Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 21 (17.6.1885)
- Date
- 1885-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische r Pränumerations-Preis Kür Kereinsmitglieder: Ganzjährig ... fl. S-— Halbjährig . . . fl. 2.SO Vierteljährig . . fl. 1.25 Monatlich ... fl. —•45 Kür Mchlrnitgtteder: Ganzjährig ... st. 6.— Halbjährig ... fl. 3.— Viertellährig . . fl. 1.50. Monatlich . . - fl- —•50 Kür das Ausland: Ganzjährig ... fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. die Gesummt -Juterrssfn. jüdischer Caittartn. Erscheint jeden achten Hag. AdnrittisLration w 1 e n. II., Novaragaffe 27. Begründer: Obercantor Acrkoö ^Zcruei7. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. J Nr. 21 W*n9 17. Juni 1885. 5. Jahrgang Einladung zur Pränumeration auf die ״Bestkrr.-ungar. Cantoren - Zeitung". Mit 1. Juli beginnt das III. Quartal 1885. Wir ersuchen unsere, geehrten Herren Abonnenten, das Abonnement unter den an der Spitze des Blattes angegebenen Bedingungen baldigst erneuern zu wollen, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Für Coneurse, Inserate und Annoncen aller Art hat sich die Cantoren-Zeitung besonders geeignet erwiesen, da sie in allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft des In- und Auslandes verbreitet und gelesen ist, und die Znsertionsgebühr billigst berechnet wird. Die Administration. Aeber ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor Z. Singer in Wien. XXXVI. Der weitere Inhalt des Maier Cohn'schen Synagogen- Gesangwerkes interessirt in erster Reihe durch die gewissenhafte Berücksichtigung der traditionellen Gesänge (תוגות). Es ist in hohem -Grade bemerkenswerth, zu einer Zeit, wo man allenthalben mit der Neugestaltung des weltlichen Iudenthums auch die altehrwürdigen Synagogenmelodien zu entfernen sich veranlasst fand und in einem Werke, in welchem beispielsweise ein christlicher Musiker (Lenz) an die willkürliche Composition eines שמע ישראל jdjritt, und ein anderer (Drobisch) eine ähnlich verchristelte Darstellung eines קריש wagte 2c., der Tradition so voll und ganz Rechnung getragen zu sehen, wie es hier der Fall ist. Das חזנות von שלש רגלים und ימים נוראים ist seinem ganzen Umfange nach ausgenommen und sogar die viel verpönten Coloratureu, dort, wo dieselben als charakteristische Illustration nöthig erscheinen, beibehalten. Die richtige Anschauung, die Cohn bei Redigirung seines Werkes vorschwebte, findet am Trefflichsten j in der im September 1839 veröffentlichten Voranzeige ihren Ausdruck, indem dieselbe so voll und ganz die Tendenz deS Werkes vorführt, dass wir jeder weiteren Auseinandersetzung enthoben sind. Es heißt, dort unter Anderem: ,Sein Inhalt besteht außer würdevollen Gesängen für ein Vorsänger- Terzett und den Chor, auch in alterthümlichen Weisen der Vorsänger, die wir nicht zu unterdrücken, sonder n v i e Im ehr i n ihrer ehrwürdigen Eigenthümlichkeit beizubehalten undnur zu verkürzen und zu veredeln strebten. So spricht ein Mann, dem es keineswegs darum zu thun war, durch dictatorische Maßregeln den Schein der Bedeutung für sich zu erzwingen, sondern der mit der geschichtlichen Ent- Wickelung rechnete, und sich nur zu gut bewusst war, dass der vollständige Bruch mit der Tradition der Willkür freien Spielraum gestatten und diese selbst der heiligen Aufgabe unüberwindliche Schwierigkeiten bieten, der heiligen Sache tiefe, unheilbare Wunden schlagen müsse, wie die heutige Zerfahrenheit auf syuagogal-gesanglichem Gebiete leider genügend bekundet. Hätten die damaligen maßgebenden Factoren durch einfaches Verwerfen einer geschichtlichen Thatsache nicht den zweifelhaften Glanz einer gewissen Originalität erringen wollen, so wäre es gewiß keinem der..Epigonen eingefallen, für die בל־נדרי- oder גשם- und ^-Melodie eine neue, willkürliche Tonschöpfung zu substituiren; allein unsere modernen Componiften sprechen mit voller Ueberzeugung und wirklicher Berechtigung: ,Weshalb sollte es mir, der ich doch ein guter Musiker bin, nicht gestattet sein, beispielsweise für גשם und 2ל einen willkürlich erdachten קריש oder ברוך אתה zu componiren, wenn andere maßgebende Persönlichkeiten schon viel früher Aehnliches vollbrachten, ohne von der Mitwelt des Treubruches geziehen zu werdenV Auf diese Weise erstanden und erstehen jene zweifelhaften Werthe von Synagogengesängen, mit denen selbst der Unbefangene nichts anzufangen weiß, als sie einfach, als trauriges Denkmal für spätere Tage, zu den Acten zu legen. Nicht so bei Maier Cohn. Der Name Maier Cohn ist in weiteren Kreisen keineswegs als blendende originelle Erscheinung aus synagogal-gesanglichcm Gebiete bekannt, allein das vorliegende