Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 15 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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von seinen früheren Glaubensgenossen überfallen und mit Steinen beworfen, bei welcher Gelegenheit auch andere Bürger getroffen wurden; es kam zu einer Schlägerei, wobei die christlichen Theilnehmer wegen der überwiegenden Anzahl der Israeliten, zur Flu^t genöthigt wurden. Am andern Tage begannen sich nach der Andacht auf dem Ringplatze Bauern und christliche Stadtbewohner zu versammeln und ihr geheimnisvolles Flüstern wies auf etwas Gefährliches hin. Während dessen beschuldigte ein Krämer einen Bauern, dass er bei ihm aus dem Gewölbe einen Hut gestohlen hat. Man fing den Bauer und begann selbstständig Gerechtigkeit auszuüben. Das war für die aufgebrachten Bauern ein genügendes Zeichen zur Schlägerei, welche auch rasend sich auf die Juden losstürzten. Die Juden sperrten in einem Augenblicke alle Gewölbe und flohen aus der Stadt, aber trotzdem schlug man ihnen die Fenster ein, erbrach die Thüren, und verstümmelte einige Juden, und wer weiß wie lange eS gedauert hätte, wäre nicht die dortige Gendarmerie zur rechten Zeit angekommen und Ordnung hergestellt. Man arretirte einige wenige Schuldige, welche man noch denselben Tag frei liess. Die Hauptthäter aber entflohen. — Die Untersuchung ist im Gange. (Drohob. Ztg.) Wetersöurg. Die deutsche Petersburger Zeitung berichtet, dass die Juden-Commission einen Theil ihres Programmes erledigte, nämlich die Sammlung aller in Groß-Rußland, Klein-Rußland und Litthauen erlassenen Gesetze über die Juden aus dem 17. und 18. Jahrhundert; nunmehr werden die Gesetzbeftimmungen Rußlands und der übrigen Länder Eurvpa'S zusammengeftellt werden. Den dritten Theil des Programmes bilden dann die Beleuchtung und Begutachtung des gesummten Materials und die Motivirung der anzuempfehlenden Maßregeln. In Zsmran (Rußland) verschwand ein zwölfjähriger christlicher Knabe. Bald war in der ganzen Stadtgas Gerücht verbreitet, die Juden hätten den Knaben geraubt, um sein Blut zu den Mazot zu verwenden, die Aufregung der Bevölkerung, sowie die Angst der Juden kann man sich leicht vorstellen. Zum Glück wurde der Knabe von einem Verwandten in Vilna zufällig gesehen und in sein Eltern- Haus zurückgeführt. Er hatte sich aus dem Elternbause entfernt, um den grausamen Mißhandlungen seiner Stiefmutter zu entgehen. — Eine ähnliche Geschichte trug sich in Komotau in Böhmen zu. Dort verbreitete sich das Gerücht, dass der jüdische Pächter der Tabak-Großtrafik ein vermißtes Christenmädchen in sei.nsn Laden gelockt und daselbst geschlachtet habe. Nur mit großer Mühe war es gelungen, den gegen die Juden aufgebrachten Pöbel zu besänftigen und von Gewaltthätigkeiten abzuhalten. Madrid. Nach und Uach wird man auch in Spanien duldsamer gegen die jüdische Religion. Seit -Anfangs dieses Jahres ist den Israeliten ein Platz im Schlachthause zu Madrid zum rituellen Schlachten des Viehes angewiesen worden. Es sind Aussichten vor- Händen, dass nächstens ein jüdisches Hotel oder wenigstens eine jüdische Restauration eröffnet werde. Auf dem Boden, wo so viel jüdisches Blut durch die Inquisition vergossen wurde, ist auch das als angenehmer Fortschritt der Zeit zu bezeichnen. HesterreiHifche Länderöank. Der Rechnungsabschluß der Oesterreichischeu Länderbank liegt nun für das Jahr 1883 vor und entnehmen wir aus demselben die nachstehenden Daten: Der Bruttogewinn beziffert sich auf 4,081.552 fl. (gegen 4,434.092 fl. im Jahre 1882) und der Nettoüberschuß auf 2,921.721 fl. (gegen 3,240.261 fl. im vorhergegangenen Jahre). Die Details des Gewinn- und Verlust-ConLo sind folgende: Haben: Gewinnvortrag 36.324 fl., Zinsen 2,934.336 fl., Provision 429.471 fl.. Gewinn an Devisen und Valuten 19.811 fl., Gewinn an Consor-;ialgeschäften 661.610 fl. Soll: Gehalte 346 722 fl.. Spesen 250.871 fl., Verlust an Effecten 140.158 fl., Steuern und Gebühren 374.032 fl. Abschreibung vom Inventar 1262 fl., Abschreibung von Dubiosen 47.087 fl. Das Bilanz-Conto zeigt an Activen: Baarbeftände 2,739.255 fl., Wechsel 9.543.958 fl., Effecten 7,421.189 Gulden, Inventar 11.354 fl., Bankgebäude 721.183 fl., Einzahlungen auf Consortialgeschäfte 16,131.083 Gulden, Vorschüsse auf Effecten 1,471.200 fl., Debitoren 45,100.290 fl., insgesammt 83.139.513 fl. Passiva: Actiencapital 46,825.000 fl., . Actieucapital-Goldagio-Reserve 1,225.000 fl., außerordentlicher Reservefonds 6,329.700 fl., ordentlicher Reserve" fonds 155,799 fl., Tratten 11,671.599 fl., verzinsliche Ein' lagen 849.636 Gulden., unbehobene Dividenden 41.561 fl., Pensionsfonü 33.622 fl., Creditoren 18,086.174 fl., Gewinn per Saldo 2,921.421 fl. Was die Effectenbestände der Bank anbelangt, so bestehen dieselben aus: Staats- und öffentlichen Anlehen 3,067.529 fl., Prioritäten fl. 1,548.814 fl., Bankactien 1,657.744 fl., Transportactien 647.355 fl., Jndnstcie- und diversen anderen Actien 499.747 flt Der Eigenbesitz der Länder׳ bank an alpinen Actien ist auf einen Curswerth von 60.602 fl. zusammengeschmolzen, während die Bilanz für das Jahr 1882 einen Besitz an diesen Actien im Betrage von 2,074.400 ausgewiesen hatte. Indessen sind diese Actien nicht realisirt, sondern einem Syndicat einverleibt worden, an welchem neben der Länderbank auch die Anglo- und Unionbank, sowie deutsche Institute beiheiligt sind. Aviso! Wie wir schon zu wiederholten Malen an dieser Stelle hervorgehoben haben, geschieht die Einsendung des gewiß geringen Pränumerationsbetrages von Seite zahlreicher Abonnenten mit solcher Lässigkeit und Uupünktlichkeit, und häufen sich die Rückstände in einer solchen Höhe auf, dass wir uns, wenn die diesmalige Aufforderung abermals nicht fruchten sollte, in Anbetracht dieser Rücksichtslosigkeit gegenüber einem Blatte, dem die Calitoren gewiss Vieles zu verdanken haben, zu strengeren Massregeln werden veranlaßt sehen müssen. Die Redaction. Corvespondenz der Nedaction. Collegen L. in Ma., S. in N., M. in Gr. W-, B. in A., Gr. in Kr., Schin R-, Bin K-, Sch. in T-, L. in Br., M. in Rozd., K. in Los., S. in Stet., R. in N. Mi n G r. W. Vorläufig nichts Paffendes in Aussicht. Gruß. R. i n N. Eingesandtes erhalten, herzlichen Dank. Gruß. L. in B. Herzlichen Dank für Ihre besondere Liebenswürdigkeit. Es gereicht uns zu großer Freude, daß unser Fachblatt von den Collegen in der Schweiz so sympathisch ausgenommen wurde und sich daselbst so rasch eingebürgert hat. Gruß. L. i n B r. Ihre Rechnung stimmt. G. in Nikol. Wir bedauern einen solchen Vorgang von unberufener Seite. Sie und auch wir werden uns jedoch in unseren Bestrebungen nicht stören laffen. Gruß. Die Redaction. Mit Rücksicht darauf, dass im vorigen Monate keine Musikbeiiage erschienen ist, werden wir der nächsten Hummer eine doppelte Beilage beisch/iessen. Dieselbe wird Piecen für das herannahende Schewuoih-Fest enthalten und darum unseren geehrten Herren Abonnenten gewiss willkommen sein.