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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-03-25 · Heft 11 (25.3.1885) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 11 (25.3.1885)
Date
1885-03-25
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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sich mit der katholischen Comtesse Blanche de Caftrone, einer Tochter der unter dem Namen Marchesi bekannten Gesangs-Professorin, vermalen dürfe, ohne dass eine Conversion stattsinden müsse. Die Vermälruig des Baron Alexander Popper-Podhragy mit Comtesse Ca'trone dürste in der nächsten Zeit in Paris stattsinden, dem gegenwärtigen Wohnorte der Braut. Vor beiläusig einem Jahre ist die Familie der Braut um den Dispens von diesem Ehehinderniße eingeschritten. Der Heilige Vater hat in Würdigung der obwaltenden Gründe den Dispens ausnahmsweise ertheilt und durch päpstliche Breve im Wege des Erzbischoss von Paris das trennende ,Ehehinderniß der Neligions- Verschiedenheit' für diesen Fall behoben. Die Fälle des Disvenses von diesem Ehehindernisse sind überaus spärlich und sogar seltener als jene der Trennung einer katholischen Ehe durch den päpstlichen Stuhl. An die Mittheilung dieses außerordentlichen Falles schließt der ״Wiener Israelit" folgende Begebenheit an, die sich vor einigen Jahren im Hause Popper ereignet haben soll: Die Tochter des Herrn -Popper, der damals noch ״Ritter" war, war gefährlich erkrankt. Nachdem sie von allen Aerzten aufgegeben worden, wandte man sich — man höre und staune! — au den seligen Rabbi von Neu- Sandec um Hilfe. Dieser hochehrwürdige Rabbi stellte die Genesung d:r Patientin nur für den Fall in Aussicht, wenn sie ihr eigenes Haar ablegen werde. Man nahm der Kranken das Haar ab und sie wurde bald darauf gesund. Ob sie noch heute fremdes Haar trägt, wissen wir nicht; aber charakteristisch ist wohl diese Geschichte für das Haus Popper, welches den Anforderungen der strengsten Orthodoxie sowohl als auch* den Ansprüchen der äußersten Reform und des Zeitgeistes Genüge zu leisten vermag. ZLudweis. Dienstag den 17. d. M. fand hier die Trauung unseres Obercaniors Herrn Josef Klein mit Frl^ Ottilie Wunder, Tochter des hiesigen Kreisrabbiners A. Wunder, statt. Eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern, wie auch viele Honoratioren der Stadt waren bei der Trauungsfeier anwesend. Urzemyst, im März 1885. Vor einigen Jahren traten hier einige, den Anforderungen des Zeitgeistes Rechnung tragende Männer zusammen und gründeten unter vielen Opfern ein neues Gotteshaus, das in seiner äußeren Ausstattung und zeitgemäßen Einrichtung nichts zu wünschen übrig ließ. Diesem neuen und schönen GolteShause aber fehlte noch der geregelte Gottesdienst. Da führte vor zwei Jahren ein günstiger Zufall den Cantor Herrn Joachim Äiiraiitma 1111 in unsere Stadt und nachdem derselbe an zwei aufeinanderfolgenden Sabbalhtagen im Tempel die Cantorfunctionen zur vollsten Zufriedenheit der Tempelgemeinde ansgeübt hatte, wurde er von der Tempelvsrwaltung ans die Dauer mehrerer Jahre als Cantor angestellt. Und wahrlich, die Verwaltung hat volle Ursache, mit ihrer Wahl zufrieden zu fein, denn Herr Knrantmann ist ein Mann, der nicht nur musikalische Bildung und die Befähigung zur Schulung und Leitung eines Chores besitzt,׳ sondern er ist auch ein Cantor, der von der Wichtigkeit und Heiligkeit seiner Aufgabe durchdrungen ist und auch den strengsten Anforderungen gerecht wird. Das hat er während der Zeit seiner Be: lfsthätigkeit sattsam bewiesen und darum sei ihm hier die öffentliche Anerkennung zu Theil. Wenn aber der Tempel veimöge seiner schönen Ausstattung und Einrichtnng, und der Gottesdienst in Folge der vorzüglichen Eignung des Cantors dem religiösen Bedürfniße und den modernen Anschaumigen der Gegenwart so sehr entsprechen, so hat die noch junge Tempelgemeinde berechtigten Grund zu hoffen, dass das unter vielen Anstrengungen und Anfeindungen in's Leben gerufene Werk ein dauerhaftes sein werde. Wttdapest. Wie in diesem Blatte bereits gemeldet wurde, hat sich vor Kurzem in Budapest die Gesellschaft der reformirten Israeliten- Gemeinde constituirt und zur Entwicklung derselben ein Actions- Comils eingesetzt. In dasselbe wurde ein gewisser Mori; Zsengery ohne sein Wissen und ohne seine Zustimmung gewählt, woraus er im ,P. Lloyd' folgende Erklärung veröffentlichte: .Aus den Zeikuilgen entnahm ich, dass die am 8. d. M. stattgehabte constituiren e Versammlung der Budapester reformiten Jsrae» liten-Gemeinde mich ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung mit ihrer Wahl in das Actions-Comits beehrte. Ich muß mit Bedauern erklären, dass ich diese Wahl nicht annehinen kann. Obwohl ich principiell kein Gegner der Reform bin, nachdem ich. bereits im Jahre 1848 ein eifriges Mitglied der hiesigen Resormgemeinde war, so halte ich es derzeit dennoch nicht für oppurtun, dass wir unter den zerfahrenen Zuständen unserer Consession, wo wir. bei gänzlichem Mangel einer Autonomie, mit zwei einander feindlich gegenüberstehenden Landeskanzeleien behaftet sind, die sehnlichst herbeigewünschte Einigung des ungarischen Judenthnms durch neuere Reformbestrebungen noch mehr erschweren. Ich höre, dass der Herr Cultusminister das Zustande׳ kommen dieser geplanten Reform stark begünstigen soll; wenn dies auch wahr ist, so ist es für unsere vitalen eonfessionelleu Interessen dennoch nicht maßgebend, läßt ja doch der Herr Minister die für uns so schädliche und nunmehr längst ungesetzliche, weil mandatlose Landeskanzlei ungehindert sortbestehen. Geliebte Brüter in Israel! Lassen wir jetzt alle Reformen, kämpfen wir lieber mit vereinten Kräften für unsere oonsessionelle Autonomie und streben wir zur Herstellung des Friedens in Israel! Und wenn übrigens irgend ein heerdeloser Hirte dringend einer Heerde bedarf, so folgt daraus nicht, dass wir die Rolle seiner Schafe übernehmen. Wenn wir dereinst eines Führers bedürfen werden, der uns in das Feld der Reformen zu führen berufen ist, so wird sich ein solcher Mann finden, wie wir ihn im Jahre 1848 in dem nunmehr in Gott ruhenden A. Eduard Horn gefunden haben.' Hdefsa. Wegen eines Inden hat sich zwischen der russischen und türkischen Regierung ein kleiner diplomatischer Streit erhoben. Der Dolmetscher de» türkischen Generalconsuls in Odessa, Herr Silber-! mann, hatte neulich in amtlicher Sache beim Odessaer Friedensrichter Straßeschko zu thnn. Dieser fragte Silbermanu nach seiner Religion. ״Ich bin Jude!" antwortete Silbermann unerschrocken, aber ziemlich überrascht wegen dieser Frage. ״Dann nehmen Sie ihren ״Fez" ab!" schrie der Richter. Silbermann wollte der Anffordernng nicht entsprechen, indem er erklärte, dass er hier nicht als Jude, sondern als türkischer Beamter erscheine, worauf ihm der Richter den Fez vom Kopse reißen ließ. Der türkische Generalconsul wandte sich an die türkische Gesandtschaft in Petersburg um Genngthuung für diese Beschimpfung eines türkischen Beamten. Derselbe war entschieden im Rechte; denn die Türken nehmen ihre Kopfbedeckung vor Niemandem ab. Correspondenz der Nedaetion. Kl. in B. Herzliches ״Masol-Tow* die besten Grüße. G. in K- Bestätigen dankend den gesandten Betrag. Gruß. B. in Han. Betrag erhalten. Besten Gruß. Spr. in D. Werden über diesen Punkt Nachdenken und Bericht erstarten. — Mink, in CH. (Rußl.) Danken bestens für die Verbreitung unseres Blatles in Ihrer Gegend. Ueber Anfrage erhalten Sie in nächster Zeit Bescheid. Gruß. Dr. L. in B. Richtig. Gruß. Allen unseren College» und Freunden wünschen wir ט1ב DV שמחת♦ Diejenigen Kollegen, welche Rückstände schulden, ersuchen wir, die Beträge ans schleunigst einzusenden, da wir zum Qnartalschluss vielfachen Verpflichtungen nachkommen müssen. Die Redaction. Der Feiertage wegen erscheint die dieswöchentliche Nummer Mittwoch den 25. März, die nächste Nummer Freitag den S. April.

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