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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-09-02 · Heft 30 (2.9.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 30 (2.9.1884)
Date
1884-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische n - Zeitung. r s, Pränumcrations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Santoren-Vereinev ohne Musikbeilage Viertels. . ft. 1.— mit Musikbeil Viertels, fl. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.» Nng. ohne Musikbeil. vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil. Viertels. fl. 1.50 für Abonnenten im Auslnnde o. Musikbeil. Viertels. fl. 1.5« mit Muiikbeil. Viertels, fl. 1.75 V Organ die GeM0llllt-I1ltereM1l jüdischer fatitotra. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercantor Icrkob Wauer. J|e1Iaetian Administratto« Wien, II., Novaragasse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 30 Wir», 2. September 1884. 4. Jahrgang Die Gegner des jüdischen Cantorntes. Das moderne jüdische Cantorenthum ist entschieden zu einer bemerkenswerthen Bedeutung gelangt, denn die Feinde desselben schießen allüberall wie Pilze hervor. Die Amtstätigkeit des jüdischen Cantors ist eine concrete, gehaltvolle, und gerade des- ״wegen macht sich das Bestreben einer gewissen Classe von Seelsorgern bemerkbar, einige der dem Cantor gebührenden Amts- Obliegenheiten für sich in Anspruch zu nehmen. Am possierlichsten gebehrden sich jedoch jme Ritter vom jüdischen heiligen Geiste, die den Cantor zu verdrängen trachten, indem sie der Welt plausibel machen wollen, dass der sogenannte Rabbiner gleichzeitig das Cantorat versehen kann, und hiebei nur das eine zu vergessen scheinen, dass durch Liese Procedur der zum jüdischen Gottesdienste unbedingt nothw endigste Fu nctionär, ״der Vorbeter", keineswegs verdrängt, sondern durch die hochheilige Person des betreffenden Seelsorgers selbst, allerdings in etwas eigenthümlicher Weise, dargestellt wird. Diese Erscheinung (ש* ץ מ״ץ) ist keineswegs die Frucht des modernen Judenthums, sondern eine ziemlich alte Institution, die durch den Flügelschlag einer aufgeklärten Zeit und namentlich in den letzten Deeennien durch die gewiss anerkennenswerthe, rabbinisch und wissenschaftlich höhere Ausbildung der Nabbinatsjünger etwas in den Hintergrund gedrängt wurden. Der rationell ausgebildete und wissenschaftlich hochstehende junge Rabbiner hatte mit seinem Amte und seinen Amtsobliegenheiten so vollauf zu thun und selbstverständlich gewährten seine wissenschaftlichen Arbeiten, Predigten rc. ihm und seiner Gemeinde so vollauf Befriedigung, dass es geradezu unmöglich und unnütz erschien, irgend eine Function des Cantors versehen zu wollen. — Nur jenen jüdischen Seelsorgern, die nicht die Wege eines systematischen Studienganges gewandelt, demnach auch nicht mit all' den uöthkgeu Vorkenntnissen ausgerüstet waren und lediglich durch ein Zusammentreffen seltsamer Umstände zu irgend einem Rabbinatssitze gelangten, mußte sich über nah' und kurz die Usberzeugung aufdrängen, dass ihre Wissenschaft nicht ausreiche, um wirklich zu befriedigen, dass demnach ׳der Ertrag ihrer Thätigkeit gleichfalls nicht hinreichen dürfte, um nur das Atlernöthigste zu erreichen, und sie demnach gezwungen wären, an Ersatzmittel für ihre sonstige Unfähigkeit zu denken. Wir brauchen das Bild nicht, zu Ende zu malen, die Absicht dieser sogenannten Herren Rabbiner, die das Institut des alten ש״ץ מ״ץ für sich wieder in Anspruch nehmen wollen, liegt zu klar zu Tage, als dass dieselbe irgend welche Schädigung des jüdischen Cantorates involviren sollte, wenn nicht die von einem ש״ץ מ״ץ in unfachmännischer, weil unvorbereiteter Weise verrichtete cantorale Function der heiligen Sache nach und nach allerdings eine Schädigung beizubringen geeignet wäre. Diejenigen Herren, sogenannte jüdische Seelsorger, die den Cantor oder שליה 2£ב1ר am dem Gottesdienste entfernen und ein neues Evangelium verkünden, indem sie betonen, der Prediger könne gleichzeitig den Cantorendienst versehen, bitten ׳.vir, die kleine Abbreviatur ש׳־ץ מ״ץ genau anzusehen. Unsere Altvordern, die bekanntlich in der Wahl der Ausdrücke, ja sogar in der Anordnung derselben ungemein vorsichtig waren, deuten mit der Stellung dieser Abbreviaturbuchstaben zur Genüge an, welcher von den beiden Amtsverrichlungen — wenn schon an eine Vereinigung der beiden Functionen in irgend einer Gemeinde geschritten werden müßte — der Vorrang gebührt; es beißt ש״ץ מ״ץ und, nicht umgekehrt, demnach gehört dem ש״ץ der erste Platz. An dieser Thatsache dürfte von den gewissen Herren Rabbinern hoffentlich nicht gerüttelt werden, da diese Aufstellung höchst wahrscheinlich von einem einstigen Amtsgenossen herrührt; und was der ״ץ? hierüber sagt, das dürfte den Herren bekannt sein. Allein auch die Erfahrung spricht entschieden dafür, dass die Cantorfunctiou die nothwendigere beim jüdischen Gottesdienste sei und jede andere als Predigt, Chor, Orgel 2c., eine allerdings sehr willkommene, aber immerhin nur eine Beigabe desselben bleibt. Man blicke um sich und prüfe, wie viele jüdische Gemeinden lediglich Rabbiner und keine Cantoren haben und man wird bei selbst oberflächlicher Betrachtung finden, dass solche Gemeinden nur vereinzelt, in des Wortes strengster Bedeutung, dastchen. Es erscheint nun, allerdings sonderbar, aber in Berücksichtigung ihrer egoistischen Gründe im gewissen Sinne gerechtfertigt, wenn diejenigen jüdischen Prediger, die sich im Besitze eines Singorganes — jedoch ohne jegliche singtechnische Vor-

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