Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 22 (30.6.1884)
- Date
- 1884-06-30
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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sicht, dass der Conflict beglichen werden könne, wenn er gleich principiell aus dem Standpunkte der Competenz des Cultusrathes zur strittigen Maßregel stehe. Er beantragte, es sei der Tempelverwaltung der Beschluss des Cultusrathes dahin . zu interpretiren, dass der Cultusrath die Verwaltung beauftragt habe, aus den lausenden Einnahmen die Remuneration zu leisten, eben darum aber auch die Verantwortung für das etwa hiedurch entstehende Deficit übernommen habe, erst dann, wenn die Verwaltung trotz dieser Interpretation auf ihrer Demission beharren würde, sei dieselbe anzunehmen. Dieser letzte Versuch, eine göttliche Beilegung der leidigen Angelegenheit herbeizusühren, wurde jedoch mit bedeutender Majorität abgelehnt, sonach die Demission angenommen und eine Commission zur mittlerwelligen Verwaltung des Tempels, bestehend ans den Herren Emanuel Gall, Sigmund Nuckec und Jacob Stroh (welch' Letzterer aber dann die Annahme des Amtes ablehnte) gewählt. Wir fürchten. Lass dieser Beschluss des Cultusrathes nicht besonders heilsame Folgen nach sich ziehen werde. Um widrige Zänkereien zu vermeiden, hätte man wohl etwas weniger rapfer sein können, zumal der Dermittlungsantrag des Herrn Dr. Mansch der Würde des Cultusrathes uicht im Geringsten abträglich war und die von ihm beantragte den Intentionen der Tempelverwaltung entsprechende Interpretation schon durch die natürlichsten Gebote des Rechtes dictirl wird. (Lemb. Israel.) Budapest. Am 24. Juni fand im Processe über die im vorigen Jahre vorgefallenen Krawalle auf der Kerepeserftraße die Schluss- Verhandlung statt. Staatsanwalt Dr. H.il sagte am Schlüße seines Plaidoyers Folgendes: ,Dieser Strafproceß hat doch ein social sehr wichtig-s Resultat, das meiner Ansicht nach zweifellos ist und dessen gerichtliche Constatirung, wenn das, wovon ich überzeugt bin, geschehen wird, die Zerstreuung der in der Gesellschaft mit Recht' erwachten Besorgniße und die theilweise Wiederherstellung des Gefühls der Rechtssicherheit zur Folge haben wird. Dieses Resultat ist, Lass der wahre Grund des schändlichen Attentates nunmehr Lurch Niemanden bezweifelt werden kann, und dies ist schon an und für sich ein großes Resultat; denn was!ürd^r durch Niemanden wird bezweifelt werden können, ist erstens, dass der wirkliche, einzige und unmittelbare Grund des schändlichen Verbrechens der Antisemitismus ist, der weder eine politische Richtung noch eine sociale Frage ist, sonhern ganz einfach eine gegen Las Strafgesetz verstoßende Niedertracht. Es ist dies eine Abart des Anarchismus und des verwerflichsten Socialismus. Der Staatsanwalt geht sodann auf eine detaillirte Schilderung der Krawalle selbst über und sagt, die Vorbereitung der Krawalle sei notorisch gewesen. Seit vielen Monaten wurde in ungerechtfertigter Weise gegen eine ganze Confession im Lande geschürt, und vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Proceß vor den Äugen der erstaunten civilisirteu Welt geführt, ein Proceß, der an die Hexenproeesse des Mittelalters gemahnt, und dies in einem Lande, in welchem vor mehreren Jahrhunderten bereits einer seiner weisen Könige den trefsenden Ausspruch gethan: ״De strigis, quae non sunt, nulla fiat meutio.K Dass bei den Krawallen keine größeren Gefahren entstanden sind und kein größerer Schaden angerichtet wurde, kann nur durch die Thatsache erklärt werden, dass die Besonnenheit des ungarischen Volkes denn doch größer ist, als die Niedertracht seiner Verführer. Wenn auch formell das Losungswort uicht ausgegeben wurde, dass es einen Kriegszug gegen die Juden gilt, sv kann man aus den Rufen Einzelner, wie: ,Auch hier wohnt ein Jude!' und aus diesen Rufen folgenden Handlunge n mit Recht auf den Charakter der Angriffe und Tumulte schließen. Zum Schlüße fordert der Staatsanwalt die Schuldigsprechung von 45 Angeklagten wegen Verbrechens des Aufruhrs, respective öffentlicher Gewaltthätigkeit, gegen drei Angeklagte außerdem wegen Hehlerei; gegen die übrigen Angeklagten läßt er die Klage fallen. Die nicht erschienenen Angeklagten sollen currentirt werden. Sodann sprachen der Reihe nach die Ex oüo-Vertheidiger, deren einer, Dr. Anton Günther, die Ursache der Krawalle lediglich in der' Hkehertransportirung des Moriz Scharf und dessen Aufbauschung zu einer sensationellen Größe erblickt, die von Reportern interviewt worden. Bstiladekphia. Ein 14 Jahre altes, mutterloses jüdisches Mädchen, welches von ihrem schlechten Vater verlassen worden, fand in der von Missionären gegründeten ,Gesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten gegen Kinder״ Aufnahme, und wurde hier überredet, ihren Glauben abzuschwören. Einige in der jüdischen Gemeinde hervorragende Mitglieder thaten Schritte, um das Mädchen diesem Einfluss zu entziehen, aber alle ihre Bemühungen blieben fruchtlos. Gesetzlich konnte man nicht einschreiten, weil das Kind in dem Alter ist, kn welchem es über ihren Glauben entscheiden kann, und eine zwanglose Unterredung mit dem Mädchen wurde seitens der Verwaltung dieser Gesellschaft nicht gestattet. Eine 12jährige Schwester dieses Mädchens, über die diese Missionäre ebenfalls ihre Netze ausgespannt haben, wird seitens der jüdischen Gemeinde in einer jüdischen Anstatt untergebracht. Gründungsnnd Vkreinsdriträgr. A. Adler, Ungarisch-Hradisch, halbjährigen Beitrag; S. Löwensohn. Eibenschitz, ganzjährigen Beitrag; Adolf Kohn, Kanitz, halbjährigen Beitrag; Salornon Weiß, Ungarisch-Brod, halbjährigen Beitrag; M.Stangl, Zlabings, halbjährigen Beitrag; S. Friedmann, Pirnicza, vierteljährigen Beitrag; A. Löwy, Wallisgrün, vierteljährigen Beitrag; Benjamin Haas, L.-Sanct- Miklos, halbjährigen Beitrag; Ed. Freisinger, Stuhlweißenbnrg, fünfvierteljäbrigen Beitrag; D. Beutler, Auscha, halbjährigen Beitrag; Emil Fränkel, Strakonitz, halbjährigen Beitrag; Philipp Baßl, Margarethen (Wien), halbjährigen Beitrag; Theophil Fleck, Wien, halbjährigen Beitrag; Sigmund Jellinek, Mistelbach, halbjäbrigen Beitrag. A. Fischer, Cassier. Corresponden; der Nedaetion. College!! Kl. in Sz., W. in S-, W. in A. (CultuSgmnd. Br.), Pr. in T. , St. in K.-E-, Iin M., Kr. in Pl., Bin H-, L. in Leob., G. in Gr-- Kan.. Gin Kr., Fr. in Mag., S. in K-, K. in FülopSz., T. in Leipn., M. in B., W. in Wask. bestätigen dankend die eingesandten Beträge, hoffentlich werden zum Beginne deS neuen Quarta leS auch die anderen Herren Collegen ihre Pflicht uns gegenüber erfüllen. Collezialcn Gruss. Kl. in S;. Demnächst erscheint eine Beilage. Gruss. D. in W-, Sin M., B. in W.-Sz. Wollen Sie sich bezüglich des demnächst erscheinenden Werkes (Casualien) direct an Herrn Musikmeister Grünzweig, Arad, wenden. GrusS. Bin H., K. in Fülöpsz. Wegen Aufnahme in unseren Verein wollen Sie sich direct an den Vereinsvorstand schriftlich wenden. Gin Gr.-K. Eingefandten Betrag bis 1. April gutgebucht, da Sie noch ein Saldo (aus Vergeffenheit) vom Jahre 1883 hatten. Besten Gruss. W. in W. Ihr Eingesandtes ist unmöglich aufnahmsfähig, solche Zustände findet man in Ungarn sehr häufig. Chainovskp in K. Der ganzjährige Abonnementsbetrag sammt Musik- Beilage beträgt, wie Sie auf der Spitze unseres Blattes finden, 7 Rubel. Gruss. — P. in H. Bewußtes erhalten, werden die Wege machen. Kr. in G. Herzliches ״Masol-Tow“ zur Verehlichung Ihrer Tochter. Die Redaetion. Allen geehrten Herren Collegen, welche unserem Ansuchen in bereitwilliger Weise nachkamen und uns die fehlenden Nummern der Cantorenzeitung zur Completirung der!Jahrgänge 1882, 1883 für die k. k. Hofbibliothek und die k. k. Universitätsbibliothek einsandten, statten wir hiemit unseren herzlichsten Dank ab. Da einige Nummern überflüssig sind, so können wir dieselben .auf Wunsch wieder retourniren. Die Red.