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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-07-03 · Heft 23 (3.7.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 23 (3.7.1885)
Date
1885-07-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — Wir wollen nicht annehmen, dass unsere College« auch , fernerhin in dieser Unthätigkeit verbarren werden, sondern vielmehr glauben, sie hätten gewartet, bis sie vom Vereknsvorstande ein Mandat zur Vornahme von Sammlungen in ihren Ge׳ meinden erhalten. Von dieser Ansicht geleitet, veröffentlicht auch I der Vorstand an anderer Stelle dieses Blattes einen Aufruf an sämmtliche Vereinsmitglieder und College«. Mögen sie denselben beherzigen und mit Eifer daran gehen, für das Wohl und die Entwicklung des Vereines, für die Verwirklichung seiner Zwecke thätig zu sein. Niemand schrecke davor zurück, wenn sich ihm auch Hinderuiße in den Weg stellen sollten. Mit ernstem Willen wird es Jedermann gelingen, Etwas zu erreichen, und selbst der kleinste Erfolg wird durch das Bewusstsein, einer heiligen Sache zu dienen, an Größe und Bedeutung gewinnen. Jahresbericht des österr.-ungar. Kantoren-Kereines. Der gefertigte Vorstand erlaubt sich den Mitgliedern des vsterr.-ungar. Cantoren-Vereines den Rechenschaftsbericht über das abgelausene Vereinsjahr vorzulegen und will es zugleich versuchen, die wichtigsten Erfolge seiner Thätigkeit kurz zu skizziren. So große und so zahlreiche Spenden, wie sie kurz nach Eonstituirung des Vereines im Jahre 1883 ein rasches Wachsen des Vereinsvermögens veranlassten, sind wir Heuer zu verzeichnen nicht in der Lage. Verschiedene Krisen in der großen Geschäfswelt und andere missliche Verhältniße, die sich speciell in der Residenzstadt geltend machten, haben der diesbezüglichen Thätig׳ keit des Sammlungs-Comit^s einen Hemmschuh angelegt. Trotzdem können wir mit freudiger Genugthuung constatiren, dass der Verein eine immer sichere und kräftigere Basis gewinnt und dass die Bilanz des heurigen Vereinsjahres als eine sehr günstige zu bezeichnen ist, was am besten aus einem Vergleiche mit den früheren Jahresausweisen erhellt. Unter den Einnahmen dominiren die regelmäßig wiederkehrenden, nämlich die Zinsen des in guten Staatspapieren angelegten Fondes, sowie die Mitgliederbeiträge, während die Spenden sich auf nur 100 fl. baar und 100 fl. Rente belaufen. Ein Ueberschlag über Las dem Vereine im gegenwärtigen Momente gesicherte Einkommen ergibt ein Zinsenerträgnis von i ungefähr 280 fl., welches zum Theile zur Deckung der Ausgaben ׳verwendet wurde, während die Gesawmtsumme der Mitgliederbeiträge und die einlaufenden Spenden intacr dem Vereinsfonde zufallen. Von den Mitgliederbeiträgen ist auch in dem heurigen Jahre ein Theil, ungefähr in der Höhe von 150 fl., unberichtigt gcblieben, und wir müssen die säumigen Vereinsmitglieder in ihrem eigensten Interesse dringendst ersuchen, nicht allzu lässig zu sein, da wir sonst bemüssigt sind, gegen sie den § 12 III der Statuten in Anwendung zu bringen. Von den Einnahmen pr. 826 fl.50 kr. baar und 100 fl. Rente wurde der größte Theil in Renten fruchtbringend an gelegt, so dass das Vereinsveemögen am Schlüsse dieses Jahres sich ungefähr aus sechs Tausend Gulden beläuft, ein Erfolg, der unter den misslichen Verhältnißeu der letzten Zeit als eine sehr bedeutender hingestellt werden muss, und den kaum ein zweiter ähnlicher Verein in so kurzer Zeit auszuweisen 'in der Lage ist. Sämmtliche Auslagen beliefen sich in dem heurigen Jahre auf 254 fl. 75 kr. Bedenkt man nun, dass dieselben im ersten Jahre eine Höhe von 606 fl. 71 kr., im zweiten Vereinsjahre die Höhe von 342fl. 14 kr. erreichten, so kann es von keiner Seite geläugnet werden, dass das Bestreben des Vereinsvorstandes darauf gerichtet ist, die Spesen aus das niedrigste Niveau herab- ׳ zudrücken. Nur so konnte es gelingen, trotz geringerer Einnahmen als in den Vorjahren, den Rentenbefitz des Vereires um 900 fl. zu erhöhen. Es ist jedoch gegründete Aussicht vorhanden, dass die Ausgaben in dem nächsten Jahre sich auf eine noch niedrigere Summe belaufen werden. In der letzten Vorftandssitzung sind die Mittel und Wege berathen worden, auf welchen das günstigste Resultat erreicht werden könnte. An dieser Stelle müssen wir auch eines Vorkommnißes Erwähnung thun, das in uns große Besorgnis erregte, den be-, treffenden Vereinsmitgliedern aber unangenehme Enttäuschung gebracht hat. Es gelangten nämlich in letzter Zeit an den Vorstand von verschiedenen Mitgliedern Gesuche um Gewährung von Darlehen aus der Vereinscassa. Den geehrten Herren Vereins- Mitgliedern sollte es ja bekannt fein, dass § 5 unserer Statuten ausdrücklich jedwede Verwendung des Vcreinscapitals vor Ablauf des fünften Vereinsjahres verbietet, daher waren wir, wenn auch mit schwerem Herzen, gezwungen, alle diese Gesuche, trotz der Würdigkeit der Petenten, abzuweisen. Jedes unbefangen urtheilende Vereinsmilglied wird uns dies nicht als Hartherzigkeit auslegen, sondern unseren Rechtsstandpunkt vollkommen billigen. Der Jahresbericht würde gewiss eine große Lücke empsinden lassen,׳ wenn wir nur das Cassagebahren und die materiellen Erfolge, die der ^Verein im heurigen Jahre aufzuweisen hat, besprechen wollten, es muß vielmehr noch betont werden, dass das Bestehen des Cantorenversines einen woblthätigen Ein׳ fluß auf das Verhältnis des Cantors zur Gemeinde und den übrigen Gemeindebeamten geübt hat. Durch die Intervention des Vorstandes ist es auch in einzelnen Fällen auf directes Ansuchen der betroffenen Partei gelungen, manchen Uebelstand zu beheben, und wir sind von -der Ueberzeugung durchdrungen, dass durch die Kräftigung des Cantorenvereines die Stellung des Cantorates au Bedeutung und Ansehen gewinnen werde. Die Bestrebungen zur Hebung des Cantorenstandes haben sowohl in zahlreichen Artikeln in unserem,Bereinsorgane, der österreichisch-ungarischen Cantorenzeitung, als auch des Oefleren in den Beralhungen der Vorstandsfitzungen ihren Ausdruck gefunden. Namentlich war es die Frage der staatlichen Anerkennung der Cantoren, die in letzter Zeit die Thätigkeit des Vorstandes voraussichtlich in Anspruch genommen hat und die, wenn auch nicht so rasch, einer glückichen Lösung entgegengeführt werden wird. Zunächst wird sich wohl der Verein in die Lage versetzt sehen, die Stellung der einheimischen Cantoren der österreichisch-ungarischen Monarchie, welche durch die in jüngster Zeit erfolgten Massenhasten Entlassungen von nicht ״einheimischen Cultusbeamten im deutschen Reiche in manchen Fällen bedroht werden könnte, zu sichern, und wir hoffen, dass dies mit Hilfe der competenteu Behörden gelingen werde. Der Rückblick aus die Erfolge, die unser Verein bisher errungen hat, gibt uns Kraft und Muth auch fernerhin mit allem Eifer für das Wohl unserer Standes- und Vereinsgenossen zu wirken und wir leisten das feierliche Versprechen, niemals unsere Pflicht außer Acht lassen zu wollen. An unsere Vereinsbrüder richten wir die dringende Bitte unseren Bestrebungen getreu zur Seite zu stehen, denn nur das Bewusstsein allseitiger und sicherer Unterstützung kann uns die nöthige Ausdauer verleihen. Jene Cantoren aber, die, sei es aus welchen Gründen immer, unserem Vereine ferne geblieben sind, laden wir ein, sich um unsere Fahne zu schaaren und damit nicht nur das Interesse des ganzen Standes, sondern auch das eigene zu wahren. Der Worstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines.

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