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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-06-06 · Heft 19 (6.6.1884) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 19 (6.6.1884)
Date
1884-06-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— ״Z — Schwung gab, wie er seit dem deutschen Befreiungskriege nicht mehr vorhanden gewesen. Und von wem und was Allem soll der muthrnaßliche Geschichtschreiber des jüdischen Volkes nicht erzählen? Aber jedenfalls ist Heinrich Heine ein Name, der manche Blätter und mit die anziehendsten in diesem Buche füllen müsste. Es wäre von ihm zu reden als von dem größten Lyriker, den das deutsche Volk seit Goethe besessen; als von einem Dichter, der die Nomantik erfüllt und zertrümmert und dem poetischen Schaffen zugleich neue Wege gebahnt; als von einem genialen Sprachkünstler, der das deutsche Volk gelehrt hat, in neuen Zungen zu reden. Sein Einfluss auf die allgemeine Denkungsart müßte neben den Anstößen geschildert werden, welche sein Geist auf den verschiedensten Gebieten des Wissens und Könnens gegeben. Und neben der Rolle, die er als Deutscher und für die Deutschen gespielt, wäre noch eine zweite zu verzeichnen, nämlich: die Glorie und die Geißel feiner engeren Landsleute gewesen zu sein. HedenVurg. Anlässlich des Besuches Sr. Majestät des Kaisers in unserer Stadt, wurden der katholische Clerus und auch die Vertreter der israelitischen Gemeinde in Audienz empfangen. Von Bedeutung ist das kaiserliche Wort, welches bei dieser Gelegenheit an die beiden Deputationen gerichtet wurde: An den katholischen Clerus: »Nachdem Mich die Vornahme eines religiösen Actes in einer wohlthätigen Erziehungsanstalt hiehergeführt hat, empfange Ich mit Freuden in erster Reihe die Diener Unserer heiligen Religion, und von Ihrer Treue überzeugt, versichere ich Sie, dass es Mir stets zur Freude gereichen wird, wenn Sie durch eifrige Erfüllung Ihres Berufes dahin wirken, dass die religiöse Moral und das Wohlthätigkeitsgefühl, sowie auch der Friede und die brüderliche Einigkeit in der Bevölkerung befördert und gepflegt werden.* An die israelitische.Gemeinde: »Seien Sie versichert, dass sich Meine königliche Gnade und Mein Schutz auf alle Classen Meiner Völker ohne Unterschied der Confession ausdehnt, und indem Ich den Ausdruck Ihrer treuen Anhänglichkeit gnädig annehme, wünsche und erwarte Ich ebenso aufrichtig, dass der Friede, die Brüderlichkeit und Eintracht in Ihrem Kreise stets aufrecht erhalten bleibe, und dass auch Ihre Glaubensgenossen die Früchte ihres Fleißes mit den durch die Gesetze gewährleisteten Rechten ungestört genießen ׳können.* Mefl, 25. Mai. (Karl Eölvös über den Antisemitismus.) In feiner gestrigen Candidatenrede in der Etisabethftadt sprach sich Karl Eölvös abermalsüber den Antisemitismns aus und äußerte sich folgendermaßen: Heutzutage ist eine eigenthümliche Geistesströmung oder Leidenfchaftsströmung in Mode, die man Antisemitismns nennt. Ich will die Frage nur berühren, viel spreche ich von ihr nicht, denn wir, die wir h^er sind, wir kennen sie nicht. Ich wäre vielleicht competent, über diese Frage zu sprechen. So viel will ich sagen, dass hinsichtlich dieser eigenthümlichen Erscheinung ich selbst lange in einer Täuschung befangen war. Ich glaubte, dass der Antisemitismus in der That das sei und nichts Anderes. Ich glaubte, dass, wenn einige Apostel unseres Volkes, die aber eben von diesem nicht als Apostel anerkannt werden, verkünden: »Haut den Juden!", dass sie in der That nichts Anderes wollen, als dass die Juden gehauen werden. Ich glaubte, dass, indem sie die Leidenschaften des Volkes aufstacheln, die Helden des Antisemitismus dies Einemal aufrichtig vor dem Volke erscheinen und in der That Antisemitismus verkünden. Indes, die Sache verhält sich nicht so. Und wer dies glaubte, täuschte sich, wie anfangs ich. In jenem Antisemitismus liegt ein Haufe Socialismus (So ist es), Agitation gegen das Capital, das Resultat der Arbeit — im Auslande nennt man das nicht Antisemitismus, sondern man nennt das Kind bei seinem Namen. Wenn die Apostel bei uns in der Somogy, und weiß ich sonst wo, damit aufträten, daß sie das Capital angriffeu, dann könnten unsere Magnaten, unsere Bischöfe leicht merken, daß hier-eigentlich nicht der Jude bedroht sei, sondern sie selbst, denn das Capital, namentlich das todte, besindet sich eigent׳ lich mehr in ihren Händen. Unter dem Titel Antisemitismus wird nicht für jene unglücklichen Antisemiten etwas im Lande vorbereitet, sondern für die Anhänger des Confessionalismus: die Sicherung der einen oder anderen Kirche, die Reaction, die Beschueidung gewisser Bürgerrechte. Würden die Betreffenden dies jedoch aufrichtig sagen, so würden ich, der ich z. B. Protestant bin, und mit mir die Anhänger der in Minderheit besindlichen Confessionen sehen, um was es sich handelt, und sie würden sagen: Halt, das darf nicht sein, denn dies ist nicht allein ein unpatriotisches, nicht allein ein unmenschliches, sondern auch ein gottloses Streben. (Lebhafte Zustimmung.) Nicht jeder ist ein Antisemit, der da ruft: ״Haut den Juden!" er will etwas Anderes. Das wahre ist die conservative, ultramontane, reactionäre Strömung. Der Antisemitismus ist nichts Anderes als blinder Lärm. Und es wird gut sein, wenn unsere christlichen und jüdischen Mitbürger dies gleichmäßig erkennen werden. Dies ist die eine Frage, die im nächsten Reichstage austreten dürfte, nicht in der Gestalt des Antisemitismus, sondern in anderer Form, als Agrarismus, als Frage der öffentlichen Fundationen in Form von Adelsrechten. Allein auftauchen wird sie, denn dies ist nichts als Kniff, aber nicht die Wahrheit selbst. Hkakawaz. Der Lurch den Tisza-Eszlarer Prozeß bekannte Antisemit R e tschki hat sich jetzt wieder berühmt gemacht. Angeblich soll man demselben 2 Decken gestohlen haben. Natürlich kann nur ein Jude deren Hehler sein, demzufolge lies Retschki einen braven armen Juden in Tokai verhaften und zu sich nach seiner Residenz in Nagyfalu bringen. Daselbst angelangt, versetzte der dortige Gendarm dem fast zum Tode erschrockenen Juden nicht weniger als 5 tüchtige Ohrfeigen, dann wurden die berüchtigten Daum- und Handschrauben angewendet, um vom Juden denn doch ein Geständnis zu erpressen. Nachdem der Jude von 6 Uhr Abends bis 12 Uhr Mittags die ״Gastfreundschaft" genossen, wurde er von diesem gnädiglich davon gejagt. — Wie viele Gesetzwidrigkeiten enthält diese kurze Notiz! Rakamaz gehört zum Czabolzer und Tokai zum Zempliner Comitat. Das Stuhlrichteramt in Wentschele, wohin Nakamaz als politische Behörde gehört, dann das Stuhlrichteramt in Tokai wurde von diesem Vorgänge nicht verständigt. Endlich die Folter! — Und ein solches Individuum wagt es noch, eine Rolle zu spielen. Aviso! Vor Abschluss des II. Quartals ersuchen wir unsere geeh.rlen Herren Abonnenten, ihre Rückstände für Pränumeration des Blattes, sowie für Bestellung von Inseraten ehestens zu vegleichen. . Die Redaction. Correspondenz der Nedactiorr. College!! Schl, in CH., G. in Kl-, N. in L., I. in K., St. in W-, R. in N. Ab., A. in M. H. bestätigen dankend die eingesandten Beträge. Grnß. G. in Kl. Der Vereinsbeitrag ist an den Vereinscassier Herr Cantor Fischer I-, Seitenstettengaffe 4 zu senden. R. in N. A. Sie erhalten demnächst die gewünschten Exemplare. L. in Schw. Sie sind noch für das laufende Quartal im Rückstände- Gruß. - Sch. in P. Besten Dank für die Hagada. Gruß. F. in P. Bewußte Gemeinde ist zwar sehr klein aber ziemlich einträglich. Wenn möglich, bleiben Sie in Ihrer Stellung. Gruß. Die geehrten Herren Abonnenten in Rußland können den Abonnementsbetrag auch in Rubel einsenden. Die Redaction.

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