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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-01-01 · Heft 1 (1.1.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 1 (1.1.1885)
Date
1885-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— S — denen Erdtheilen geschaffen wurden — um ihre Verschiedenheit Ln Bezug Farbe, Gestalt zu erklären n. s. w., behauptet Nabbi Akiba der Vers Levit. 19, 18. »und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst" — ist eigentlich die Hauptlehre der Thora. Ersterer legt also den Schwerpunkt auf die Abstammung — sagen wir auf den Geburtsadel. — Er ist der Meinung wir Menschen stammen von Adam, vom wirklichen Gottessohne, und wie der Vers ausdrücklich sagt, ,am Tage als Gott den Adam schuf, schuf er ihn in seiner Aehnlichkeit, also wir sollen möglichst die Eigenschaften Gottes, wie sie in der Natur sich bekunden und Exod. 34, 6. angeführt sind, erstreben, und wie die inhumanen Rabbiner erläutern: ,Eigne Dir möglichst die Eigenschaften Gottes, an. Wie er barmherzig, gnädig, langmüthig rc., werde Du es auch". Letzterer hingegen erklärt die Nächstenliebe als Hauptlehre, von der alle Tugenden resultiren. Wiewohl die Nächstenliebe schon von Nabbi Hillel (Talmud, Sabbat 31) als Inbegriff der ganzen Thora bezeichnet wird, macht unser Olrader, der Lehrer des Chazarenen-Königs, wie aus dem Buche Kosri Vortrag I. §. 95, erhellt, die Abstammung der Menschheit von Gott, zum Gegenstände seiner moralischen Betrachtung und schließt sich demnach - der Ansicht des Nabbi Judan an. Der Chaber entwickelt daselbst den göttlichen Plan in der Erziehung des Menschengeschlechtes, den ich nur skizzire, wie folgt: ,Es i|t klar, dass Adam als der einzige, wahrhafte Gottessohn auch der vollkommenste Mensch sein musste, weil ec vom vollkommensten Wesen, von Gott, der Inbegriff aller uns nur denkbaren Vollkommenheiten und Eigenschaften— unmittelbar geschaffen und nicht von Menschen gezeugr — deren Sprossen auch größtentheils die Mängel, sowohl moralische als physische besitzen. Adam hingegen, von der göttlichen Vollkommenheit gebildet, war in Bezug seiner Seele wie seines Körpers auch der vollkommenste Mensch. Denn es wirkten nicht auf ihn die Mängel und Schwächen menschlicher Erzeuger. ,Ein Mensch, ein Weibgeboreuer ist kurz am Leben — und voll Leidenschaft — Hiob 14, 1 und Psalm 51, 8*. Adam war in Wahrheit der Sohn Gottes und seine ihm ähnlichen Nachkommen bis Noa werden auch in der Genesis בני אלהים ,Kinder-Gottcs* genannt. Von seinen zahlreichen Nachkommen glich ihm am Meisten Abel und nachdem Letzterer aus Neid, wegen seiner vollkommenen seelischen und körperlichen Aehnlichkeit oder Gleichheit mit Vater Adam, von Kasin erschlagen wurde — gab Gott dem Adam als Ersatz, den Schelh d. h. Ersatz. Dieser glich, ebenso wie Abel, dem Adam bezüglich seiner seelischen und körperlichen Eigenschaften. Scheth war, wie der Oüaber sich ausdrückt 2סגולה 1ל, d. h. Kleinod und Herz, Mittelpunkt der Menschheit. Unter Scheth's Nachkommen war wiederum nur Enosch die Sgulali, der Inbegriff des eigentlichen Meuschenthums, während alle übrigen Menschen zu den Sguloth , wie die Schale zum Kern — zur eigentlich genießbaren Frucht — sich verhielten und auch so zu beachten sind. Die Genesis 4. 22, verfehlt auch nicht hinzuzufügen: ,Damals, zur Zeit Enosch, begann die Menschheit, wie Targum zur Stelle paraphrasirt, Jehova anzubeten. x$n dieser Weise entwickelte sich die Menschheit, allein nur bei Einzelnen war die Sgulah — ich möchte sagen, der größte Fond göttlicher Aehnlichkeit und Ebenbildlichkeit — bis Noa vorzufinden, die alle dem wahren Gottessohn Adam glichen, bezüglich ihrer physischen und moralischen Eigenheiten, Lebensdauer, Weisheit und Kraft. (Fortsetzung folgt.) Die jüdischen Ackerbaucolonien in Süd- Rußland- (Aus der ,Neuen Züricher Ztg.*) (Fortsetzung.) Herodot erzählt 450 v. Ehr. vou der anhaltenden und׳ strengen Kälte^ an den Küsten des Schwarzen und Azow'scherr Meeres. ,In diesem Lande', sagte er, ,ist der Winter so lang, und rauh, daß er dort während acht Monaten des Jahres unerträglich ist. Das Meer selbst gefriert und die Scythen über--- schreiten mit ihren Wagen auf dem Eise den kimmerischcn Bosporus'. Auch die nachfolgenden griechischen Schriftsteller er-- zählen von den Schrccknißen des süd-russischen Winters. Der Byzantiner Gysius berichtet, dass zur Zeit des Copronymus inr Jahre 756 n. Ehr. das Schwarze Meer bis 100 Meilen vom Ufer zufror und daß im Frühling die zerbrechenden Eismassen förmlich schwimmende Inseln bildeten, welche bin in die Propontis drangen. Während es in diesem Gebiete nicht selten ist, dass sechs Monate hindurch ohne Unterbrechung die Temperatur bis auf 70 und 75 Grad steigt, sinkt sie an der Küste des Schwarzen Meeres bis auf 40 Grad unter Null. Die Landwirthschaft hat^ wie schon Kohl betont, mit den ungeheuerlichsten klimatischen Extremen zu kämpfen. Wenn der Steppe der Regen versagt bleibt, dann verdorrt nicht nur die wilde Vegetation, dann versengt und verkommt auch das Getreide. Die Steppe gleicht bald einem unabsehbar schwarzen und wüsten Felde, indem nicht die geringste grüne Oase das Äuge erlabt. Heiß, schwül und dumpf wie die Tage bleiben auch die Nächte, kein Windhauch regt sich und was sich irgend aus der Steppe bewegt, das wird sogleichvon einem schwarzen Hauche eingehüllt, der der verbrannten Vegetation entsteigt. Me^st wird der Weizen früh schon von der7 Hitze erfaßt, krumm, klem, rostig, unnatürlicv roth werden feine Halme und kaum ragen die leeren Strohköpfe aus den Furchen, hervor. Das Wasser in den Brunnen versiegt; wo es sich erhält, da wird es von den glücklichen Besitzern mit eifersüchtiger׳ Strenge gehütet, in Schloss und Ketten geschmiedet, jeder Brunnen verschlossen, verriegelt und bewacht. Zahllose Thiere gehen bei dieser Dürre zu Grunde, die ihnen jede Nahrung entzieht und ihnen das Wasser verkümmert; Thier und Mensch südren um den Besitz der Quellen den leidenschaftlichsten Kampf, die Menscheu bekriegen einander, es entsteht der heftigste Streit um das Wasser, und nicht selten endet er mit Blutvergießen und der militärischen Intervention der Behörden. Handel und Verkehr stocken in den heißen Jahren fast vollständig, die Steppenkarawanen hören auf und der trostlosen׳ Physognomie der allgemeinen Natur entsprechend, beherrscht Verzweistung den kleinen Bauer sowohl, der dem Elende entgegentreibt, indem er nicht einmal die Aussaat herausschlägt,, und die Möglichkeit der Neubestellung seines Ackers verliert, —■■ als auch den Großgrundbesitzer, den Speeulanten, deren Frühlingshoffnungen durch die Sonnengluth zu Illusionen geworden sind. — Die gleiche Nothlage ergibt sich aus regnerischen Sommern, bei denen nur zu oft das Getreide auf dem Halm verfault. Die Einwirkung der Mißernten aus Handel und Wandel auszumalen, ist nicht schwer. Nach jedem ungünstigen Ernteausfall steigt das Proletariat ganz erheblich. Ucberblickt man die Erntetabellen dieses Jahrhunderts^ daun sindet man überaus zahlreiche Jahre mit den entschiedensten Mißernten, sei es in Folge von Regengüssen, sei es in Folge der glühenden Hitze. Nur einige Zahlen aus der neuesten Zeit

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