Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 10 (14.3.1885)
- Date
- 1885-03-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Da der Unterrichtsminister Baron Konrad während dieser Rede nichr im Parlamente war, erhob er srch zu Beginn der nächsten Sitzung zu einer kurzen Entgegnung, in welcher er bezüglich der Anstellung jüdischer Prosessoren an der Universität folgende, höchst bedentsarne Aeußerung that: ,,Wenn der Herr Abgeordnete sich mit den Ernennungen für die -Lehrkanzeln an der Wiener Universität beschäftigt und dabei besonderes Gewicht auf die Confession der Ernannten gelegt hat, so sind die Meisten unter uns gewiss empfänglich für den Humor, mit dem der Herr Abgeordnete uns vorausgesagt hat, dass die Wiener Universität, wenn man auf diesem Wege fortführe, in eine orientalische Academie verwandelt werde, allerdings auf dem souderbaren Wege der Ernennung einzelner Lehrkräfte von nicht christlicher Confession. Allein die wohlmeinende freundliche Warnung, welche der Herr Abgeordnete an diese Darstellung geknüpft hat, kann ich leider nicht benützen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ich die ziffermässigen Daten, die der Herr Abzeordnete be> züglich der Confession der Lehrkräfte angeführt hat, gar nicht zu controliren im Stande bin. Denn ich führe kein Verzeichnis über die Lehrkräfte der Anstalt nach Confessionen getheilt (Beifall links) und ich bin auch heute noch nicht in Kenntnis von der Confession der einzelnen Lehrkräfte, weil bei der Ernennung auf Lehrtüchtigkeit und Wissenschaft׳ liche Begabung (Bravos Bravo! links) und wissenschaftliche Verdienstlichkeit gesehen wird, aber nicht auf die Confession, und ich würde sogar die Erwägung darüber ausgeschlossen finden durch den ganz klaren Wortlaut der Staatsgrundgesetze. (Sehr richtig! links). Ich möchte überhaupt bei jeder Partei und bei jedem Mitgliede der Vertretung es bedenklich finden, bei manchen Artikeln der Staats- Grundgesetze, wie Shylok aus seinem Schein, unbedingt zu bestehen auf der wörtlichen Vollführuug derselben, bei anderen aber der Negierung ein gewisses laxes Vorgehen zu empfehlen. (Sehr gut! Bravo! links). Wie gesagt, ich kann jene Warnung des Herrn Redners in dieser Richtung nicht benützen und ich-kann nur zur Beruhigung des Herrn Abgeordneten die Versicherung geben, dass bei gleichen Verhältnißen eine Entscheidung zu Gunsten eines der christlichen Religion nicht angehörigen Candidaten zu fällen, eine Nebung ist, die nie bei der Unterrichtsverwaltung stattgefundeu hat, und das aus dem Grunde, weil um die Confession nicht gefragt wird, außer wenn es sich um einen Leiter einer Volksschule oder um den Lehrer des Religions- Unterrichtes handelt.... Wien. Das Vorstandsmitglied der Wiener israelilischen Cultusgemeinde, Herr Emanuel Baumgarten, welcher durch sieben Jahre dem Bezirksschulralhe der Stadl Wien angehörte, hat vom Bürgermeister Eduard Ubl folgendes Schreiben erhalten: ,Der Bezirksschulrath der Stadt Wien hat in seiner Plenarsitzung vom 18. Februar 1885 die Mittheiluug von dem Ausscheiden Eurer Wohlgeboren ans seiner Milte mit dem Ausdrucke des Bedauerns zur Kenntnis genommen. Der Bezirksschulrath hat bei diesem Anlässe nickt umbin gekonnt, auf Las von Euer Wohlgeboren während Ihrer siebenjährigen Mitgliedschaft an den Tag gelegte warme und hingebungsvolle Interesse für die Entwicklung und Förderung des hierstädtlschen Volksschnlunterrichtes zurückzublicken und in aufrichtiger Würdigung Ihres in Anstrebung dieser Ziele bei jeder Gelegenheit durch ein ebenso entschiedenes als tactvolles Mitwirken _ bewiesenen, besonderen Eifers Euer Wohlgeboren seinen Dank und seine Anerkennung auszusprechen. Hievon wollen Euer Wohlgeboren gefälligst Kenntnis nehmen. Wien, am 25. Februar 1885. Der Vorsitzende: Eduard Uhl.* Arad. Im hiesigen israel. Tempel hat am 4. März zum Andenken des vor einem Monate verstorbenen Oberrabbiners Jakob Steinhardt ein Trauergottesdienft stattgesunden, an dem sich ein sehr zahlreiches Publikum betheiligte. Unter den Anwesenden bemerkten wir die Herren: Vicegespan Peter v. Ormos, Bürgermeister Salacz, ׳GM. Drexler, mit einer aus Stabs- und Oberofficisren bestehenden Suite," Direktor Elek Kuncz, Schnlinspector Simay, Director P>׳ter Kerner, Magistratsrath Csiky, Hochw. Augustin Hannsea, Handelskammer-Prästdent Franz Grünwald u. a. m. Nack einem vom Obercantor K o h n unter Assistenz des Chores sehr brav executirten Trauer-Choral hielt der Bndapester Prediger, Ebrw. Dr. Sam. Kolm die Gedenkrede. Eingangs derselben sagte Redner: Mit ehrfurchts» voller Pietät betrete er den Platz, auf dem er stehe. Ihm sei als ob er die Worte das Herrn vernehme: Löse deine Schubriemen, denn der Boden, den du betrittst ist cheilig. Dem sei in der Tbat so. Er stehe auf weithin geweihter Erde; die dreizehn Araber Märtyrer die Blutzeugen der Revolution, haben dieselben betreten und von ihrem Schoße wurden sie aufgenonunen. Er stehe auf geweihter Erde; im Hause Gottes, in welchem bedeutende Männer das Wort des Herrn verkündeten. Und an eben dieser Stelle sei vor Monatsfrist eine Lade gestanden, in welcher die zerbrochenen Tafeln des Wortes Gottes lagen. Die Leiche Steinhardts. Die trauernde Familie, eine verwaiste Gemeinde, und die Judenschaft von ganz Ungarn rief schmerzbewegt: Gott hat den Ruhm meines Hanfes entrissen. Aber nicht nur für den engern Krcis des Judenthums war der Tod Steinhardts ein herber Verlust, er war es für die ganze Gesellschaft. Ueberall dort, wo Patriotismus, Tugend, Wissenschaft, Geilt und Gemüth geschätzt und anerkannt werden, hat das Hinscheiden des Oberrabbiners der Araber israel. Gemeinde eine empfindliche Lücke hiuterlassen. Redner entwirft sodann ein farbensattes Bild des Gelehrten, des Priesters und Menschen, der in der Vergangenheit wurzelte und in der Gegenwart für die Zukunft wirkte. Er schildert die Schwierigkeiten, mit denen der Knabe, der Jüngling und Mann zu kämpfen hatte und wie er sich trotz all dieser Hemnisse einen so großen wissenschaftlichen Schatz anzueignen wusste, wie er nur selten bei einem Menschen gefunden wird. Dieses tiefe gründliche Wissen verlieh seinem Geiste Adlerschwingen, die ihn hoch hinaus über Berg und Thal in die Regionen des reinen Aethers führten. Die Wirksamkeit des Verblichenen in seiner Gemeinde schildernd, sagt Redner: Im Beginne dieses Jahrhunderts war Arad der Ausgangspunkt jener Bewegung, weiche die Fahne des Fortschritts entfaltend, das traditionelle Judenthum mit dem Geiste der Aufklärung und des Fortschrittes in Einklang bringen wollte. Das von Aaron Chorin Begonnene wurde von Jacob Steinhardt fortgesetzt, der, obwohl ein Mann des Friedens, doch keinem Kampfe aus dem Wege ging, wenn es galt den Ideen des Fortschritts zum Siege zu verhelfen. Noch bespricht Redner die Verdienste des Verblichenen um die ungarische Judrnschaft und um das Zustandekommen des Laudes-Rabbiner-Seminars, sein musterhaftes Familienleben, seinen mackellosen Charakter, um dann mir einem Segeusspruch zu schließen. Die meisterhafte in ungarischer Sprache gehaltene Rede fand ungetheilten Beifall. Nun folgte ein vom Regens» chori Herrn Grünzweig dirigirter, vom Chor in eracter Weise vorgetragener Trauerchoral, diesem das Seelengebet und der Schlussgesang mit welchem der erhebende Trauergottesdienst seinen würdigen Abschluß fand. Correspondenz der Nedaetion. Mink, in CH. Rußl. ,Eingesendet' erhalten. Bericht folgt. Gruß. LöwS. in Wo. Vorläufig nichts vorhanden. Ktn Tap. Abgesendet, B. in Han.,Jnserationsgebnhr 6 M. Sie erhalten unser Blatt zugesendet. Lew. in Ag. Die Composition haben wir bereits abgesendet. Kr. in Kl. Bestätigen den eingesandten Betrag. Gruß. D. in E-, M. in Be. Wtr warten noch immer ans Ihre Sendung. K. in L. Auf's Beste empfehlen wir Ihnen zu diesem Behnse, das umfangreiche, bewährte Werk ״Baal Tefilah“ von Baer, Gothenburg. F. in Zul. Bitte sich wegen Erlangung dieser Composition direct an beii Componisten, Obercantor Berggrün, Hannover, zu wenden, siehe Inseraten- Theil. — Die Reüaction.