Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 13 (14.4.1885)
- Date
- 1885-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische t-- Pränumerstions-Preis Kür ^ertinsmitgttedrr: Ganzjährig - . - . sti.— Halbjährig . . .׳ fl- 2.SO Vierteljährig . . fl. 1.2s Monatlich ... fl. —•45 Kür zrichlmitglieder: Ganzjährig ... st. S.— Halbjährig ... fl. 2.— Lierteliährig . . fl. 1-50 Monatlich ... fl- —■50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . . fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. Organ für die Gesummt-Interessen jüdischer Gantnreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrüc>l> Wauev. AdntirrisLratiorr w j e n. E n.» Novaragasse 27. 8 — Inscrate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. I Nr. 13 Wien, 14. April 1885. 5. Jahrgang an unsere geehrten Herren Abonnenten! Diejenigen Herren Abonnenten, welche in Folge der Feiertage verhindert waren, das Abonnement auf das mit 1. April 1885"begonnene II, Quartal zu erneuern, werden dringendst ersucht, dies baldigst zu thun und den Pränumerationsbetrag umgehend einzusenden. Unser Blatt, das während der Feiertage einen unregelmäßigen Erscheinungstermin hatte, wird von dieser Nummer wieder mit der gewohnten Pünktlichkeit erscheinen und an die Herren Abonnenten versendet werden. Diese jedoch bitten wir nochmals, im Interesse einer pünktlichen Expedition mit der Erneuerung des Abonnements nicht zu säumen. Die Administration der österr.-ungar. Cantoren-Zeitung. Einiges über Mozart. So lange Mozart lebte, wurde ihm oft, mehr aus unverständigem Preis, als aus neckendem Uebelwollen nachgesagt, er werfe seine Werke, auch die vortrefflichsten, schnell hin; nach dem Sprichwort, er schüttle sie aus dem Aermel. Auch in die früheren Notizen von seinem Leben, nachdem er gestorben war, ist dies Wort übcrgegangen und Bekannte, die nur seines äußern Thuns geachtet, bestätigen es. Di - Sache kommt bei genauerer Untersuchung ans Folgendes hinaus. Mozart schrieb allerdings nicht gern: nämlich das Wort rm buchstäblichen Sinne, blos vom Stillsitzen und Federsühren verstanden. Dazu mußte er oftmals erst veranlaßt, wohl auch gedrängt werden. Ward er das aber, und war er nur erst warm dabei, so ging's schnell, oft sehr schnell und doch zugleich, wenigstens in späteren Fahren, mit so beharrlichem Zusammenfasten alles geistigen Vermögens, dass er selten Etwas und kaum etwas Wesentliches nachher zu verbessern fand. Aber darum arbeitete Mozart nicht so schnell, nicht, wie e» den Anschein hatte, leichthin und gleichsam spielend. Was er schrieb, wenn es in's Große oder doch in's Bedeutende gehen sollte, kam ihm selten erst in dieser Stunde zu, und nicht, als fiele es von ungesähr vom Himmel herab; viel weniger war dies mit der Anordnung und Gestaltung des Erfundenen der Fall. Es-war so: Mozart-, war er allein oder mit seiner Frau oder mit Andern, die ihm keinen Zwang auflegten, vor Allem aber auf seinen vielen Reisen im Wagen — hatte die Gewohnheit fast unausgesetzt nicht nur seine Phantasie auf neue melodische Erfindungen — Themata, wenn man will — ausgehen zu lasten, sondern auch seinen Verstand und sein Gefühl gleich mir der Anordnung und Bearbeitung solch eines Funds zu beschäftigen, wobei er. ohne es zu wissen, oft summte, ja laut sang, glühend heiß ward und keine Störung duldete. So machte er ganze Musikstücke im Kopfe fertig und trug sie nachber mit sich herum, bis er znm Niederschreiben veranlaßt ward, oder auch in eigenem Drange sich ihrer entledigen wollte. Sein Gedächtnis für Musik war bewundernswürdig. Einige kleine Vorfälle mögen hiefür den Beweis liefern Als vierzehnjähriger Knabe (1770) war er mit seinem Vater in Nom. Clemens XIV. (Ganganelli) mar ihm gewogen und ließ ihn mehrmals auf seinen Zimmern spielen. Es war gegen die Osterzeit. Vater und Sohn hatten viel von der Feier der stillen Woche, auch in Hinsicht auf Kirchenmusik, namentlich von dem unsterblichen Meisterwerke des Antonio Allegri, dem zweichörigen Ni86r6r6, das jedes Jahr dann vorgetragen wird, erzählen gehört, und der Knabe in seiner Unbefangenheit bat den Papst um eine Abschrift. ,Das kann nicht sein', mein Sohn; war die freundliche Antwort, .diese Werke sind nicht mein Eigenthum, sondern der Kirche'. Der Knabe ging in die einzige Probe, die gehalten ward, hörte mit größter Aufmerksamkeit, eilte nach Hause und schrieb das Werk nieder. Zur öffentlichen Aufführung nahm er sein Manuscript mit, füllte, gleichfalls blos nach dem Gehör, die Lücken ans, verbesserte manchen Gang der Mittelstimmen, besaß nun das Werk, .ganz wie es ist, auf dem Papiere und war keck genug, es dem Papste in Abschrift zu zeigen. ,Nun', sagte dieser lächelnd, .was Du selbst davonträgst, kann ich Dir nicht