Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1885)
- Date
- 1885-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür ^ereinsmitgtieder: Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig. - - - fl- 2.50 Vierteljährig . . fl. 1.25 Monatlich - . - fl-—•45 Kür Nichtmitgkieder: Ganzjährig . . . fl. 6.— Halbjährig ... fl. 3-— Viertellährig . . ׳ ft. .-L50 Dtonatlich ... ft- —•50 Kür das Ausland -. Ganzlährig ... fl- 7-— 12 Mark oder 6 Rubel. Or g a 11 die Gesummt-InimMii jüdischer Cnntnren. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Mcrrrer7. Administration Wien, II., Novaragciffe 27. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. j Nr. 8 Wien, 26. Februar 1885. 5. Jahrgang Wien, am 26. Jelnnar 1885. Das Ausweisen der Judenfrage hat in den letzten Jahren in manchen Staaten Europa'» viel Elend und Unglück über unsere jüdischen Brüder daselbst gebracht und selbst in unserem Vaterlande, in welchem die Juden vom Gesetze als gleichberechiigte Staatsbürger angesehen werden, hat die böse Saat des .Antisemitismus, manches, Unheil gestiftet... .Trotzdem ist Strömung nicht ohne Vortheile geblieben und hat Vieles zur Kräftigung des Judenthums beigetragen. Die Kräftigung besteht darin, dass jeder Jude Farbe bekennen muß, und dass die zweifelhaften, zwittrigen und darum schädlichem Elemente aus dem jüdischen Organismus ausgcschieden werden. Es würde uns zu weit führen, in diese Betrachtungen näher einzugehen, wir wollen uns vielmehr mit einer zweiten wohllhätigen Folge des Antisemitismus beschäftigen, es ist dies die Aufmerksamkeit, welche die hohen Negierungen beider Neichshäiflen der österr.» Ungar. Monarchie der Ordnung der Cultusangelegenheiten der Juden zuwendeu. - Nachdem diese Intentionen bekannt wurden, haben wir es als zeitgemäß erachtet, in unserem Blatte die Discussion über die Stellung des Cautors in der Gemeinde, über seinen Wirkungskreis, über seine Rechte und Pstichten zu eröffnen und zugleich die Hoffnung ausgesprochen, dass es nun den Cantoren gelingen könnte, mit Nücksicht auf die Bedeutung ihres Amtes, die staatliche Anerkennung ihrer Stellung in den Gemeinden zu erringen. Dies sollte auf dem Wege einer Petition an die hohe Negierung und an die gesetzgebenden Körperschaften — natürlich im Ein׳ vernehmen mit den löblichen Gemeinden — geschehen. Der Vorstand des Cantorenvereiues hat auch, die Wichtigkeit dieser Angelegenheit erkennend, ein Comits eingesetzt, welches die Vor- und Nachtheile, die eine solche Action den Cantoren bringen könnte, erwägen, und über die nöthigen Schritte berathen sollte. Ueber die Beschlüsse und Ansichten dieses Comitvs und über die Stellungnahme des Vereinsvorstanoev zu denselben werden wir wahrscheinlich in allernächster Zeit berichten können. Trotzdem nun diese Frage noch nicht gelöst ist, müssen wir dennoch die Aufmerksamkeit des Vereinsvorftandes auf einen anderen Punkt hknlenken, auf welchem die Cantoren Oesterreicb-Ungarns arg bedroht erscheinen. Seit einiger Zeit kommen uns nämlich von College», namentlich in kleineren Gemeinden, häufig Klagen zu, dass sie durch zugereiste Personen, die sich als Cantoren gcrircn, in ihren Stellungen erschüttert werden, und wir kennen Fälle, in denen Cantoren nach visljäbriger Fnnctionsdauer aus diese Weise um ihren Posten• gebracht wurden. Wohl wissen wir, dais dieses Zwitterding zwischen Wanderchasen- und Meschorer oder eigentlich zwischen Meschorer- und Vagabundenthnm ein alter Krebsschaden des Cantoratcs ist und nur dann vollkommen wird geheilt werden können, wenn einmal dem ,Ca ntorenthu ms ans eigener Machtvollkommenheit" ein Ende gemacht ist, aber den Zufluß dieses Proletariates müssen wir mit allen Kräften hemmen und hierin müssen wir auch von den Gemeinden unterstützt werden, soll unser Streben nicht ein ersolglojes sein. Wenn wir nun nachforscheu, warum gerade in den letzten Jahren dieser Uebelftand zunehmen mußte, so finden wir als Ursache hievon dis strengere Handhabung einer Verordnung der deutschen Negierung, welche es den Gemeinden zur Pflicht macht, nur deutsche Neichsanzehörige als Cantoren oder Cultusbeamte anzustellen. Hierdurch wurden zumeist zahlreiche von Nußland ausgewiesen Einwanderer betroffen, dis nun ihren Zug nach Oesterreich- Ungarn richteten und daselbst in Amt und Stellung zu kommen suchten; und dies gelang ihnen um so leichter, da nichts weniger Schwierigkeiten zu bieten schien, als Cantor zu werden, und da viele kleine Gemeinden, ohne jede Rücksichtnahme auf ihren angestellten Beamten, - nicht viel darnach fragen, was der neue Cantor früher war, wenn er nur ein geringes Gehalt beansprucht. Diesem Uebelstande kaun nur dann abgeholfen werden, wenn die hohe Negierung an die österreichisch-ungarischen Gemeinden dieselben Anforderungen bei Anstellung der Cantoren und Cultusbeamten stellt, wie seinerzeit die deutsche Negierung. Die Sache des Vereinsvorstandes wird cs nun sein, diese Angelegenheit genau zu prüfen und die nöthigen Schritte baldigst zu veranlasfen. Unsere Collsgen im Auslande mögen uns nicht misverstehen und unser Bestreben nicht misdeuten. Unsere Absicht ist es keineswegs, uns mit einer chinesischen Mauer zu umgeben und