,Nieder mit den Juden! Tod den Juden!* Die Polizei verhaftete drei Burschen,! deren ältester 16 Jahre alt war. Die Bande zerstreute sich, sammelte sich aber an einer anderen Stelle wieder an und wollte die Magazine erbrechen, worauf die Polizei neuerdings fünf Personen, die Widerstand zu leisten suchten, verhaftete. Am 25. Abends wiederholten sich diese Scenen, und wurden abermals Verhaftungen vorgenommen. Am 26. fanden wieder Ruhestörungen statt. An verschiedenen Punkten wehrten sich die Juden und zwangen die Ruhestörer, sich zurückzuziehen. Von den Verhafteten sind 25 sofort verurtheilt worden. Der Temps -fügt hinzu: Alle Journale von Algier, welcher Richtung immer sie angehören, mißbilligen diese Manifestation und begehren von den Behörden Maßregeln, um eine Wiederholung derselben zu verhindern. London. Der Anglo-Jewish-Assoeiation sind interessante Mit-!Heilungen über einzelne der jüdischen Schulen im Orient zugegangen, welche , sicherlich auch für Ihre Leser von Interesse sein werden: ,In Constantinopel befinden sich zwei Schulen, die Haskiöi-Mädchenschule unter Leitung vou Fräulein Rachel Behar, und die Haskiöi-Knabenschule, welche ihre Mittel von der Anglo-Jewish-Assoeiation bezieht. Die Mädchenschule zählt etwa 176, die Knabenschule 118 Zöglinge. Letztere bedarf dringend der Erweiterung bis zur Aufnahme von 500 Schülern. — Die Schule in Jerusalem wurde im Monat März von 125 Zöglingen besucht, von denen jedoch nur 4 Schulgeld bezahlen, 45 Schüler werden ganz, 38 theilweise in der Schule beköstigt. Neuerdings ist Zeichnen in den Lehrplan mit ausgenommen worden. — In Salonichi ist das Schulwesen zu blühender Entwicklung gelangt. Die Knabenschule wird von 302 Kindern (darunter 2 Mohemedaner und 2 Christen) besucht, die Mädchenschule von 186, die Kinderschule von 179 und die Talmud-Thora-Schule von 1125 Zöglingen. In der Knabenschule wird türkisch, griechisch, französisch, italienisch und hebräisch gelehrt; 27 Knaben werden gegen- -wärtig zu Handwerkern ausgebildet. Mit den größten, innerlichen und äußerlichen Schwierigkeiten hat die Knabenschule in Sofia zu kämpfen. Die Regierung hat ihr Versprechen, der Schule Unterstützung zu .gewähren, vicht gehalten, und die zur Erhaltung der Schule bestimmte Fleischtaxe hat zwar 9575 Francs eingebracht, jedoch wird dieses -Geld nur widerwillig bezahlt und geht sehr unregelmäßig ein. — -Gegenwärtig ist die Errichtung einer Schule in Port Said geplant. Vor kurzer Frist ist in Mogador (Marocco) eine Mädchenschule unter Leitung von Frau Corcos eröffnet worden, welche allerdings dem Bedürfnis noch nicht im Entferntesten entspricht. 32 Mädchen sind aus der Missionsschule übernommen worden, außerdem konnten nur noch 10 Mädchen Ausnahme finden, wiewohl mindestens noch 50 arme Mädchen ausgenommen werden mußten. Dabei liegt die größte Schwierigkeit darin, dass die Kinder zu arm sind, um anständig bekleidet zu gehen, so dass vor allen Dingen für eine decente Bekleidung Sorge zu tragen ist- Lemberg. Wie die polnischen Blätter berichten, b-gibt sich demnächst von hier eine Deputation nach Wien, um beim Kaiser, dem Minister-Präsidenten und dem Justizminister sich über die syftematische Präterirung jüdischer Gerichtspraktikanten bei Avancements in Ostgalizien zu beschweren. Druckfehler-Berichtigung. In voriger Nummer haben sich einige Druckfehler eingeschlichen: Seite 4 Zeile 3 von unten muss es statt ״Segol“ heißen: ״Kibuz.“ Seite 4 Zeile 2 von oben muss es heißen: בקעניגסבערגז בק*ב. Seite 4 Zeile 8 von oben muss es heißen: "INI' prOTI. Stellenmränderung. College Heller, bisher Cantor in Stampfen, ist in gleicher Eigenschaft in Mislitz aceeptirt worden. (Unsere herzl. Gratulation. Die Red.) Correspondenz dev Nedaetion. M. W. in E. Werden uns nochmals genauer insormiren und Ihnen hierüber Mittheilung machen. Gruß. S. S. in T. In Angelegenheit T's. noch nichts erfahren. Gruß. R. K. in K. Coupon erhalten. Gruß. H. U. in W. Vorläufig nichts Paffendes frei. Gruß. Zahlungen der Abonnementsnnd Jnsertionsbeträge sind an die Nedaetion Wien, JLI., Novaragaffe Nr. 2? zu senden. Die Redaction. Concurs. In der hiesigen isr. Religionsgemeinde ist die Stelle eines zeitgemässen, musikalisch gebildeten Tenoristen, der zugleich בעל תפילה und שוחט ובודק וקורא sein muss und in der Knabenschule wöchentlich zwei Stunden Gesangunterricht zu ertheilen hat, mit dem Jahresgehalte von 500 Gulden und entsprechenden Nebenemolumenten zu besetzen. Reflectanten — der deutschen und ungarischen Sprache mächtig — wollen ihre diesbezüglichen Gesuche unter Angabe ihres Alters, Standes, bisherige Verwendung und unbescholtenen Lebenswandel an den gefertigten Cultusvorstand portofrei einsenden. — Zu einem Probevortrage werden nur die Berufenen zugelassen. Reisespesen jedoch werden einzig und allein dem Acceptirten vergütet. Szabadka —- M.-Theresiopel, 28. Juni 1885. Jakob Weisz, M. Freudenberg, Notar. Präses.