Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 41 (5.12.1884)
- Date
- 1884-12-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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:150 Colleges der bedeutendsten Gemeinden Enropa's und Amerika'-?, an ibrer Spitze der greise Sulzer i» Wien, nicht nehmen, ihre Dankbarkeit und Hochachtung in einer prachivoll ausgestatteten Adresse zum Ausdruck zu dringen. Eine Deputation des Lehrer-Collegiums des jüdisch-theologischen Seminars, bestellend aus den Herren Pros. Grätz Dr.. Zuckermann und Dr. Nosiu erschien am Jnbeltage, um in Herzlieber Ansprache die Verdienste des Herrn Deutsch während seiner Lebithäiigkeir in! Seininar zu beleuchten. Zahllos war ferner, trotz der geflissentlichen Gednmhaltung des Jubeltages seitens des Jubilars, die Menge der Glückwunsch-Telegramme und Briefe." Veremsnachnchten. Mitlwo.v den 3. d. M. fand eine Vvrstandssitznng des österr.-uugar. Cautorenvereiues statt, an welcher fast sämmtliche Vorstandsmitglieder heilnahmen. Auf der Tagesordnung stand ,d i e B e r a : h n n g betreffs der staatlichen Auerkenuuug der Ca nt vre n". Allgemein wurde betont, dass Hetzt für die Cautoren der geeignete Moment gekommen sei, an competenler Stelle ihre berechtigten Wünsche vorzubringen, da die hohe Negierung die Absicht hat, in nächster Zeit dem Parlalamente eine Gesetzesvorlage betreffs Regelung der jüdischen Cultusangelegenheiten zu unterbreiten. Die Herren Rabbiner und Religionslehrer machen in verschiedenen Zeitschriften ihre Ansprüche bereits geltend, während sie vom Cantor wohlweislich schweigen, trotzdem sie sonst — wie der Vorsitzende treffend bemerkte — sehr viel über Gottesdienst, Chor, Orgel und dergl. reden. — Nach längerer, eingehender Debatte wurde ein vierglicdrigcs Comiis eingesetzt, welchem der Auftrag ertheilt -wurde, diese Frage eingehender zu prüfen, namentlich in jenen Ländern, wo sich die Cantoren bereits staatlicher Anerkennung erfreuen, Erkundigungen cinzuholcu und ein ausführliches, diesbezügliches Referat in kürzester Zeit vorznlegcn*). *) Wie wichtig eine genaue Prüfung und eingehende DiScussion dieser Frage für die gedeihliche Lösung derselben ist, haben wir bereits öfter in unserem Blatte betont. Wir fordern darum nochmals im Interesse unseres Standes die geehrten Herren College«.und Mitarbeiter auf, ihre Aufmerksamkeit diesem Thema zuzuwenden und ihre Ansichten über dasselbe jin unserem Blatte kundzugeben. Die Redaction. Kleine Chronik. Wien. Bei der Sonntag den 30. November in der hiesigen Cultusgemeinde stattgefundenen Vorstandswahl, welche unter besonders großer Theilnahme und äußerst lebhafter Agitation vor sich ging, wurden wiedergewählt die Herren: D r. L e o p o l d K o m p e r t Jacob B r a u d e i s, A r m i n i,o C o h n und Philipp Thorsch. Als ueugcwählt erschienen die Herren: Salomen $ o h u b e r g e r und D r. G u st a v K o h n. — Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat an Stelle ndes Herrn D r. L- K o m p e r t Herrn D r. Ludwig F ü r t h , Docenten au der Wiener-Universität, als Vertreter der Cultusgemeinde in den uiederösterreichischen Landesschulrath gewählr. - Wien. Der hiesigeUnterstützungSvereiu ״Montefivre" veranstaltet Sonntag den 7. Deeember im großen Saale des .Hotel Union," IX-, Nnßdorferstraße 23, eine Wob'.thäiigkeits-Akademie, verbunden mit Tombola und Tanzkränzchen. Das Erträgnis ist der Bekleidung armer Schulkinder gewidmet. Kernals. Der ,Verein der Kindersrennde" für Hernals, Ottakrirrg^ und Neulercheufeld nimmt Sonntag den 14. Deeember im Hernalser Brauhanssaale eine complete Wiuterbekleidnng von 65 armen, würdigen Schnlkindern, ohne Unterschied der Consession, vor. Nach der Betheilung findet um 4 Uhr Nachmittags im Bethause, HernalS, Gerlgasse 21, ein Fftigotresdieust mit folgendem Programme ftatc: 1; Einführung der bekleideten Kinder in das Gotteshaus. 2. Festgottesdienst, celebnrr durch Herrn Cantor Schlesinger. 3. Anspräche des Obmannes, Herrn Mori; Novak. 4. Danksagung eines der bekleideten Kinder. 5. Schluß-Choral. Mttdapest. Zwei hiesige Geschäftsreisende, Isidor Abeies und Ignaz Kestenbanm, kehrten aus ihrer Reise am 17. v. Mim großen Gastbause Jpolschag ein. Da sie bei einem GeschäftSsrennde zum Nachtmahl geladen waren, kehrten sie spät in der Nacht in's Gasthaus zurück. Dort war uoch eine lustige Gesellschaft bei Tische, weshalb die zwei Reisenden sich aus ihr Zimmer begaben. Um!2 Uhr in der Nacht ׳wurde die Thüre ihre» Zimmers heftig ausgerisseu, ein junger Mensch stürmte herein mit den Worten ,ich will Judenblut!' und nun begann ein heftiger Kampf, nach welchem die zwei Juden den Eindringling zur Thüre hinauswarfen. Zur Vorsicht versperrten sie daun die Thüre, ließen das Licht brennen und legten sich auch ibre geladenen Revolver zur Hand. Diese Vorsicht war auch sehr uothwendig, denn bald darauf stürmte die ganze lustige Gesellschaft, unter ihnen auch einige Comitatsbeamte, gegen die Thüre mit dem Rufe: ,O ffnet, ihr Juden!" An 15 mit Stöcken bewaffnete Personen wollten in's Zimmer dringen. Als sie aber die zwei Revolver gegen sich gerichtet sahen, zogen sie sich unter Schimpfen und Flnchen von der Schwelle zurück- Der anwesende Stuhlrichter suchte die Angreifer durch ernste Mahnungen au weiteren Excessen zu verhindern, die Kellner eilten um die Gendamerie, als aber dieselbe aukaiu, hatten sich die Herren Antisemiten bereits verlaufen. Die Reisenden haben daun die Strafanzeige erstattet. Lodz. Die confessionelle Eintracht, die in Lodz besteht, hat sich i» jüngster Zeit wieder glänzend bewährt. Zu dem Bane einer griechisch-katholischen Kirche trugen Judm über 30.000 Rubel bei. Der Grundsteinlegung derselben wohnten der Rabbiner und mehrere Inden bei und ebenso bei der Einweihung. Zn dieser spendete ein Jude, Herr Constedt, einen Teppich für 5000 Rubel. Dagegen spendeten zur neuen deutschen Synagoge, welche eine Million Rubel kosten wird, christliche Mitbürger bis 80.000 Rubel. Die jüdischen Fabriksherren Posnomski, Rogenblatt. Constedt geben Tausenden von erwerbslosen Arbeitern täglich 5 Kopeken. Posnomski stiftete ein israelitisches Hospital mit über 75.000 Rubeln, in welchem jedoch Kranke aller Conseffionen Aufnahme finden. Mmvrka. Am 13. v. M. trug sich in der hiesigen Schule ein sehr trauriger Fall zu. Ein jüdisches Mädchen im Alter von 11 Jahren beging׳ Las Verbrechen, in der Schule während des Unterrichtes zn lachen. Der zornige Lehrer versetzte dafür dem Mädchen mit einem Stocks einen Hieb am Kopse, worauf dasselbe niedersiel. Der brutale Lehrer glaubte, dass sie sich verstecke, und versetzte ihr einen zweiten Hieb, und das arme Kind blieb todt auf der Stelle. — Die Bestürzuug der Eltern kann man sich leicht vorstellen, nur merkwürdig ist es, dass es dem Lehrer gelungen ist, Liesen grausamen Act ganz zn vertuschen. Correspondeu; der Nedaetion. Schw. in T. Bestätigen dankend den emgesandten Betrag. A. in N.-H., D. in W-, N. in M.-Kr., bcstiitizen dankend die eingesandten Beträge. M. in N. Sie haben bis Ende Deeember beglichen. Danken für Nachfrage. Gru's. T. in B. Wird in nächster Nnnuner veröffentlicht. Gnus. L. in K. Artikel folgt in nächster Nummer. Gru/s. Nabb. R. in S. Fortsetzung für diese Nummer schon zu spät erhalten. Grus». — Die RcLnrliau.