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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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mögen hier Platz finden. Nach einer prachtvollen Ernte im Lahre 1866 brachten die nächsten Jahre bis 1871 Mißernten und das Jahr 1871 erst wieder eine gute Ernte. In Tanrien,;das bezüglich der Bodenbeschaffenheit und des Klimas sehr viel Aehnlichkeit mit Cherson besitzt, gab es von den Ernten im Laufe eines Jahrzehnts 2 gute, 6 mittel, und 2 sehr schlechte. In den Provinzen des südlichen Polen liegende Verhältniße weit günstiger. Podolien, Volhynien, die Grenzländer Neu-Nnßlands, haben vor diesen den Vorzug, einen mehr unebenen und besser bewässerten Boden zu besitzen und sich eines viel fruchtbareren Klimas zu erfreuen als das der Steppe. Diese Provinzen sind unvergleichlich fruchtbarer als die südrussischen Steppenländer. In Podolien rechnet man, dass das Getreide 7Vr pro Korn im Mittel bringt, in der Steppe beträgt dies Mittel nur 4 Korn. Rußland besitzt eine dem Getreidebau gewidmete Culturfiäche von 72 Millionen Dißj, und der Ertrag einer jeden beträgt im Durchschnitte 3 69 Tschetwerth Getreide verschiedener Art. Die russische Landwirthfchaft liegt zum Thsil sehr im Argen, und rationell betrieben, könnte ein durchschnittlicher Mittelerlrag von 6'/r Tschetwerth per Dißj. gewonnen werden, wie einsichtige Landwirthe selbst zugeben. Das gesammte Rußland, welches von 1857 bis 1861 für Nub. 764,347.099 Getreide nach Europa exportirte, im Jahre durchschnittlich Nub. 152,869.418, — und von 1862 bis 1866 für Rubel 838,863.125 oder durchschnittlich Nub. 167,772.625 — könnte sehr wohl zur Kornkammer Europa's werden; Südrußland aber hat daraus, Dank seinem launischen Klima, trotz aller Fruchtbarkeit seines Bodens nur ein sehr beschränktes Anrecht. Was der Steppe fehlt, das ist die das Klima beeinflußend e Baumvegetation; was ihren Neichthum ausmacht, ihr Humusboden, der unter günstigen klimatischen Verhältnißen die außerordentlichsten Ernteerträge abwirft. Die ganze Landwirthschaft ist hier ein förmliches Hazard« spiel, bei dem die Negierung stets und im Durchschnitte am meisten prvfitirt. Sie verfügt über ungeheure Ländereien, die sie alljährlich verpachtet. Wer es vermag, wer über Capitalien verfügt, der greift zu; eine gute Ernte kann ihm große Reich« thümer einbringen, eine schlechte ihn aber zum Bettler machen- So wird die Getreidewirlhschaft zum leidenschaftlichen Glücks« und Börsenspiel. Dem Kühnen stehen große Gewinne in Ausficht, die weit Pacht und Aussaat überragen und ihn bei hohem Einsatz zum reichen Manne machen können. Ebenso gut kann er aber auch alles verlieren. Um die Verluste eines Jahres auszugleichen, wird in der Regel im folgenden eine noch größere Fläche bestellt, wobei natürlich auch die Gefahr, sowie Gewinn oder Verlust sich steigern. So artet die landwirthschaftliche Production zum vollen Glücksspiele aus, bei dem die Landwirth- . schaft -selbst nur verlieren kann, das es das Raubsystem begünstigt, das, abgesehen von den deutschen Colonien, im Steppen« gebiete im Allgemeiueu das vorherrschende ist. Es fehlt die sorg« ffältige Pflege des Bodens. Bei flüchtiger Bearbeitung folgt Saat auf Saat, und welchen Einfluß dieses Jagen nach einer günstigen Ernte ohne großen wirthschaftlichen Aufwand auf den Boden ausübt, das zeigt der Umstand, dass die deutschen Colonien, in welchen die Düngung eingeführt ist, zehnmal mehr ernten, uls der russische Staatsboden hervorzubringen pflegt. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wie». Ein Bonmot des Kaisers von Oesterreich verdient weitere Verbreitung. Se. Majestät reiste von seinem Schlöffe Gödöllö in Ungarn nach der Hauptstadt. In seiner nächsten Umgebung be« fand sich ein Magnat, dessen judenfeindliche Gestnnung bekannt ist. In ganz kurzer Entfernung von Gödöllö schaute dieser Magnat durch das Fenster des Salonwagens und bemerkte, daß die ganze Ebene mit Häusern bedeckt war, welche von Juden bewohnt waren, wie auch, daß der Kaiserliche Besitz auf allen Seiten von Häusern und Grunds stücken, welche Juden gehörten, umgeben war. Der Kaiser lächelte, .als der Magnat diese Bemerkung machte — er kannte wahrscheinlich dessen Ansichten -— und erwiederte: ,Gewiß, so muß es auch sein. Bin ich nicht König von Jerusalem und muß ich nicht als solcher in der Mitte meiner Unterthanen leben?4 (Die Herrscher Oesterreichs führen bekanntlich den Titel: König von Jerusalem.) Dresden. Am 13. Deccmber feierte Herr Moriz Eichberg, Obercantor in Stuttgart das höchst seltene Fest eines 60jährigen Dienstjubilänms. Die Ovationen, die dem Jubilar aus diesem Anlasse dargebracht wurden, zeugten von der großen Beliebtheit und Anerkennung, die sich dieser tüchtige Fachgenoffe durch langjähriges, ersprießliches Wirken in seiner Gemeinde, sowie in den weiteren Schichten der Gesellschaft erworben hat. Als besonders hohe Aus׳ Zeichnung ist die goldene Civilverdienstmedaille mit dem Bande, die der König von Warte mberg dem Jubilar verlieh, anzusehen. Die Einwohner von Stuttgart sammelten unter sich einen hohen Betrag, um dem allverehrten, greisen Cantoc eine Rente zu sichern. Eine Schwäbin bemerkte recht witzig: Eichberg hat nun alles, was ein Herz begehrt, ein R e n t l e, ein S t ä u d l e — eine Militär- Musikkapelle hatte nämlich dem Jubilar ein Ständchen gebracht — und ein Bändle. — Drei Töchter Eichberg's haben sich der Kunst gewidmet. Die ein« war eine hervorragende Violinspielerin, die zweite, eine Harfenistin, starb aus einer Concertreise in München, die dritte wirkt noch jetzt als tüchtige Opernsäugerin in Amerika. I» Jerusalem war die letzte Zeit wieder ein fürchterlicher Negenmangel. Der Winter hat sich noch nicht eingestellt. Die Sonne brannte wie im heißen Sommer, und die Dürre des Bodens war so groß, daß mau ihn nicht zu bebauen im Stande war. Die Israeliten veranstalteten vorigen Montag ein allgemeines Fasten. An diesem Tage wurden פליהות gesagt NIUVIN geschlagen und bei den שלש עשרה מחת wurde שופר geblasen. Am Tage darauf fiel ein ausgiebiger Regen, welcher nicht nur das Erdreich tränkte, sondern auch die Zisternen mit Trinkwasser füllte. Die Juden veranstalteten sodann einen Dankgottesdienst. Druckfehler-Berichtigung. In der Pränumerations-Einladung der vorigen Nummer soll es heißen: ״Monatliches Abonnement für Vereinsmitglieder 45 kr., ganzjährig für Ausland fl. 3׳. Correspondenz der Nedaction. Die eingesandten Abonnrmentsbeträge werden in nächster Nummer bestätigt werden. K. in T. Erwarten schon mit Sehnsucht Ihre Sendung. Gruß. G> in H. Wollen Sie uns jedenfalls fachliche Arbeiten senden. Gruß. Dr. L. in B- Für diese Nummer zu spät. Nächstens. Gruß. Mehreren Herren Abonnenten diene in Erledigung Ihrer Zuschriften zur ^Kenntnis, dass wir die Rückstände bei minder gut situirten Collezen auch in Raten entgegennehmen und hoffen, dass für die Folge diese Unpünktlichkeit sich nicht mehr einbnrgern und uns daher zu keiner Klage Veranlassung geben werde. Die Redaction.

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