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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-03-14 · Heft 10 (14.3.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 10 (14.3.1885)
Date
1885-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ן Pränumerations-Preis Kür Mereinsmitgtteder: Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig . - - fl- 2.50 Vierteljährig . . fl. 1.25 Monatlich ... fl. —.45 Kür Mchtrmtgtteder: Ganzjährig ... fl. 6.— Halbjährig . . . R. 3.— Vierteliährig . . fl. '1-50 Monatlich ... fl. —50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . . fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. J) Organ für die Gesummt-Iliitmssrii jüdischer Gailtarm. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Mcruev. jnenncitovi A-rttirristratiorr 11! itn, II., Novaragaffe 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 1Ü Wien, 14. März 1885. 5. Jahrgang Ne her ^,Entwickelung -es Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. ...... ,L..XXXI Wesentlich interessanteren Erscheinungen begegnen wir bei Durchsicht des britten Theiles der Naumburg'schen 861nirotl1 1181-061; Tendenz, Charakteristik und Ausbau der Gesänge deuten entschieden auf eine bereits gereifte Entwickelungsperiode bin, während in den Compositionen der beiden ersten Theile der künstlerische Gährnngsprozess des Autors überall sich bemerkbar macht. Obgleich nun die Veröffentlichung aller drei Theile des vorliegenden Werkes zu gleicher Zeit (1847) geschah, bietet die genaue Durchsicht der einzelnen Gelänge das zuverlässige Ergebnis^ dass die Chor-Compositionen der ersten zwei Bände eine Sammelarbeit mehrerer Decennien, und zwar von der Münchener Stndienperiode beginnend *) ist, während die Gesänge des dritten Theiles, das Product eines bereits gereiften Zielbewusstseins, als innerhalb eines weit kleineren Zeitraumes entstanden sich erweisen. Der Werth dieser Gesänge erbebt Naumburg auf das Piedestal der musikaliscben Bedeutung, wenngleich wir die Thatsache auch hier feststellen müssen, dass die aufgezählten Gebrechen der besprochenen Compositionen auch manchen der jetzt vorliegenden des dritten Theiles anhaften. Gleich die erste Nummer אדון עולם in D-moll 3/4 Tact für Bariton solo, gemischten Chor, Sopransolo mit Orgelbegleitung erscheint uns in der Construction wirklich sonderbar. Klingt es schon an und für sich unwahrscheinlich und bizarr, einen Jubelgesang in einer Noll-Tonart anzustimmen so erscheint uns, angesichts des dramatischen Inhaltes des Adon Olom-Textes. die Verwendung einer Solostimme für den Anfang eines Schluss- — *) Durch Herrn College!! Kirschner in München erhielten wir zwei Manuscripte Naumburg'scher Compositionen, welche schon in der Sor-Löwenstamm'schen Periode unter Kohn, also in der Stadienzeit Naumburg's in der Münchener Synagoge zur Aufführung gelangten und die m Werk Semiroth Jisroel in der ursprünglichen Fassung ausgenommen erscheinen. gcsanges, der die Entfaltung möglichst großer Tonmassen voraussetzt, gar zu gewagt; zudem zieht sich das dürftige Motiv, wenn auch in einer anderen Tonart, durch alle Solostimmen in geradezu kläglicher Weise fort, so dass wir unsere oben angeführte Anschauung vollständig bestätigt finden. Wir constatiren diese Schattenseiten der Naumburg'schen Compositionen deshalb hier noch einmal, weil wir in der erfreulichen Lage sind, über die weiteren Bestrebungen Naumburg's nur Rühmliches zu sagen und mit der sachgemäßen, wenn auch kurzen Beurtheilung dieses אדון עולם einer eventuellen Annahme entgegenzutreten, als acceptirten wir alle Naumbnrg'sche Compositionen dieses dritten Theiles unbedingt als künstlerischen Vollwerth. Nummer 3 בראש השגה in G-moll für Cantorsolo mit Orgelbegleitung ist ein einfaches, bescheiden gearbeitetes Tonstückchen, welches sich viele Herzen erorbert hat, und wenn wir auch mit der Modulation nach G-dur gerade bei den Worten Ni jich’jeh. und Ni jomus nicht einverstanden sind, so drängen wir dieses persönliche Bedenken gerne zurück, da wir zur Ueberzeugung gelangten, dass dieser בראש השנה eine Lieblingsnummer vieler auch tüchtiger süddeutscher Cantoren ist und gerade der Uebcrgaug nach G-dur mit ihrem Musikgewissen in so wunderbarem Einklänge steht und wir selbst keine allzudringliche Veranlassnng haben, diese Ideale zu zertrümmern, indem die Nummer - zumeist auch unseren Anschauungen entspricht. Erwähnen wir nur noch -es Umstandes, dass man beim Durchsehen des ומרדכי יצא Seite 15, und zwar bei den Terzengängen zwischen zweiten T. nvr und ersten Baß das Gefühl nicht los werden kann, eine leibhaftige Janitscharenmusik zu hören und unwillkührlich an Tschinellen und große Trommel denken muß, so glauben wir unsere Auschaumig erschöpfend und redlich kund gegeben zu haben. Wie ersichtlich, unterzogen wir uns der unangenehmen Aufgabe, die Schattenseiten der Naumburg'schen Chor-Compositionen unnachsichtlich aufzudecken, und wenn auch oftmals, angesichts der verdienstvollen Bestrebungen des dahingeschiedenen Meisters, die Hand den Dienst zu versagen drohte, diese oder jene bittere Wahrheit niederzuschreiben, die Gewalt der Tbatsuchen und die strengste Objectivität mußte sie zum Gehorsam zwingen, weil, unseres Erachtens, diese unsere Arbeit nicht dem

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