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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-06-01 · Heft 19 (1.6.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 19 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür Vrreinsmitglieder: Ganzjävrig .. . . fl. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 Vierteljährig - fl. 1.25 Monatlich - fl• —-45 Kür Zlichtmitglieder: Ganzjährig ... fl. K.— Halbjährig - - . fl. 3-— Viertel!ährig . . fl. l-50 Monatlich ... fl. —•50 Kür das Ausland: Ganziährig . . . fl. 7.— . 12 Mark oder 6 Rubel. Organ für die Gesummt-Mmsskl! jüdischer Catiiurm. j Sz-mittistraiion I W t c 11. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obcrcantor Icrkov!j II., Novaragasfe 27. Z fl — Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirl. J Rr. 19 Wien, 1. Juni 1885. 5. Jahrgang Urbrr ^Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XXXV. Die von Maier Cohn im September 1839 veröffentlichten Münchener Synagogengesänge bieten in mannigfacher Beziebnng wahrhaftes Interesse. Dieselben befriedigen nicht allein fachmänniscb, durch das Planmäßige ihrer Anordnung, durch die Trefflichkeit der Bearb:iluna, sondern bedeutend mehr durch den historischen Kern, der ihnen innewohnt. Für die Gediegenheit der musikalischen Bearbeilung brauchten wir täglich nichts weiter anzuführen, als die Namen der Mitarbeiter: D r o b i s ch C. E 1 t * 2), D. Hessel 3), F r a n z Lachner 4 5), L. L e n z °), I. H. ©tun , 6). Wie bei Herausgabe des Schir Zion I sich die beiten Musikkräfte Wien's lim die Bestrebungen Snlzer's bemübtcn, so finden wir auch bei dem Maier Cohu'scheu Unterriebmen die vorzüglichfteu Touschöpser jener Periode bei demselben tbätig; es ist daher keineswegs zu verwundern, wenn die musikalische Verarbeitung der einzelnen Nummern geradezu mustergilig erscheint. Wenngleich wir uns nun, angesichts dieser Thatsachen der Pflicht enthoben sehen, das vorliegende Werk bezüglich der Musikgesetzmäßigkeil beurtheilcn zu müssen, so können wir es dennoch nicht unterlassen, zu constaliren, dass die Compositionen^znmeist ein kirchliches Gepräge au sich tragen, was bei der musikalischen 9 Drobisch, Kirchencompönist, geb. 1803 zu Leipzig, gest. 1854 zu Augsburg. 2) C- Ett, gründlicher Theoretiker und Pädagoge, geb. 1788 in Erling in Baiern, gest. 1847. 3) D. Hessel, bedeutender Musiklehrer und Componist, geb. 1790. 4) Franz Lachner, einer der hervorragendsten deutschen Componisteu, geb, 1804 zu Rain. 5) L. Lenz, bedeutender deutscher Baritonist und Liedercomponist, Hofkapell- und Theatersänger, später Proressor am Münchener Conservatorium, geb. 1803. b).Z. H. Sruuz, Hofkapellineister in Akünchen, geb. 1793 in der Schweiz, gest. 1859. Richtung der betreffenden Componisteu, welche, mit Ausnahme F. Lachner. insgesammt der Kirche dienten, als selbstverständlich erscheint. Ueber den Kirchenstyl in der Synagoge äußerten wir wiederholt unsere Ansicht und erachten es daher nicht als nöthig, an dieser Stelle nochmals unsere Anschauung kund zu geben. Nur einer Ühtnimer, und zwar der Composition Franz Lachner's, Psalm 42 (tu der Partitur steht irrthümlich 24) Keajol taarog al afike raojim in F־dur wollen wir unsere nngetbeilte Aufmerklamkeit zuwenden. nicht, weil dieselbe der Feder eines weltberühmten Meisters entstammt, sondern weil das Werk uns beweist, dass auch ein nichtjüdischer Componist die Fädigkeit besitzt, auf dem Gebiete des Synagogengesanges Mustergiltiges ' zn schaffen, wenn er nur dem Gegenstände die notbwendige Herzensregnng, das richtige Interesse neben der musikalischen Bedeutung und Fähigkeit entgegenbringt. Die Münchener Gesänge entstanden zur selben Zeit wie die Gesänge des Schir Zion; einige Jahre Unterschied kommen hiebei nicht so sehr in Rechnung, da bekanntlich einzelne Nummern des Schir Zion in Mannscriptform früher verbreitet waren, als dis Münch.ner Gesänge. So viel steht jedoch fest, dass Sulzec durch das Gerücht von einer in München geplanten Herausgabe gedruckter Synagogeugesäuge zur raschen Drucklegung' seines Schir Zion I sich veranlasst fand. Dieser Umstand beweist nun zur Genüge, dass die einzelnen Nummern der Wiener und Münchener Synagogeligesänze, und zwar jene von der Hand christlicher Meister, zu gleicher Zeit gearbeitet wurden; und dennoch, welche Kluft zwilchen der Bedeutung dieser und jener Compositionen! Während Seisried in seinen והיו למשסה durch kirchliches Fugenwerk und in בואו בשלום mit Kreuzer'sche Nachtlagermotiven der Synagoge zu imponiren vermeint; Würfel im Ls-clur אדון עולם opernartig pathetisch wird und Drexler mit seinem, durch das maßgebende Wort Snlzer's beinahe traditionell gewordenen אבינו מלבנו ein sogenanntes christliches חזנות schuf, alle insgesammt jedoch durch das Vorherrschen ihrer Musikgebilde nicht nur keine ersprießliche Illustration, sondern wirklich eine Verzerrung des hebräischen Wortes zu Wege gebracht, erscheint dieses bescheidene Gesangsstück mit seiner knappen Musrkform, mit seiner textesverwandten Tonmalerei und seiner überaus

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