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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-25 · Heft 29 (25.8.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 29 (25.8.1884)
Date
1884-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische 0 - Zeitun L W Pränumerations-Preis für Mitglieder drS ö.-u. Santoren-ÄereineL-obne Musikbeklage vrertelj. . fl. 1.— mit Musikbeil viertelj. ff. 1.2s für Nichtmitglieder in Oesterr.- Äug. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.2s mit Mustlbetl. viertelj. fl. 1.50 für klbonnenten im Nutlande o.Nusikbeil. viertelj. fl. 1.50 mit Mustkbeil. viertelj. fl. 1.75 O r g a n för die Gesummt-Interessen Mischer Gantorm. Erscheint jede» achte« Tag. Begründer: Obercantar Jakob Zdauev. J|edncüan und Administration Wien, II., Novaragaffe 27. 3HfCTCtC werden billigst berechnet. — Manuskripte werden nicht 1 retournirt. 9 Nr. 29 Wien, 25. August 1884. 4. Jahrgang Wien, am 25. August 1884. Es gibt wohl Hunderttausende von Unglücklichen, denen der Name des Vorarlberger Städtchens Hohenems ein völlig unbekannter ist, die nicht wissen, dass daselbst eine quasi jüdische Cultusgemeinde von 20, sage zwanzig jüdischen Familien besteht. Zu diesen Unglücklichen werden zwar durch eine eigene Fügung des Himmels wenige' unserer College» gehören, "aber auch diese werden voll Erstaunen den Namen der Hohenemser Gemeinde während der jüngsten Zeit in den meisten jüdischen Blättern in rascher Aufeinanderfolge gefunden haben- Weich' wichiige, für das Judenrhum epochemachenden Ereigniße mögen wohl die Veranlassung sein, dass eine solch' gewaltige Gemeinde immer und immer wieder, wie die berühmte Seeschtange, in den Spalten jüdischer Blätter genannt wird? — Des Räthsels Lösung ist eine fürchterlich ernste. Die Hohenemser Gemeinde, die Geburtsstätte Sulzer's, hat den Cantoren. ja dem Cautorate Krieg auf Tod und Leben erklärt. Dieses Ereignis, welches bei normalen Zeilen gewiss die Aufmerksamkeit der ganzen civilisirten Welt auf sich gelenkt hätte, konnte bei den durch allerlei tragische Geschehniße abgestumpften Nerven unserer Generation keinerlei Wirkung Hervorrufen und es war umsomehr in Gefahr, im Sande zu verlaufen, als sich nirgends für die heldeumüthige Hohenemser Gemeinde Bundesgenossen finden wollten. Da trat vor einiger Zeit eine Wendung ein. die die Angelegenheit in ein ganz anderes Fahrwasser brachte und die schon leichter aufathmenden Cantoren neuerdings in die größte Angst versetzte. Der vormalige Religionslehrer und Rabbiner von Znaim erhielt einen Ruf nach Hohenems, und bald nach Antritt seines Amtes verspürte der nunmehrige Hohenemser Rabbiner plötzlich gewaltigen Kampfesmuth in sich, glaubte mit gar leichter Mühe ein Luther des Judenthums werden zu können und erklärte daher in seinem und im Namen der Hohenemser Gemeinde den Can* Loren neuerdings in optima forma den Krieg: ״Das Canto rat," verkündete er urbi 6t orbi, ״ist überflüssig, der Rabbiner allein nothwendig. ergo fort mit den Cantoren, diesem Luxusmöbel, das man blos noch großen Gemeinden gestatten kann." Wir nehmen den uns bingeworfenen Febdehandscbub nicht auf. Es kann uns und dem Iudentbume nur fürchterlich gleichgültig sein, ob die Hohenemser Gemeinde es mit ihrem Geld sacket und — s a g e n w i r a u chm i t i b r e m F r ö m m i g k e i t s s i n n e vereinbar licher findet, den Canlor oder d e n Rabbiner für sich beten zu lassen, deutsche o d e r h e b r ä i s ch e G e b e 1 e zu verricht c.b. Aber nicht gleichgültig kann uns die Metamorphose sein, welche der sehr verehrte Herr Rabbiner und Neligionslehrer auf dem Wege von Znaim nach Hohenems durchgemacht hat, nicht gleichgültig darum, weil sich darin die Hohlbeit und Bedeutungslosigkeit der gleich-!am auf Commando gegen das Cantorat ankämpfenden Gegner desselben zeigt. Es ist kaum ein Jahr um, dass der Herr Rabbiner der Hohenemser Gemeinde, der jetzt Feuer und Flammen gegen die Cantoren speit — damals wohl noch in seiner etwas gedrückten Stellung zu Znaim — es nicht unter seiner Würde hielt, in den Spalten dieses Blattes, das doch nur den Interessen des CantorenthumS gewidmet ist, seine Ansichten über den jüdischen Gottesdienst zu veröffentlichen; es ist noch kein Jahr um, dass er dieWürde und Bedeutung der Cantoren in fast über schwer! glicher Weile anerkannte, es ist noch kein Jahr um, dass er ein vereinigtes Vorgehen von Rabbinen undCantoren für möglich und wünfchenswerth bielt. Was ist nun im Laufe dieser kurzen Spanne Zeit geschehen, Um aus dem Saulus einen Paulus, aus dem Cantorenfreund einen erbitterten Cantorenfeind zu machen? Hat sich etwa eine Aenderung aus Seiten des Cantorenstandes vollzogen, eine Aenderung, die auch feine Freunde in Feinde umwandeln mußte, oder ist fie nicht vielleicht auf Seite des Herrn Rabbiners eingetreten? DaS Letztere ist viel natürlicher und lässt flch auch durch ein einfaches und derbes Sprüchlein erklären, welches da lautet: ,Man muss mit den Wölfen heulen*. Was sollte, was konnte der Herr Rabbiner aus Znaim, der nur für eine echt jüdische Gemeinde zu wirken berufen ist, seiner neuen ihm anvertrauten Heerde von Gläubigen bieten, wenn er sich daselbst behaupten wollte? Sein Können, fein

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