Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 20 (14.6.1884)
- Date
- 1884-06-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— die Frommen der Völker haben Antheil an der ewigen Seligkeit." — Diese Lehrsätze sind die Grundbestimmungen für die interconfessionelle Stellung des Judenlhums. — Wenn indessen dem gegenüber in, dem ausgedehnten jüdischen Schristthume Aussprüche sich vorsinden, welche sich nicht zu dieser idealen Höhe erheben, so sind dieselben als Meinung Einzelner zu betrachten, welche durch den Druck der Zeiten hervorgerufen wurden und welche keine bindende Kraft besitzen." Diese öffentliche Erklärung wurde mit unwesentlichen Aenderungen angenommen und mit folgendem Vorwort versehen: Im Namen und unter dem Beistände des eiuigeinzigen Gottes erklären wir gegenüber den Verunglimpfungen, welche in den letzten Jahren Hass' und Unkenntnis im Bunde auf die Religion des Judenthums gehäuft, indem sie die Reinheit unserer Sitteulehre in den Augen der Menschen zu verdunkeln suchten, was folgt: ״Das Gebot der Nächstenliebe u. f. w.' London. Zu Gunsten der »jüdischen Freischule' in London, welche 3000 Zöglinge fasst, und für deren Neubau soeben eine Sammlung den Betrag von 20.000 Pfund Sterling eingebracht hatte, ward in voriger Woche ein jüdisches Banguett veranstaltet, dem die Spitzen der Gesellschaft, theils als Ehrengäste, theils als Spender beiwohnten, darunter der Unterrichtsminister Mundelia, Lord Randolf Churchill, Baron Nathaniel Rothschild, Sir Julian Goldshmith und Andere. Nach den üblichen Toasten aus die königliche Familie ward auf die beiden Häuser des Parlaments und auf die ,Geistlichkeit' getrunken, welche fick in England stets besonders tolerant gegen Juden benimmt. Diese Toaste wurden beantwortet durch Lord Churchill der das Verhältnis des Parlaments zu den Fragen der öffentlichen Erziehung beleuchtete, und durch Herrn Mundella. Derselbe bemerkte unter Anderem folgendes: ,Vor etwa 20 Jahren unterstützte ich im Parlamente die damals zuerst gegebene Anregnng, dass der Staat sich um die Volksschulen kümmere und den Elementar-Unterricht obligatorisch machen solle. Ich glaubte damit einer Forderung der modernen. Cultur zu entsprechen. Wie sehr war ich erstaunt, als ich gerade damals eine Unterredung nut dem berühmten Orientalisten Emanuel Deutsch hatte, der mir aus dem Talmud und anderen Quellen nachwies, dass die Juden schon vor 2000 Jahren das als selbstverständlich erklärten, auf dessen Einführung wir uns heute etwas einbilden; schon damals war der Vo.ksunterricht unter den Juden obligatorisch, und betrachtete man denselben als den Schlüssel des nationalen Lebens. Aus jener Zeit stammen die Lehren : dass die Welt durch den Athem der Schulkinder werde erlöst werden, und dass mau zuerst Schul- Häuser und dann erst Bethäuser erbauen möge. In seiner amtlichen Wirksamkeit kommen ihm häufig Gesuche um Befreiung von einz.lnen Schulgegenftändeu vor — niemals aber gingen solche von Schotten oder Juden aus, welche gar nicht genug lernen konnten. Während der , Schulbesuch am Lande sich auf 73 Percent der schulpflichtigen Kinder belaufe, in London auf 79, sei das Percent für die jüdische auf 89 anzusetzen, daraus allein könne man auf den Geist des Fortschrittes und die Achtung vor dem Wissen unter den Juden schließen. Nach dem Minister sprach noch Baron Rothschild, und das Fest schlos in animirtester Stimmung. Zwei ehemalige Machirrim, welche in jungen Jahren in ein- und demselben Dachkämmerchen gefastet und in demselben Cheder die Gemarah traclirt habe», begegnen sich nach langer Zeit. Die Freude ist groß, man tauscht gegenseitig alte Erinnerungen aus und gedenkt mit Wehmuth der verflossenen Jugendzeit. »Was seid Ihr ein becho^vedtei׳ Mann geworden, Rabbi Baer", nimmt endlich Rabbi Meyer das Wort. »Wißt Ihr noch, es war gerade gestern vor dreißig Jahren, am Rsther-I'anis, wie Ihr der alten Chaje die Flinsen von der Pfanne heruntergeholt habt, die sie für unfern Rabbi David gebacken hatte, und wie Ihr dann behaupten wolltet, Chaje's Katze hätte es gethau?' »Gewiß-, lachte Rabbi Baer, und strich sich dabei wohlgefällig seinen stattlichen Bart, »Hab' ich sie doch mit Euch redlich getheilt. Es ist mir noch so, als wäre es heute gewesen. Die arme Chaje! Der thut wohl schon lange kein Zahn mehr weh!' »Wie, Chaje ist todt?' gab Meyer zurück. ״Boruch dajan emess, wir haben ihr genug Zores ausgetheilt! Ihr habt Recht, doch lassen wir die Todten ruhen, ein ander Mal mehr davon', erwiderte Baer, »für beute von den Lebendigen. Ihr wißt, nach jener Naisse war mir Rabbi David nie recht grün; er wollte durchaus uicht glauben, dass die Katze die Flinsen gemaust hatte. Ich konnte es ihm nicht verdenken, und habe es ihm längst mochel gewesen. Was war zu thun? Esau ging es schlecht für ein Gericht Linsen, mir für ein Gericht Flinsen. Und da sich die Gemoroh nie recht mit mir befreunden wollte, so gab ich sie auf und fing mit hundert blanken Thalern, die ich mir mit der Zeit ersparte, einen Kleiderhandel an. Gott gab mir Masel und Broehoh und heute bin ich ein gemachter Mann. — Nun aber, erzähle mir, wie es Dir gegangen ist'. — »Mir 7' entgegnete der Gefragte, »was ist da groß zu erzählen? Mir ging es nebbich früher, wie es mir heute geht, und heute geht es mir wie den arbooh bonim de!• Hagadah!״ ״Wie verstehe ich das?' »Ich sage Dir doch, die Gemoroh ist nicht mein Fach!' »Sehr einfach! Wie dem Chochom—ki 10 lachachomim lechem. Der Chochom hat nichts zu beißen noch zu brechen. — Wie dem Roschoh — lovve roschoh welo jeschalem. Der Roschoh versetzt und lässt verfallen. Wie dem Tarn — tain hakessef; bei ihm ist Alles zu haben, nur kein Geld! Und wie dem 8cheenoh jodea lisch01! — Ich weiß nirgend mehr zu fragen, wo man mir Credit geben will. Du kennst also meine Schicksale, ich habe nur noch hinzuzufügen: Rsoch 10, thue Deinen Beutel auf und gib'. — Rabbi Baer, von dieser lakonischen Kürze ergötzt, kam der Aufforderung nach mit den Worten: ״Hättest Du Deine Thorah immer so gut angswandt, wie in diesem Augenblicke, dann wärst Du jetzt reicher als ich; komm nun und sei mein Compagnon; unsere Firma soll einen guten Klang haben, sie heißt: Meyerbaer. (Fortschritt.) Stellenverändenwg. College M. G. A l l e n b e r g ist von Sraßnitz in Mähren nach Gran in Ungarn berufen worden und hat seinen Posten bereits angetreten. (Unsere besten Wünsche. Die Red.) Correspondenz der Nedaetion. Collegen P. in W.. L. in E-, L. in Gy-, L. in Nyir., R. in Gr. Nt., D. in Br., Sch. in R., Fr. in M., Vorsteher U. in Audr., G. in Szegh., L!p. in Gbestätigen dankend die eingesandten Beträge. Gruß. Sch. in R. Sind noch für das l. und 2. Quartal 1384 im Rückstände. Gruß. Löwe ns. in Gy. Sie haben Ihr Abonnement vom 5. Mai bis 10. October beglichen. Gruß. R. in N. Die Firn a G> Singer Trieft empfehlen wir Ihnen bestens. Colleg. Gruß. L. in Tch. Dir Musikbeilage erhalten Sie nachgesendet, aber bezüglich Ihrer Behauptung Md Sie im Jrrthum, denn wir verlangen nur das uns Gebührende. Gruß. L. in E> «Lie haben bis 1. Juli beglichen und sind blos für die Beilagen im Rückstände. Gruß. Fr. in M. Nachdem Sie nicht Vereinsmitglied sind, haben Sie statt 1 st. 25 kr., 1 fl. 50 lr. fammt Beilage zu senden. Sie haben demnach Ihr Abonnement bis 1. April beglichen und wollen Sie noch 50 kr. nachsenden. Gruß. St. in N. Wollen Sie sich vorerst an den Vorstand behufs Aufnähme in den Verein wenden. Gründungsbeitrag beträgt bis 1. Juli 1884 2 fl. Nach dieser Zeit jedoch schon 3 fl. Gruß. Z. in C. Danken für Eingesandtes, erscheint nächstens. Gruß. Die Redaction.