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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-17 · Heft 28 (17.8.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 28 (17.8.1884)
Date
1884-08-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-umarische rr —ף Prünumerations-Preis Organ י—===-־־*/ J|tdaeitan für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Bereine!- ohne Musikbeilage viertelj. . ft. 1.— mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.25 Ar die GrMmnit-IllterMkii jüiiisijer Cantnren. und Administration Wien, für Nichtmitglieder in Oesterr.» Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig . . . . fl. 1.25 Erscheint leben achten Tag. II., Novaragaffe 27. mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im Auslande o. Musikbeil, viertelj. fl- 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75. Begründer: Obercantor Icrkoö Acruerr. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. 1 ..._J Nr. 28 Wien, 17. August 1884. 4. Jahrgang Nein! Musik M!> Poesie der alten Hebräer. (Schluss.) Fragt man, unter welchen Verbältnißeu sich Dichtkunst und Musik, welche in den ältesten Zeiten eng miteinander verbunden waren, zunächst entwickelt haben mochten, so dürfte man kaum irren, wenn man hiebei an das Hirtenleben denkt Die sanste Fröhlichkeit, wie sie zur'Ausbildung dieser Künste gehörte, konnte sich früh nur bei der freien, leichten Lebensweise des Hirten finden. Der Jäger war zu unstäl und wild und der Landmann zu sehr 7m den Boden gedrückt, den er bearbeitete. /Dieser wird uns ein Trost sein", sagt Lantech bei der Geburt des Noab's, .bei unserer Mühe und der schweren Handarbeit, bei dem Boden, dem Gott flucht'. Eine solche Stimmung war jenen Künsten nicht günstig. Derselbe Druck des Gemüthes tritt auck schon bei Karn, dem ersten Ackcrsmanu, hervor, und ihm gegenüber!tent A b c l, der sanfte, edle Hirte. Und so war auch Jubal, der Ersinder der Musik, der Bruder des ersten wandernden Nomaden, gleichwie später der Hirte David ein vortrefflicher Sänger war. Wir wissen wohl, dass man in einigen dieser biblischen Angaben System finden wollte; aber sei dem, wie ihm wolle, so ist dies gewiss, dass gerade bei Völkern, die ans dem Hirtenleben hervorgingen, den Hebräern und Arabern, Dichrkunlt so früh geübt wurde und einen so hohen Aufschwung nahm, und es ist bekannt, dass nach der Sage der Griechen Apollo selbst Hirne war und zunächst unter Hirten aufirar. Bei dem abgeschlossenen Hirtenleben bildet sich zunächst aber auch jener Hang nach Geselligkeit, der in einer so Harmlosen, reinen Gestalt in dem geräuschvollen Leben mannigfach zerstreuter Städter nie entstehen konnte. Aus diesem Sinne für Geselligkeit entwickelte sich eine der edelsten Tugenden, die Gastfreundschaft, in weicher Abraham als Muster dastebr. wegen deren schändlicher Verletzung einmal das ganze Volk der Hebräer ausstand (Nicht. 19- 21■), und die von jeher am meisten unter Hirtenvölkern und namentlich bis auf den heutigen Tag bei den freien arabischen Hirten geübt wurde. So wie nun alle Vergnügungeu des Hirten, begünstigt von einem arbeitslosen Leven im Freien und von einer milden Temperatur, die er mit feinen Heerden aufsuchen mußte, gesellig wurden, so mußten diese geselligen Verhältniße für Musik und Dichtkunst nicht allein im Allgemeinen günstig sein, sondern auch die Form bestimmen, in der diese Künste auftraten; und dies waren wob! schon früh Chorgesang (in Verbindung mit Tanz) und wechselnde Gesäuge. Hiedurch nun war zugleich der P ar a l l e l i s m u s gegeben, als die natürlichste Form jedes Wechsel- und Wettgesanges. Dieses gesellige Princip, wenn man io sagen darf, im Liede, in der Rede, ja in der Auffassung jedes Lautes in der Natur, spricht sich deutlich aus in dem vielfältigen Gebrauche des Wortes ענה entgegne u (sowohl vom ersten als vom zweiten der Redenden). Seine natürlichste Anwendung erhielt dies Wort bei wirklichen Wechfelgeiänzeu. wie 2. Mos. 15, 21., wo Frauen- und Männerchöre einander im Triumvhliede antworteten (אשירה־־שירו.‘, ebenso bei der Wechselrede, z. Bdurch das ganze Buch Hiob, wo jeder , Redner mit ויען eingefübrt wird, weil jede dieser Reden einer zu erwartenden Erwiederung eutgegensteht. Aber auch von Gott wird es gebraucht, der dem Betenden durch die Tbar antwortet, indem er ibm hilft; das Rufen der Kämpfenden wird mir demselben Worte bezeichnet, weil mau hier in einem natürlichen Parallelismns, wie er noch iu jeder unserer Schlachtmnsiken hervortritc, das Geschrei der Sieger und die Klagen der Besiegten oder Verwundeten (קול ענות גבורה und 2 קול ענות חלושה. Mos. 32, 18.) einander gegenüberstellte. Ja selbst vom Geheul der Thiers in verödeten Palästen wird ענה gebraucht (Jes. 13, 22 ). sei es nun, dass man hier an den wechselnden Ruf der Tbiere selbst dachte, oder an den Wiedcrhall, der ihnen von den öden Wänden her antwortete. Ueberall suchte und vernahm der gemüthvolle Orientale Geselligkeit, und dieser Parallelismns, ans den Wettgesänzsn des geselligen HirtenkeöenS dervorgegangen, erhielt sich nun als bleibendes Gepräge der hebräischen Poesie; denn auch der einsame Dichter lauschte gleichsam bei jedem Tone seines Liedes auf Antwort und ward ihm diese nicht, so antwortete ec sich selbst im wiederholenden, bekräftigenden ParailelismuS. Diese Form der Dichtkunst ward nun im Lande der Hebräer \ außerordentlich begünstigt durch dis umgebende Natur, welche > überall die außerordentlichsten Erscheinungen und die wunderbarsten Gegensätze dacbor und so die mannigfachste Veranlassung

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