Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-05-13 · Heft 16 (13.5.1884) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 16 (13.5.1884)
Date
1884-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/1304829-3452960-3452976--0995-3455088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Oesterreichisch-ungarische f 1 Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Vereines ohne Musikbeilage Viertels. . st. 1.— mit Musikbeil Viertels, st. 1.25 für Nichtniitglieder in Oesterr.» Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.35 mit Musikbeil. Viertels, fl. 1.50 für Abonnenten im Auslände o. Musikbeil. Viertels, fl. 1.50 mit Musikbeil. Viertels, fl. 1.75 V_> O r gan kür die GesMmt-IutmZZm jüdischer Catitnreti Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Ictkoö Mcruev. f ^|edaeüon Administration Wien, II., Novarcigasse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 16 Wien, 13. Mai 1884. 4. Jahrgang. lU’biT ״Entwickelung des Synagogen- Gelanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XIII. Der IW rhodos Seite 16 ist die allererste Composition, bei welcher Sulzer nicht an Gegebenes anzuknüpfen brauchte, sondern sangeskühn und ungefesselt all die herrlichen Töne erbrausen lassen konnte, die in seinem Busen ruhten. — Und wie erklingen sie! — Wir lauchten schon bei einer ähnlichen Com- Position Schubert's unsere Feder in Poesie, um den Reiz zu kennzeichnen, der uns erjriillt beim Durchlesen und Anhören dieser Nummer und fühlen uns verpflichtet, dasselbe auch hierbei zu versuchen; denn ein Perlenglanz der im hellsten Sonnenlichte erstrahlenden Wassertropfen einer Fontaine sprübt und zisch! um uns her und benetz! und kühlt die heiße Wange, indem wir bas tow Thodos der ersten zwei Tacie erklingen bören; wir vermeiucn, den Jubelrns der gefiederten Bewohner der Lüfte zu vernehlnen bei der Te.rtstelle ulssaimnsi׳ Issshimsoho sljori — wie mächtig erbraust das Preislied himmelwärts bei ale 0801׳ wa’Ie nowel und Harfentöne, beseligend und begeisternd, durchziehen den Raum bei ale higojon b'chinor —; der Jubelrausch verklingt und dcbmüthig neigen sich die Wipfel der Bäume mir uns zu Boden, indem wir das hi simaohtani adonoj b'foolecho an hören — allein schon nach kurzer Pause erwacht wieder Alles um uns her; die Bäume bewegen sich und ächzen, vom mächtigen Gotteshauche umbraust, als wollten sie im Sturmesrausche der ganzen Welt zurufen arariusu arauusu!! — Doch bas Musikgesetz? — Die Negel vom Tonsetzen? — Die Strenge eines philiströsen conlrapunktistischen Gewissens müßte sich, angesichts dieser überschäumenden Genialität scheu hinter Augenglas und Schnupftabakdose verkriechen — oder wenn sie ehrlich ist, der ganzen Welt offen erklären, dass solch' holde Gaben, welche Sulzer uns in diesen Compositionen darceicht, nimmer aus ,Anleitung zum Componireu re.' erlernt werden können; — allein sachte nur! — Auch dem Musikgesetze ist in des Wortes edelster Bedeutung Rechnung getragen. Nach dem Eingangs durch 16 Tacte einfach aber interessant sich fortbewegenden Chorsatze tritt schon im 17. Tacte eine Nachahmung der Sopranfigur durch den Tenor und somit eine wirklich reizende Tonmalerei auch für den Gedanken als osor wa’le nowel, der noch durch das orgelpunktartige Festhalten des 0 im Basse wesentlich an Deutlichkeit gewinnt. — Der unvorbereitete Uebergang von C nach dem II-dur-Drciklange bei iv'smuuo, die Modulation nach F-dur bei als 0801׳ — die plötzliche, äußerst wirkungsvolle Rückkehr nach der Original-Tonart bei als higgojon mit kräftigen Tönen, wie das stimmungsvolle Auftreten des piano bei ki simachtani mit der beinahe nur angedeuteten Ausweichung nach O-moll bei b'kbolssho — die leichte und bequem sangliche Stimmiührung der ganzen Nummer wie die dramatisch-lebendige Bewegung in allen Stimmen bei arauusn und der pompöse Schluss mit der Oberterz in Sopran und verdoppeltem Grundton in Tenor und Baß — zeigen diese Borkommniße etwa nicht zur Genüge, dass Sulzer schon damals alle musiktechnischen und mnsikgesetzmäßigen Hilfsmittel und Paragraphe, dem besten Musiker gleich, beherrschte? — Nock eins! — Man macht Sulzer den Borwurf, er habe bei seinen Compositionen der Melodie stets den Voranlrit! gelassen, und wir sind der Meinung, man sollte gerade diese Bestrebung Sulzers bochhalten und nicht zu Gemeinplätzen greifen, indem man an seiner Genialität durch den pbrasenbafken Borwurf zu rütteln versucht: ,Die Braut ist zu schön". — Ja die Melodie! — Das ist ^Sulzers Ideal, und an dem Bestreben dieselbe zu pflegen, begreifen wcr leine hohe Bedeutung. — Ebenfalls ein Erziehungsmoment! — Sulzer schrieb ja. für eine Nation, welcher er — wie es bei Kindern üblich — das ihr durch Gewohnheit lieb gewordene, aber durch Zeit und Verhältniße etwas angeschwärzte Gefäß entziehen mußte, um, allerdings dieselbe Nahrung, aber im hellblinkenden Goldpokale zu verabreichen. — Deshalb können wir uns das Bild des componirenden Sulzer nicht etwa als eine an's Schreibpult c^e* fesselte, abgespannte Gestalt mit Stift und Nadirgummi bewaffner, vorstellen, unablässig bemüht, Note gegen Note abzu׳ wiegen, Punkt gegen Punkt zu setzen, Bortragszeichen als Deckmantel für Phantasielosigkeit und unharmonische Wendungen als Nothsignale für Melodienarmuth anzubringen. Nein, Nein! Hiezu eine Musik-Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.