Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 21 (17.6.1885)
- Date
- 1885-06-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 7־׳ — sollten: Der Papst ertheilt diese Audienz nur in der Antichambre, und will itjin der Jude den Pantoffel küssen, so zieht er den Fuß zurück und der Jude muß die Stelle des Fußbodens küssen, wo der Fuß gestanden hat. Der Bittende darf nur in einer demüthigen Stellung, mit gesenktem Haupte und niedergeschlagenen Augen sprechen. Urban VIII. hat nach seiner eigenen Aussage diese Ceremonien an״ geordnet: non a Iibris instructus, non a magistro rituum monitus, sed coelitus illuminatus — nicht durch Bücher belehrt, nicht aus den Rath des Ceremoniemneisters, sondern von oben herab erleuchtet. : ד Werkrrü Vor einiger Zeit erschien ,in der antisemitischen Litteratur ein Buch unter dem Titel ,die 100 Gesetze des Judenkatechismus von Dr. Jakob Ecker'. Wie es sich nun herausstellt, haben die Antisemiten bei Herausgabe dieses Buches wieder einmal einen großen Schwindel getrieben, um das Volk gegen die Juden, auszuhetzen. Dies beweist die Erklärung, die Herr Dr. Jakob Ecker in der Germania vom 29. v. M. veröffentlicht: »Ich erkläre also hiermit allen Christen auf meine Priesterehre und allen Juden an Eidesstatt: 1. ) Ein Buch .Die hundert Gesetze des Judeukatechismus von Dr. Jakob Ecker' habe ich auch nicht herauszegebeu. ] 2. ) Von der Existenz eines solchen Buches hatte ich bis zum 19. Mai d. I., als ich, von einer Reise zurückgekehrt, die betreffende Nummer der ,Jüdischen Presse' vorfand, gar keine Ahnung, weßhalb mir auch früher die jüdische Neuigkeit, ich sei. wegen des Buches in Disciplinarnutersuchung gezogen, absolut unverständlich blieb. Wenn es wahr ist, wie Herr Dr. Hirsch Hildesheimer der Redaction der ,Germania' schreibt, dass ,das Büchlein. bereits vor einem Jahre erschienen und in Tausenden von Exemplaren im Münsterlande verbreitet worden,' so zeigt das wieder so recht drastisch, wie wenig ich mich um antisemitische Tagesschrifren kümmere. 3. ) Heute den 28. Mai 1885 hatte ich zum ersten Male das große Glück, die angeblich von mir herrührende ,grauenhaft perside Leistung' mit eigenen Augen zu sehen. Sie besteht in einem Heftchen von 10 Blättern mit dem Titel ,die 100 Gesetze des Judenkatechismus von Dr. Jakob Ecker. Verlag des Reformvereins zu Steele. Druck von D. Berthold, Steele.' Ob es nicht noch einen anderen l ״Dr. Jakob Ecker' gibt, muß sich Herausstellen; sollte mit meinem; Namen Misbrauch getrieben sein, so werde ich ,mein neuestes Werk" so bald als möglich aus der Welt schaffen. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer, Chef-Redacteur und Herausgeber der ,,Jüdischen Presse" in Berlin, ist's jetzt vielleicht klar genug? Nun, dann fordere ich Sie auf, die meine Priefterehre verletzende Behauptung, ich sei bei einer Herausgabe der Brochüre ״mir bewusst gewesen, eine Fälschung zu begehen", sowie alle darauf hinzielenden, zur Ausmalung meiner Charakteristik dienenden ״schmückenden Bi- Wörter" sofort zurückzu nehmen! — Dr. Jakob Ecker, Privatdocent." 'vWarocco. Nach den letzten Mtttheilungen, welche dem Central- Comite der ״Alliance Israelite“ aus Marocco zugegangen sind, hat sich die Lage der Israeliten - zu Demnat bedeutend verbessert. Die Vertreter Englands, Frankreichs, Italiens und der Vereinigten Staaten haben sich für sie bei der Regierung verwendet. S. M. der Sultan ernannte eine Untersuchnngs - Commission, zwei oder dr i maroccanische Israeliten gehörten dazu. Die Untersuch ung bewies die Schwere der gegen den Caid erhobenen Anklagen, doch ist die Anzahl derjenigen, welche der schlechten Behandlung desselben erlagen, nicht so groß, als man es zuerst vermuthet; es hat zwei Tobte, nicht 6 wie es der Märzbcricht nach den ihm aus Fez zugekommenen Nachrichten erwähnte. Der Ur'prung der Verfolgungen zu Demnat war die Weigerung einer Anzahl Israeliten dieser Stadt, gewiffe Steuern zu zahlen, welche der Caid ihnen ganz willkürlich auferlegt hatte. Dieser Beamte wollte die Widersetzlichen ins Gefängnis stecken; dieselben flüchteten, wurden von den Soldaten verfolgt, mißhandelt und bei dieser Gelegenheit sind 2 Juden, ein Mann und eine Frau getödtet worden. Die Bevölkerung benutzte den Vorgana, um den Mellah einznäschern, die Häuser und Läden der Inden ausmplündern. Der Caid bat den Dingen ihren Laus gelassen, hat selbst mehrere israelitische Notablen ins Gefängnis stecken lassen, ließ sie mit Stöcken schlagen und gewährte ihre Freilassung nur gegen große Summen Geldes. Die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens setzten es durch, dass den Familien der Geopferten und allen Mißhandelten oder Geschädigten Ersatz geleistet wurde, dass eine Commission ernannt wurde, bestehend, aus Israeliten zu Demnat, zum Zwecke der Vertheidigung der Rechte und des Besitzes ihrer Glaubensgenossen gegenüber dem Caid. Diese Commission besindet sich unter dem unmittelbaren Schutz Englands, Frankreichs und Italiens. Die Israeliten von Demnat, welche sich nach Tanger oder sonst wohin geflüchtet und es nicht wagten, nach ihrer Heimat zurückzukehren, können sich nun wieder beruhigt nach Hause begeben. Correspondenz der Nedaetion. H. in Br. Sie haben noch 25 kr. freundl. nachzuseiden. Ab. in L. Wir bitten um Nachseudung von 50 kr. Spr. in T. Den Betrag für Inserat für Rechnung der Gemeinde D. erhalten. Kin PrL. Die Stellung in O. . . ist keine sicheres und sind eine riesige Anzahl von Coinpetenten. Rob. in Csak. Für jetzt werden keine Musikbeilagen veröffentlicht, die gesandte Comp, bleibt demnach bis auf Weiteres in unserem Archiv. B. in G. Gerade diese Nummer ist vergriffen, werden sie aber verschaffen. Gruß. Schw. in Pul. Die Adreffe des Vereinscassiers, Herrn Cantor A. Fischer, I., Seitenstettengasse 4. Gr. in D. Beantwortung der Anfrage erfolgt in den nächsten Tagen, müffen vorerst an conrpetenter Stelle Erkundigung einzieben. Zahlungen der Abonnements- und Jnfertioirsbeträge sind an die Nedaetion Wien, II., Novaragaffe Nr. 2V zu senden. Die Reduction. Wir erlauben uns die Leser unseres Blattes auf das Inserat der ^irma R. Streschnak aufmerksam zu machen und können dieses Etablissement, aus welchem die schönsten und stilvollsten Grabdenkmäler stur den Wiener (Lentralfriedhof hervorgegangen sind, auf's Beste anempfehlen. In der jüd.-orth. Cultusgemeinde zu Papa ist die mit einem Jahresgehalte von 1000 fl. ö. W., freie Wohnung und üblichen Sporteln, — sowie mit einer jährlichen Pauschal- Dotirung von 800 fl. ö. W. für Gesangspersonal systemisirte Stelle eines Cantors, vom 1. September 1. J. an zu besetzen. Bewerber um diese Stelle, welche musikalisch gebildet, mit effectvollen Stimm-Mitteln begabt, der jüdischen Liturgie kundig, sowie sowohl in polnischem, als auch im Choralvortrage vollkommen qualificirt sein müssen, wollen ihre, mit Zeugnissen über religiös-moralischen Lebenswandel, bisherige Verwendung, Familienstand und Alter adjustirten Competenzgesuche längstens bis 15. Juli 1. J. an den Gefertigten einsenden. Zu Probevorträgen, welche ganz ohne Begleitung abgehalten werden, werden ausschliesslich nur diejenigen Reflectanten zugelassen, welche hiezu vom CultusVorstände eingeladen werden; und Reiseauslagen werden nur dem Acceptirten vergütet. Päpa, am 22. Mai 1885. Mayer Steiner, Gemeinde-Präses.