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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-08-01 · Heft 26 (1.8.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 26 (1.8.1884)
Date
1884-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cautoren-Bereinev ohne Musikbeilage viertelj. . si. 1.— mit Musikbeil, viertelj. fl.-1.25 firr Nichtmitglieder.in Oesterr.- Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.2s mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im AuSlande o.Mustkbeil. viertelj. fl. 1.50 mit Dtusikbeil. viertelj. fl. 1.75 O r lE a. n die Gesäumt-IntKsseu jüdischer Gullturm. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercaytor Icrkoö Wcrüev. J|edaeüan und Administration Wien, II., Novciragaffe 27. Snfaatt werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht reiournirt. Nr. 26 Wien^ 1. August 1884. 4. IahrAang. Wien, am 31. Juli 1884. .C1'!21N ט׳) Trauer durchzieh! heute die Lande, in denen bte• Kinder; Israels wohnen, schmerzvoller denn je ergreift uns die Erinnerung an die einstige Größe und Bedeutung Juda's, an fern Unglück und an die Zerstreuung seiner Söhne über die ganzes Erde. Das ganzeMartyrium von 18 Jahrhunderten zieht an dem Geiste eines Jeden vorüber, der es noch nicht verlernt hat, Schmerz und Freude mit seinem Volke zu durchkosten, das Glück und Unglück desselben als sein eigenes zu betrachten. Und dass auch wir Cantoren dieses nicht verlernen, dafür sorgte und sorgt unser Beruf, dafür sorgte und sorgt die unglückliche Lage unseres Standes, dessen Schicksal im Kleinen das Schicksal unseres ganzen Volkes getreu wiederspiegelt. Wie unser Volk, ohne Sitz von Land zu Land gejagt und getrieben, keinen ständigen Aufenthalt kannte, seitdem es seines VaterlandeS beraub! wurde, so auch wir Cantoren. Nirgends konnten und können wir festen Fuß fassen, nirgends können wir länger weilen, überall treibt uns ein Dämons dessen furchtbare Gewalt uns nur zu fühlbar ist, fort, läßt uns nicht zu Alhem kommen und macht uns zu den Unglücklichsten inmitten unseres Volkes, zu den Parias unter den Parias. Aber fragen wir uns ehrlich, ist unser Unglück ebenso unverschuldet als das unseres Volkes, tragen wir so wenig zu u n« serem Unheil bei, als das Volk Israel zu dem seinen? Jeder Cantor, der sich gewissenhaft diese Frage beantworten will, wird nur ein trauriges ,Nein* darauf finden, Jeder wird sich gestehen müssen, daß auch er selbst gesündigt, denn Keiner unter uns ist von Schuld^frei, Jeder hat dazu beigetragen, das Maß des Unglücks zu vergrößern, die Pflicht eines Jeden ist es darum auch, nach seinen Kräften demselben entgegen zu arbeiten. Und wie wird diese Pflicht heute aufgefasst? In jüngster Zeit hatten wir uns dem Wahne hingegeben, als sei ein besserer Geist bereits in unserer Mitte eingezogen, als sei die Macht des unglückseligen Dämons, der uns beherrschte, gebrochen. Schmerzkich ist die Enttäuschung, die wir heute erfahren, um so schmerzticher, da sie uns an einem Tage-trifft,- der ein Trauertag sein soll für unser ganzes Volk, an dem die Leiden eines Einzelnen oder eines ganzen Standes in den Hintergrund treten sollten vor dem großen Schmerz eines großen Volkes. Aber man kämpfe, so sehr man will, die egoistische Trauer, das Unglück des Einzelnen, des Standes drängt sich immer in den Vordergrund und vermehrt und vergrößert das Leid, das der neunte Ab in uns Hervorruit. . Die Nachricht, die uns heute zukormnt, raubt uns fast die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft für das Cantorenthum. Des Oefteren schon waren wir leider genöthigt, unsere warnende Stimme gegen die Wanderlust und Wechselsucht zu erheben, die Folgen vorherzusagen, um das Uebel möglichst einzudämmen. Unsere Mühe war eine vergebliche. Die Besten aus unserer Mitte, oder wenigstens solche, die als die Besten gelten wollen, haben uns der Illusion, der wir uns hingegeben, entrissen, haben uns den Glauben an eine Besserung vernichtet. Man denke, Cantoren, die einträgliche', bedeutende Posten bekleiden, deren Stellung eine gesicherte ist, begeben sich unaufgefordert in andere Gemeinden, scherwenzeln um die Vorsteher derselben herum, um den vacanten Posten ja nur zu erlangen und anderen College!!, die mehr auf ihre Würde geben und eine Berufung zu Hause abwarten, den Rang abzulaufen. Welche Früchte kann ein solches Vorgehen, selbst wenn das Unternehmen gelingt, tragen? Welche Behandlung kann ein Cantor erwarten, der sich der Gemeinde förmlich aufdrängt, der seine Waare selbst anpreist. und die Schwächen Einzelner auszunützen sucht? Kann er Achtung für sich und seinen Beruf erwarten oder gar verlangen? Und wie verantwortet er bei einem Mislingen seines Versuches all' die trüben Folgen, die ein glücklicher Concurrent zu tragen haben wird? Kann dieser auch einen ungetrübten, ruhigen Moment in einer Gen!einde erwarten, in welcher solche Begriffe über die Cantoren practisch propagirt wurden? Würden die Herren alle diese Folgen in Betracht ziehen, sie blieben wohl fein ruhig zu Hause, schickten ihre Offerte ein und warteten dann auf eine etwaige Berufung, demguten Klang ihres Namens und ihren Fähigkeiten allein vertrauend. Dies ist aber nicht geschehen, .es ist vielmehr für vernünftiger und nützlicher befunden worden, sich persönlich am Kampsplatze 1

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