Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-03 · Heft 12 (3.4.1885) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 12 (3.4.1885)
Date
1885-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453011--1302-3455428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Oesterreichisch-ungarische Organ Erscheint jeden achten Hag Begründer: Obercantor IcrAob Wcrirev. Pränumerations-Preis Kür Mrrrknsmitgeieder: G.inzjävrig ... fl. 5.— Halbjährig ... fl. 2.50 - Vierteljährig . . fl. 1.25 Monatlich ... fl. —•45 Kür Aichlmitgttcder: Ganzjährig ... fl. 6-— Halbjährig ... fl. 3-— Vierteljährig . - fll 50 Kür das Ausland: Ganzjährig - . - fl- 1 12 Mark oder 6 Rubel. Manuskripte werden nicht retournirt. Inserate werden billigst berechnet. ^Retlnciiau LldrnLttistratiorr Einladung zur Pränumeration auf die ״Besten.-Ungar. Cantoren - Zeitung". Mit dieser Nummer beginnt das II. Quartal 1885. Wir ersuchen unsere geehrten Herren Abonnenten, das Abonnement baldigst erneuern zu wollen, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Für Concurse, Inserate und Annoncen aller Art bat sich die Cantoren-Zeituug besonders geeignet erwiesen, da sie in allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft des In- und Auslandes verbreitet und gelesen ist, und die Znsertlonsgebühr billigst berechnet wird. Die Administration. Heber ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XXXII. Versuchten wir nun in der voransgeschickten Erörterung die Rangstufe zu verzeichnen, die Naumburg im Kreise der synagogalen Chorgesangs-Componisten gebührt, so ist damit keines- Wegs die culturhistorische Bedeutung der im Werke Semiroth Jisroel" niedergclcgten Naumburg'scheu musikalischen und fachntännischen Bestrebungen erschöpfend klargelegt; es erübrigt uns vielmebr noch, eine der glänzendsten Seilen seiner Befähigung und Thätigkeit zu beleuchten, und zwar den cantoralcn Solo- Gesang. Zn gewisien jüdisch-cantoralen Kreisen ist man leider geneigt, pompös aufgcbauten, mit allen möglichen musik-artistischen Behelfen ausgestatteten Compositionen größere Beachtung und Bewunderung entgegenzubringen, als den einfachen, nicht für den Effect berechneten, nicht durch künstliche, sondern wahrhaft künstlerische Auffassung und Bearbeitung entstandenen Gesängen, ohne zu bedenken, dass die äußerlichen Hilfsmittel jener Compositionen oftmals nichts weiter als Nothsignale componistilcher Armseligkeit sind, während bei diesen der allbekannte Ausspruch von der Meisterschaft in der Beschränkung zum Ausdrucke gelangt. Nicht contrapunktische Spitzfindigkeiten und durch musikalische Ziechenexempel herbeigeführte, kühne Modulationen^ sind es, die den Meister kennzeichnen, die hohe Bedeutung eines echten Componisten liegt lediglich in der idealen Auffassung des zu behandelnden Stoffes und in der künstlerischen Bearbeitung desselben; wir geben noch weiter, indem wir behaupten, dass die vollendetste musiktechnische Befähigung bei mangelhafter Auffassung Schiffbruch leiden müsse, und dais umgekehrt die geniale Auffassung irgend eines musikalischen Kunststoffes der Arbeit auch dort zur Anerkennung verhilft. wo die Regeln der Satzkunst mangelhaft oder umgangen erscheinen: das Vollendetste wäre daun selbstverständlich jenes Kunstwerk, allwo Auffassung und Bearbeitung sich decken. Das räumlich winzigste, wie größte Kunsterzeugnis setzt demnach dieselben künstlerischen Bedingungen voraus, wenn es den Anspruch auf die Bezeichnung ,echte Kuustschöpfuug* erheben soll. Diese einleitenden Worte finden ihre Berechtigung in dem Umstande, dass wir einen Gegenstand zu behandeln im Begriffe sind, welcher von den jüdischen Cantoren zumeist wenig oder unzweckmäßig cultivirt, demnach in seinen besten Formen nichtverstanden wird und auch unbeachtet bleibt. Es ist dies der cantorale Sologesang *). Will man die im Naumburg'scheu Werke enthaltenen Cantorsoli erschöpfend und zweckmäßig besprechen, so müssen dieselben zuvörderst in drei Abtheilnnzen geschieden werden, und zwar 1. das sogenannte deutsche Recitativ; 2. das polnische Necitativ; und 3. das liturgisch-traditionelle Recitativ (N1UN). Wir erklärten, gelegentlich der Besprechung des Sulzer'schen Nu Zoäln-Necitativs, dass Nestor Sulzer. beziehungsweise seine Wirksamkeit als der Ausgangspunkt jener Gattung von Cantorsoli, die wir kurzweg mit ,deutsches Recitativ* bezeichnen, zu betrachten ist, weil die vorsulzer'sche Vorbeterperiode diese von Sulzer in seinem Na Zockln ma’asecho aufgestellte Gattung *) Wir gedenken nach Beendigung der vorliegenden Arbeit diesem Gegenstände eine eingehende Klarlegung zu widmen. * £

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.