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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-03-06 · Heft 9 (6.3.1885) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 9 (6.3.1885)
Date
1885-03-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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-״7einen günstigen Erfolg und das Kind genas von der Krankheit. Die -Magd schrieb wahrscheinlich die Heilung nicht der Taufe zu, denn erst nach 5 Jahren offenbarte sie diesen Umstand einem Freunde. Inzwischen wurde das Kind den religiösen Anschauungen seiner Eltern .gemäß unterrichtet und zeigte bedeutende Fähigkeiten, aber ein Freund der Magd erachtete es als Pflicht, die Angelegenheit der Taufe der .heiligen Curie mikzutheilen, und Abends am 23. Juni 1858 erschien die päpstliche Wache, um den kleinen Mortara abzuholcn. Eine Herzzerreißende Scene folgte. Die Mutter sträubte sich dagegen und wurde mit Gewalt beseitigt, der Vater kämpfte wie ein Löwe um sein Kind, welches ihm so grausam entrissen wurde, dann machte sowohl die Familie als die israelitische Gemeinde die größten Anstrengungen, um das Kind wieder zu erlangen, aber vergebens. Der junge Edgar wurde neuerdings unter pomphaften Ceremonien getauft und der Papst -Pius IX. war sein Taufpathe. Zwar wurde den Eltern die Erlaubnis ertheilt ihren Sohn zu besuchen, dessen Umgebung ihnen bei jedem solchen Besuche sagen ließ u, dass er glücklich sei und sich zur christ- Lichen Religion hingezogeu fühle. Trotz der strengen Bewachung aber flüsterte er einmal der Mutter zu, dass sie es nicht glauben solle, dass er vielmehr jede Nacht die Gebete, die sie ihn lehrte, wiederhole. Im Laufe der Zeit glaubte er selbst von der Wahrheit des Christenthums überzeugt zu sein, und machte auch daraus seiner Familie kein .Geheimnis. Er wurde im Convente St. Pietro in Vincoli erzogen, und die Protection des Papstes verschaffte ihm den Titel Canonieo regolare Latera renese. Er zeichnete sich in seinen theologischen und philologischen Studien nicht minder als in der Musik aus. Bis 1870 lebte er in Nom, beim Regierungswechsel veranlasste ihn seine fortschrittsfeindliche Richlung um Erlaubnis, Rom zu verlassen, anzusuchen und übersiedelte nach Belgien, wo seine Predigten Aufmerksamkeit erregten. Don 1870 bis 1878 erhielt seine Familie von ihm keine Nachrichten. Erst im Monate Mai 1878 schrieb er ihnen von Paris, worin er zeigte, dass er von den Angelegenheiten seiner Familie unterrichtet ist und sein Leidwesen über den Tod seines Vaters, .welcher sich anno 1872 ereignete, ausdrückt. Er wünschte sehr seine Mntter zu umarmen und bestimmte ihr die Zeit, wann sie ihn in Paris antreffen kann. Sie langte auch dort an, und als sie einige Tage in seiner Gesellschaft weilte, überzeugte sie sich, dass trotz seines priesterlicheu Kleib/s seine Kinderliebe nicht erloschen ist. Seit dieser Zeit stehr er immer in Correspodenz mit seiner Mutter. Nach Verlreibnng der Jesuiten aus Frankreich ging er nach Spanien, wo er noch jetzt weilt. Er hat 3 Brüder und 2 Schwestern, welchen er oft liebenswürdige Grüße zuschickt. Die Entführung des jungen Mortara hat unzweifelhaft die Revolution gegen die päpstliche Regierung beschlennigt, indem damals die Entrüstung gegen diesen päpstlichen Gewaltact eine allgemeine war, sie gab auch den Stoff zu einem Drama, welches auf einer französischen Bühne aufgeführt wurde und dann in's Italienische übersetzt, in allen Theatern Italiens vorgestellt wurde. Lemöerg. Bei, der am 7. v. M. stallgefundenen Neuwahl im Vereine ,Schomer Israel" wurde Herr Dr. Emil Byk zum Präsidenten, Herr Emamrel Frankel znm Vicepräsidenteu, Herr David Maschler zum Administrator, Herr Victor Goldbaum zum Caffier und Herr Dr. Max Sokal znm Schriftführer gewählt. In die Redaction wurden gewählt die Herren: Moses Buber, I. L. Herzer, Director N. Landes, . Dr. Philipp Mansch, Dr. H. Witz, Dr. Carl Groß. Nathan Mayer, S. Nebenzahl, L. Nosenfeld, Samnel Pohl, Josef Oehlenberg und Selig Zimmels. Wola. Der Antisemitismus, dieser Krebsschaden unserer Zeit, kommt nicht nur in Ungarn und ungarischen Dörfern zum Ansbruch, sondern auch in Oesterreich, und zwar in einer Gegend, wo er am allerwenigsten für möglich gehalten worden wäre. Und doch ists traurige Wahrheit, dass ein Tißa-Eßlar in zweiter Auflage beinahe angezettelt worden wäre. In Pola wohnt seit Kurzem ein deutscher Jude, der für einen Theil der Matrosen Fleisch und Victualien liefert. Vor einigen Tagen kamen um 11 Uhr Nachts Polizisten und Gendarmen, hoben ihn aus dem Bette und führten ihn mit gezogener Waffe in Arrest. Warum? Zwei bis drei Weiber sagten aus, sie hätten gesehen und gehört, wie dieser Jude ein vierjähriges Kind schlachtete. Sie hörten das Kind rufen: Papa, Mama mi mazza — (ammazza, er lobtet mich) und sahen durchs Fenster, wie das Kind mit den Füßen zappelte. Diese Weiber betheuerten und beschworen ihre Aussage. Natürlich wurde das ganze Haus, Magazin und die Fleischbank durchgesucht, alle Burschen (lauter Christen) verhört. Und was war das Ganze? Die Frau hatte einen kranken Hund, welchen die Burschen ins Bett legten, dieser hat wahrscheinlich geschrieen und gleich waren Weiber da, welche ein Kind ,in Todesangst nach Vater und Mutter schreien hörten." Man fand das Thier und die Geschichte ist aus. So geschehen in der zweiten Hälfte Januar 1885. Aernnat. Nachrichten, welche von dort in Tanger angelangt sind, geben eine grauenhafte Schilderung von der Grausamkeit neuesten Datums, welche der Gouverneur zu Demnat au Jude» begangen hat. Der 98 Jahre alte Rabbiner Nussnff El Malika erhielt 980 Stockschläge, und ist es zu verwundern, dass er diesen nicht unterlegen ist; doch liegt er so krank darnieder, dass stündlich seiner Auflösung entgegengesehen wird. Ein gleiches Schicksal hatte der Kaufmann Jsaac Cohen, und wenn es noch etwas Traurigeres gibt, so ist es das Schicksal der Frauen, auf welche Neger auf Befehl der Regierung tagtäglich eine ordentliche Jagd anstellen, um sie in jeder nur möglichen Weife zu mißbandelu. Die marokkanische Negierung hat sich bisber von ihrer guten Gesinnung gegen den Gouverneur von Demnat auch nicht durch die Intervention einzelner Repräsentanten der civilisirten Mächte abbringen lassen, und dies wird auch nicht früher geschehen, bis von den Consnlen in Tanger eine Collectiv-Note eingereicht werden wird. Kannover. Die hiesige jüdische Gemeinde hat es in große Aufregung versetzt, dass der hiesige Amtsrichter Dr. Simon zur reformirten Kirche übergetreten ist. Simon war früher Hierselbst Anwalr undentstammte einer der angesehensten Familien der hiesigen Jndenschaft. Die Taufe ist durch den bekannten Prediger Schwalb aus Bremen vollzogen worden. Der Uebertritr mußte um so auffälliger erscheinen, als Simon noch bis znm letzten Augenblicke, also auch noch zu einer Zeit, wo er bereits christlichen Unterricht genoß, Mitglied des jüdischen Nepräsentanten-Cotleginms war. Simoll hat sich genöthigt gesehen, seinen Schritt in einer längeren - Schrift, betitelt ,Gedanken eines Juden" zu rechtfertigen, welche auch im Buchhandel erschienen ick. Correspondenz der Nedaction. W. in E. Bestätigen den gesandten Betrag. Schin P. Wir haben bas Nörhige veranlasst. E. in Turk. Für daS Inserat haben Sie fl. 1.50 zu senden. Für die Auskunft besten Dank. Gruß. Rin L. (Rußland). Wir machen Sie auf Ihr Versprechen aufmerksam. Gruß. Löbl. Borst. Str. u. W. bestärigen dankend die einzesandten Berräge. W. in Ung. B. Den gesandten Betrag haben wir für das Letzte Quarral 1884 gutgebucht. A. Sch. in P. Besprechung folgt in nächster Nummer. Die Redaction. Zahlungen der Abonnements- und Znsertionsbeträge sind an die Nedaction Wien, II.- Novaragasse Nr. %% zn senden

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