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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-25 · Heft 4 (25.1.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 4 (25.1.1885)
Date
1885-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Monatlich - - st- Kür Mchtmitgkieder Ganzjährig ... st. Halbjährig ... st. Viertel!ährig ..fl. Monatlich ... fl- - Kür das Ausrand: Ganziährig % Pränumerations-Preis Kür Mereinsmitglieder: Ganzjährig ... fl. 5.— 12 Mark oder 6 Rubel. O r g: a. n die Gesummt-Jutmssrn jüdischer Gantoreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IcrUob Wcrirev. Bednetinn Lldnriniftration W i e n. II., Novaragaffe 27. Inscrate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 4 Wien. 25. Jänner 1885. 5. Jahrgang Urtier ״Entwickelung der Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XXIX. Naumburg schrieb nur einen .Zaddik katomor jifroch und eine n adonoj moloch, welche Nummern keineswegs als Musterbilder dieser Gattung bingestellt werden können. Der Zaddik katomor mit seinen etwas profanen Anklängen an eine vielbekannte Opernariette verstimmt a'ucb durch den sonderbaren Tanzrhythmus, der unseres Erachtens, selbst in Berücksichtigung des nach lebhaften Tonfarben verlangenden französischen Publikums, besser für eine Operette als für den ernsten Inhalt eines Psalmtextes passt und, da selten ein Uebel allein kömmt, ist auch der sonstigen Naumbnrg'schcn Gepflogenheit entgegen leider der Text, theils prosodisch, theils inhaltlich unrichtig behandelt. Auffallend erscheint uns die am Schlüsse der Piece musikalisch geradezu gegentheilige Bearbeitung des Textes; indem bei den Schlussworten w’lo awloso bo, das bedeutungsvolle Wort w’lo nur einmal wie beiläufig erscheint und die beiden letzten Worte awlöso bo dreimal wiederholt auftrelen, daher einen positiven Eindruck da veranlassen, wo etwas entschieden Negatives beabsichtigt ward. Der sonstige musikalische Werth dieser wie auch der darauffolgenden Nummer adonoj moloeb ist, wie bereits erwähnt, kein bedeutender; unverständlich erscheint auch das Piano bei den Worten mikolo8 majim rabbim, all wo entschieden die Entfaltung möglichst drastischer Tonmillel sich nöthig erweisen, wie auch die Abwärtsleituug der Melodie von der Oberterz bis zur Unterquarte der Originaltonart bei den Worten addir bamorom adonoj, da, wo ein Aufschwung der Melodie unabweisbar erscheint — und ähnlich mehrere Stellen. Die beiden erwähnten Gesänge haben nur wenig Sympathie gefunden und wir hätten auch keine weitere Veranlassung, uns mit ihnen zu beschäftigen, wenn nicht ganz zum Schluffe des adonoj molock eine nach vielen Beziehungen bemerkenswerthe Erscheinung uns gegenüberträte, der wir eine eingehende Beachtung zuweuden wollen. Bei der Wiederholung der Schluss- Worte adonoj leorech jomim finden wir eine für Caulor-Solo bestimmte Roulade, die das charakteristische Gepräge des adonoj moloch-Steiger an sich trägt und uns abermals einen offenbaren Beleg für die Vorliebe Naumbucg's zum traditionellen Gesang liefert. Wir betonten es zu wiederholten Malen, dass wir diese Richtung achten — eine Richtung, die Zeder von uns verfolgen must, der sich die Mühe genommen, die allerdings oft zerrissenen Fäden der geschichtlichen Entwickelung des jüdischen Cantorates aufzusucheu und wieder anzuknüpfen; der sich die Fähigkeit errungen, die Bestrebungen der alten Ohaoanim als Vorarbeiten für unsere Zwecke zu schätzen und zu lieben, der die Zulammenstellnng des Ohasanne als eine hochwichtige liturgisch-musikalische Thal und die Creirung der .Steiger* als eine jedweder künstlerisch-bedeutttttgsvollen Schöpfung ebenbürtige Gestaltung zu erfassen vermag, eine Gestaltung, auf die wir jüdische Cantoren als Kuustproducte unserer Altvordern mit Stolz Hinweisen können- Gewiss, wer von uns, selbst im Besitze einer nur kleinen Stimme Chasanus und Steiger wissenschaftlich studirte und beide genügend beherrscht, der ist ein guter Ohasen und must auch die Eignung zum Vortrage der von der Zeitströmung und durch Unverständnis in das jüdische Cantorat hineingezerrten sogenannten modernen Singweise besitzen. Moderne Singweise! Fürwahr eine überschwengliche, hochklingende Bezeichnung für ein mehr als zweifelhaftes Etwas; eine stolz in der Luft flatternde Flagge für ein wsrthloses Wrak. Auf keinem Gebiete modernen Kunststrebens ist so viel gesündigt worden, als auf dem Gebiete der jüdisch-cantoralen, sogenannten modernen Singweise, weil auf keinem Gebiete so eigenmächtig, planlos und zielunbewusst vorgegangcn wurde, weil keine Kunst-- bestrebung als herrenloser Gegenstand freibeuterischen Eingriffen so preisgegeben ward, als die sogenannte moderne Singweise. Wir dürfen und können keineswegs ein diesbezüglich erschöpfendes Sündenregister anführen, weil dieser Gegenstand einer ausführlichen Klarlegung und Besprechung bedarf, der an anderer Stelle Rechnung getragen werden soll, allein jene Fehler, die mit der oben erwähnten ,Steiger-Roulade* des vorliegenden

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