Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 9 (6.3.1885)
- Date
- 1885-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische f Pränumerations-Preis Organ ficilnciinti 3-ßr Sereinsrnitgkieder: Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig . - . fl- 2.50 Vierteljährig . . fl. 1.25 Monatlich - . . fl- —•45 Kür Nichtmitgkieder: für die Grslmiliss-Mrrrsseil jüdischer (talliimu. *Jiöminifirctftoit Erscheint jeden achten Hag. W itn. II., Novaragasse 27. Ganzjährig . . . fl. 6.— Halbjährig - - - fl- Diertellährig - - fl. 1-50 Monatlich ... fl. —.50 Inserat« werden billigst berechnet. Kür das Ausland: Begründer: Qbercautor Acrkolä DZcruer. Ganzjährig . . P• 7•~ 12 Mark oder 6 Rubel. < - . - Manuskripte werden nicht retournirt. 1 _- Nr 9 Wien, 6. Marz 1885. 5. Jahrgang Ueln-r die Musik nui> öie Mustkinstrumente der Hebräer *). IX. (Schluss.) Zu den vorausgegangenen Abhandlungen sind die verschiedenen; Ansichten der hervorragendsten, älteren Autoren über das Versmaß der Psalmen kritisch beleuchtet worden, und es erübrigt mir nock, auch meine eigene Meinung über diesen Punkt abzugeben. Wenn ich nun mit den genannten Autoren vollommen übereinstimme, dass die Psalmen und einige andere Gesänge der Hebräer in hexametrischen, trimetrischen und sapphi« scheu Versen gedichtet sind, so möchte ich dennoch keineswegs behaupten, dais diese Verse in den hebräischen Dichtungen in derselben Weise angewendet sind, wie in unseren Gedichten; es muß vielmehr nachdrücklichst betont werden, dass Qualität und Quantität der Versfüße, der Bau und die Eintbeilung des Verses oder der Strophe ganz verschieden sind. Die alte Dichtknnst der Hebräer gestattet es z. B. zwischen Daktylen und Spondäen auch andere Versfüße einzuschalten und hiedurch erhält der Vers ein ganz anderes Aussehen. Diese meine Ansicht wird von Hieronymus bestätigt, der in der Vorrede zum Buche Job Folgendes über die Verse der Hebräer sagt: ,Wegen der Eigenthümlichkeiten der Sprache nehmen die Hebräer häufig auch andere Füße, wohl nicht von derselben Silbenzahl aber von gleicher Zeitdauer, in den Vers auf. Zuweilen wurde durch Auflösung der Zahl der Füße ein süßer und klingender Rhythmus hervorgebracht, was jedoch nur den Dichtern bekannt war.״ Hieraus lässt sich nun schließen, dass die Hebräer, entgegen der Gewohnheit unserer Dichter, in ihren Gedichten an Stelle des regelmäßigen Verses einen ganz ungewöhnlichen Rhythmus zu setzen pflegten, den jedoch der gewöhnliche Leser nicht erkennen kann, sondern nur ein mit der Metrik Wohlbewanderter. Und die Hebräer haben wahrlich nicht ohne Geschick und Erfolg sich dieser *) Übersetzung des lateinischen Werkes ״Musurgia universalis, sive ars magna consoni et dissoni“ von Athanasius Kircher ed. Rom 1650. poetischen Form bedient, indem sie auf wunderbar- W-.ise alle Arten der Affecte im menschlichen Gemüthe hervorinien konnten, wie zur Genüge aus den Davidifchen Psalmen heroorgebi; denn David hat durch seine Dichtungen unerreichbare und fast unglaubliche Wirkungen bervorgebracht. Mythische Erzählungen berichten, dass Amphion und Dr-^heus, die beiden großen Sänger des griechischen Heldeltzeitalters, durch den Ton ihrer Lyra Wälder und Steine bewegt, Flüsse im Laufe gehemmt und wilde Thiere zahm gemacht batten; Orpheus soll sogar seine Gattin Eurydike aus der Unterwelt zurückgeholt haben. Nur der königliche Sänger David, der Orpheus der Hebräer, ist es, der Ln Wahrbeit viel Größeres vollbracht hat, als von den beiden Griechen fälschlich berichtet wird; denn er hat durch die überwältigende Macht seiner Cither Felsen gebrochen, Wälder bewegt, die reißenden Flüsse der Leidenschaften gehemmt, die wilden, rohen Gemütber der Menschen befänitigt, den bösen Geist viel-r Säule vertrieben und nicht eine Eurydike zurückzefübrt, um sie wieder für immer zu ver- Heren, sondern viele Seelen aus dem tiefen Abgrunde der Fiusternis an das goldene Licht gebracht und sie iu's glückliche Leben zurückgcleitet. Zur Bekräftigung dessen, was in Früherem über die Dichtung und das Versmaß in den Psalmen gesagt wurde, und um namentlich an einem Beispiele nachzuweifen, dass die Psalmen metrische Gedichte waren und als solche im heiligen Tempel gesungen wurden, will ich zum Schlüße noch den dritten Psalm anführen, dessen Form von der besonderen Kunstfertigkeit der Hebräer auf diesem Gebiete zeigt. Die einzelnen Verse sind daselbst, wie schon früher erwähnt wurde, in alphabetischer Reihe geordnet *). So viel über die alten Hebräer. Nun sei noch ganz kurz über die moderne Musik der Hebräer abgebandelt. Um die Psalmen und andere Stücke aus der Schrift in den Synagogen besser vorleseu zu können, bedienen. sich die Hebräer gewisser *) Da dieser Psalm אשרי איש יראת ד,׳ unseren Lesern wohl bekannt ist, können wir es unterlassen, das vonr Autor angeführte schematische Beispiel wiederzugeben. Die Redaction.