Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4t — dieser Weise nicht über eine jüdische Einrichtung zu Gerichte sitzen darf, die ebenso alt ist, wie das Zudenthum selbst? (Lada Lama 82 und Jad Hacbasaka Tefilah 12. 1.) Wem der Singsang beim Vorlesen der Thora nicht zusagt, der mache indessen seine Promenade vor dem Tempel und lasse die berufenen Organe des Zudenthums, nämlich die Rabbiner, für dasselbe sorgen! Aber o Wunder! Da beginnt eine Coutroverse, die. sich bis in die letzte Nummer dieses Blattes hinzieht. Von rabbinischer Seite wird wohl ein leiser, ganz bescheidener Widerspruch gewagt, aber von mehreren Cantoren wird dem Herrn Niesenseid ganz beigestimmt, und dieselben gehen schon daran, die Sedra zu zerschneiden. Zn der . vorwöchentliehen Nummer dieses Blattes handelt es sich schon nur darum, ob die erste Parscha des Wochenabschnittes am Sabbats beim Frühgottcsdienste oder bei Mincba vorgelesen werden soll. Wahrlich ein Beweis, dass der Sofer ein Cbacbam, der Zournalist ein Rabbiner sein will. Oder sollen hier Ursache und ׳ Wirkung sich gegenseitig decken? — Denn, wenn sich der Rabbiner in H. herausnimnu, den Cantor zu spielen, warum sollte nicht wieder der Cantor in Z). die Lust in sich verspüren, auch einmal Rabbiner zu sein*). *) Wir können durchaus nicht einfehen, warum der Cantor sich nich^ an der Discussion und an der Lösung einer Frage, die eine seiner Functionen betrifft, betheiligen soll. Wir sind gerade der gegentheiligen Ansicht und darum! haben wir der freien Meinungsäußerung in dieser Beziehung, mochte auch I Jemand einen von uns nicht gebilligten Standpunkt vertreten, keine Schranken! auferlegt. Jedoch miissen wir die geehrten Herren Einsender davor warnen, bei Discussion dieser höchst wichtigen Angelegenheit das Gebiet der persönlichen Polemik zu betreten, da wir derartige 'Artikel niemals veröffentlichen werden. Die Rcdaction. Eitle neue Clavintur Herr Paul v. Jan k o, ein ehemaliger, preisgekrönter Schüler des Wiener Conservatorinn.s, hielt vor einiger Zeit im großen Foyer dieses Znstitnkcs vor einem ans Künstlern nni) Kunstverständigen bestehenden Auditoriumeinen Vortrag über die von ihm erinndene neue Elaviatnr. Herr v. Zanko begann seinen Vortrag mir der Erklärung des Modells!einer Elaviatnr; welches der Hanptwesenheit nach an jedem einzelnen Tasten treppcnsönuig drei Angriffspunkte answeist, so daß der Spielende einen bestimmten Ton nach Belieben und nach Erfordernis eines bequemen Fingersatzes unten, in der Mitte oder oben anzuschlagen im Stande ist. Der zweite Tasten, welcher zur Completirnng des sich dann gleichmäßig wiederholenden Systems noch gehört, greift in den erstgenannten derart ein, dass abermals drei Angriffs- Punkte geschaffen werden, welche ihren Platz zwischen je zwei des ersteren Tastens erhalten. Die ganze Elaviatnr erscheint so׳ mit in 6 Tastenreiheu getheilt, von welchen die erste, drille und fünfte einem, die zweite, vierte und sechste dem zunächst höher oder tiefer liegenden Tone angehört. Die Reihenfolge der Gesammttasten ist die gebräuchliche chromatische des Clavrers und fallen daher die Töne 6, 6, 6, £8, gis, ais in die erste, dritte, fünfte, die Töne 618, dis, f, g, a und h in die zweite, vierte und sechste Tastcnreihe. Zur leichteren Orientirung für den Spielenden sind die sogenannten Halbtöne (0i8, di8, fis, gis und ais) durch schwarze Strichegekennzeichnet, und ist durch die damit geschaffene Eintheilnng indas gewöhnliche zweite und dritte Obertasten-System dem Pianistendas sofortige Auffinden des gewünschten Tones zugänglich gemacht. Aus dieser geometrisch sich stets wiederholenden Reihenfolge der Tasten, und der Vertheilung einer Octave ans zwei Manuale (Hilssclaviaturen) ergeben sich folgende Hauptvortheile gegenüber unserer' bisherigen Elaviatnr: . - 1. Das Hinein- und Dazwischengreisen bei schwierigen Accorden oder Passagen der Kreuz und Ls-Tonarten entfällt ganz. 2. Der für eine beliebige Dur- oder Noll-Tonart gewählte Fingersatz bleibt unverändert derselbe in den je folgenden elf übrigen Tonarten und 3. der mit einer Hand zu spannende Tonumfang beträgt nahezu zwei Octaven (gegen die jetzt greifbare Decime), so daß die Compositronen für derartige Claviaturen bedeutend voller im Satz (nahezu gleich dem Arrangement a 4 ms) gestaltet werden können und deren Ausführung die Schwierigkeiten des bisherigen Studiums nicht übersteigt. Herr v. Zanko demonstrirte seinen Vortrag durch Vorspielen diverser schwieriger Compositionen ans einem von Kotikiewicz mit dieser Elaviatnr versehenen Harmonium und wurde ihm die wohlverdiente Anerkennung für seine vielversprechende Erfindung zu Theil. Wir möchten nur wünschen, bald überzeugt zu werden, daß die Uebertragnng der Erfindung Zanko's auf unser Hansmnsik'Jllstrument, auf das Clavier, durchführbar ist, denn nur-dadurch erst wird sie den eigentlich praktischen Werth für die Musikwelt erhalten. Stille Betrachtungen über die Wochenabschnitte bei der Thoravorlesung von^ Simon Diamant, Oberlehrer in Austerlitz. פ׳ בראשית Bei Erschaffung des Menschen heißt es: ,Gott erschuf den Menschen in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde Gottes erschuf er ihn" u. s. w. Da der Mensch nicht nur eine physische, sondern auch eine' höhere, moralische Bestimmung hat, so hätte dieser zweifachen Prädestination auch bei Erschaffung des ersten Menschen Erwähnung geschehen sollen. Dringt man jedoch tiefer in den Sinn der eingangs erwähnten Worte ein, so gelangt man wirklich zu dem Begriffe, dass trotz der anscheinenden Oberflächlichkeit derselben auf die Bestimmungen des Menschen, nämlich der physischen und moralischen, hingedeutet wird. Als ein im Ebenbilde Gottes geschaffenes Wesen, das mit einer vernünftigen Seele begabt ist, bat der Mensch zuerst und züförderst die Aufgabe, diese seine Seele durch-Weisheit, Erkenntnis seiner selbst, Ausübung tnge»1dhafler und frommer Werke zu vervollkommnen, und da dieser Seele der menschliche Körper zur Hülle dient und mit derselben in steter Wechsel- Wirkung begriffen ist, so hat der Mensch auch Leidenschaften und Triebe, die eine Folge dieser Verbindung sind, die er indes auch zu überwinden und zu bekämpfen hat, so er seiner göttlichen Bestimmung hienieden Nachkommen will. Er soll aber auch als ein physisches Geschöpf seinen irdischen Bedürfnissen Rechnung tragen, so weit sie zur Erhaltung seiner selbst nöthig sind, doch wie oben bemerkt wurde, sie stets bezwingen und bezähmen. Als moralisches, gottähnliches Wesen hat der Mensch eine individuelle Fortdauer, d. h. er selbst dauert durch die Unsterblichkeit seiner Seele ewig fort; als physisches Wesen hat'er eine generelle Fortdauer des Geschlechtes. Zn dem angeführten Verse sind beide Bestimmungen ausgedrückt: בצלם אלדדם ברא אותו deutet ans die Fortdauer des Individuums, die der Mensch als ein gottähnliches Geschöpf.mit überirdischen Wesen, den Engeln, gemeinchat, זכר רנקבבד* ברא אותם