Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-12-16 · Heft 42 (16.12.1884) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 42 (16.12.1884)
Date
1884-12-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3452960-3452997--1190-3455304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Wien. Montag, den 8. d. M>, am Jahrestags des Ringthealer-Brandes in Wien, wurde im Tempel der inneren Stadt nach dem Nmclia-Gebete eine Gedächtnisfeier für die jüdischen Opfer dieser Katastrophe abgehalten. Zahlreiche Hinterbliebene der Verunglückten wohnten der von Herrn Cantcr Fischer in schlichter, aber ergreifender 'Weise abgehaltenen Feier bei und gaben ihrem tiefen Schmerze in inbrünstigem Gebete und stillen Thränen beredten Ansdruck. Werkttl, im Deeember. (Orig.-Corresp.) Herr Obercantor Smulowitz ans ,Raab hat am Freitag den 29. November in der neuen Synagoge, mit Begleitung der Orgel, und am Sonnabend den 30. November in der alten Synagoge, ohne Begleitung der Orgel, vorgebetet. Seine kräftige Tenor-Baritonstimme, namentlich die Mittel» lagen, sowie seine musikalische Durchbildung waren genügsame Eigenschäften, nur hier mit Beifall zu funetieniren. Die Vortragsweise und der musikalische Inhalt des Reeitativs würden zu höherem Ausdrucke gekommen sein, wenn Herr Smulowitz sich der Richtung dieser Gattung, wie sie in Deutschland gegeben ist, hätte mehr anschliesi n können. Dies war jedoch bei der kurzen Frist, die ihm gegönnt war, nicht möglich gewesen; denn Recitative, wenn sie wirken sollen, müssen so ganz zum Eigenyhum d e S S ä n g e r s w e rd e n, dass er gewissermaßen als d e r S ch ö p f e r d e r s e l b e u e rscheint. — Nach meiner Beurtheilung zählt Herr Obercantor Smulowitz zn den tüchtigsten Cantorcn, die hier seit dem Mai d. I. am die hiesige Vacanz concurrirt und vorgebctet haben. L. L e w a n d o w s k i, k. k. Musikdirector. Hattin, im November. Bei der officiellen Volkszählung blieb die Rubrik ,Religion' aus dem Schema hinweg. Hinterdrein jedoch wünschte man die Zahl der Protestanten und Israeliten im italienischen Meiche zu wissen, und der Generaldirecior der Statistik richtete deshalb einen Fragebogen an die Rabbiner und Gemeindevorsteher, sowie an israelitische Notabilitäten an Orten, wo keine Gemeinde constitnirt ist. Alan hat prompt geantwortet und daraus veröffentlicht das statistische Bu:eau Notizen über die israelitische Bevölkerung Italiens. Bei dieser Procedur konnte man demnach auf eine genaue Zählung nicht rechnen, noch dazu, da man öfter Combinaiionen aus der Anzahl der Geburten und der Todesfälle zu Hilfe nehmen mußte. Man fand die Gesammtzahl- 36.283 Israeliten. Dieselben sind verstreut in 38 Provinzen und 122 Ortschaften. Die größte Gemeinde ist die zu Nom ׳von ungefähr 6200 Seelen, dann folgen Livorno mit 4049, Turin mit ungefähr 2500, Venedig mit 3454, Florenz mit 2000 Seelen; hierauf kommen - Ferrara, Ancona, Mantua, Mailand, Modena, Padua, jede mit mehr als 1000 Seelen; endlich eine große Zahl von Ortschaften mit und ohne jüdische Gemeinde, von 975 Seelen, der jüdischen Bevölkerung von Verona bis zu einem einzigen Individuum. Jerusalem. In Gemäßheit des Befehles des Gouverneurs, welcher Fremden den Aufenthalt in Jerusalem nur für einen Monat gestattet, haben die Polizeiorgane Anfangs dieses Monats die Hotels und Miethwohnungen durchsucht. In Folge dieses wurd.n einige fremde Juden, die jüngst daselbst angekom.men, aus der Stadt verwiesen. Dem Pascha von Jerusalem ist seitens der Regierung von ׳Constantinopel die Ordre zugegangen, über die Zahl der in den jüdischen Colonieu ״Illach Tikfa“ und ״Rischon le־Zion“ errichteten Häuser Bericht zu erstatten und anzuzeben, ob diese mit Erlaubnis der Localbehörden in Jaffa erbaut worden sind. Wie man vernimmt, hat der Pascha die letzte Frage verneinend beantwortet. .Die seitens der Pforte veranlasste Untersuchung ist zweifelsohne eine Folge von Vorstellungen, welche in Eonstantinopel zu Gunsten der -Colonisten gemacht worden sind. — Der König von Portugal hat -Herrn Haim Amzalak in Jaffa zum -portugiesischen Consul dieses Hafenplatzes ernannt. Herr Amzalak, der auch englischer Eonsul ist, hat mit Genehmigung der portugiesischen Negierung seinen Neffen -Herrn Josef Nabon zum Viceconsnl in Jerusalem designirt. — Der englische Minister des Aeußeru. Graf Granville, hat Herrn Josef Amzalak, Sobn des brittischen Consnls in Jaffa, in Anerkennnng seiner dem brittischen Reiche erwiesenen Dienste, eine goldene Medaille verliehen. Auf der einen Seite der Medaille sind die Worte eingravirt: ,Verliehen dem Herrn Josef Amzalak von der brittischen Negierung 1884/ — Am 27. Octobcr wurde der Anfangs zur Errichtung von Wohnungen für die jüdischen Flüchtlinge aus Beinen auf dem Oliven« berge gemacht. Der Grundsteinlegung wohnten die Notablen der jüdischen Gemeinde in Jerusalem bei. Mew-Hzork. Der ״.Isavisli N6586llA6r" berichtet folgende ,wahre Geschichte von Moutesiore' : ,Oh Frau/ rief ein kleines, hübsches Mädchen, welches schön aber einfach gekleidet war, ihrer Wärterin zu, als es vor einem hohen Gartengitter vorbeikam. über welches Blumen hingen, ,sieh', was für schöne Blumen!' Und das blauäugige Kind wollte einige Rosen pflücken, welche dis Luft mit ihren Wohlgerüchen füllten. ,Sie sind wirklich schön', sagte die Wärterin, aber haben Sie nicht Blumen genug in Ihrem eigenen Gartens ,Aber ich möchte diesen schönen Strauß', rief das Kind so tranrig, dass sich seine Augen mit Thränen füllten. DaS war in den Morgenstunden, der Spaziergang längs dieses Gartens war des Kindes tägliche Erholung. Jeden Tag sah sie die schönen Rosen und jeden Tag war sie versucht, sie zu pflückrn; aber sie wusste, dass es nicht die ihrigen waren. Da geschah es eines Tages, dass sich während ihres Spazierganges das Gitter öffnete, und der Gärtner überreichte ihr einen Strauß von Rosen, indem er bemerkte, dass er, da er des kleinen Fräuleins Verlangen gehört habe, seinen Herrn um die Er-׳ laubnis gebeten habe, ihr die Blumen geben zu dürfen. Die Mutter des Kindes aber hatte sich an demselben Tage an den Besitzer des Gartens mit der Bitte gewandt, ihrem Töchterchen einige Rosen zu überlassen. Den nächsten Morgen überschritt das Kind das Gitter und durfte nun Rosen pflücken, so viel sie wollte. Wie glücklich war sie da. — Viele Jahre sind seitdem vergangen. Der Mann, welcher daS Kind die Rosen pflücken ließ, ist jetzt Sir Moses Montesiore und das Kind ist — Königin Victoria. Und als der Baronet in sein hundertstes Jahr trat, beglückwünschte sie und ihr ältester Sohn den Greis zuerst. Hat' si.׳ vielleicht jenen Rosenstrauß nicht vergessen? Pränumerations-Einladung. N)ir ersuchen die geehrten Herren Abonnenten das Abonnement auf die Oesterreich-ungarische Lantoren-Zeitung, deren 5. Jahrgang mit!. Jänner!885 beginnt, baldigst zu erneuern. Gleichzeitig bitten wir zum Schlüsse des Jahres um Begleichung der Rückstände. Die Redaction der österr.-ung. Lantoren-Zeitung. Correspondenz der Nedaetion. College» K. in Th. N., A. in Gr., R. in Czer., Schwin P., Fr. in Nt., Schin B.-P-, Kin Ka. wir danken für die eingesandten Beträge. All. in G. Warum so zurückgezogen? Gruß. K. in T. Laut Ihrem Aviso ist Bewusstes noch nicht eingelangt, Collegialen Gruß. Denjenigen Herren Co!legen, welche dem österr.-ungar. Cantoren-Ilereine beizutreten wünschen, diene zur Kenninisst dass sie sich schriftlich an den Vorstand, /., Seitenstättengasse lf . 4, zu wenden haben. Vereinsbeiträge werden von der Redaction nicht angenommen. Wegen technischer Hinderniße erscheint die Heutige Nummer etwas verspätet. Die Nedaetion

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.