Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 15 (5.5.1884)
- Date
- 1884-05-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3452960-3452975--0991-3455083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Land Zahl der Juden Auf 1000 Einw. 1. Victoria 4.330 2 2. Neu-Süd-Wales 2.400 2 3. Neu-Sceland 1.536 2 4. Süd-Australien 541 2 5. Queensland 457 5 6. Tasmania 232 3 7. West-Australien 62 4 V. Australien: c. 10.000 I. Europa 6,475.000 II. Amerika 256.000 DI. Asien 235.000 IV. Afrika 222.000 V. Australien 10.000 Die 5 Erdtheile zus.: 7,198.000 Man kann daher die Anzahl der Juden auf der Erde mit Einschluß derjenigen, über welche keine Angaben vorliegen, auf etwa 772 Millionen beziffern. (Jüd. Presse.) Veremsnachrichten. Seine Hochwohlgeboren Herr Wilhelm Ritter v. Frankfurter hat dem österr.-ungar. Cantorenvereine eine Spende von Einhundert Gulden ö. W. und Seine Hochwohlgeboren Herr Commercienrath Julius Reitlinger eine Spende von Einhundert und fünfzig Gulden ö. W. gewidmet. Indem wir dies den geehrten Mitgliedern unseres Vereines zur Kenntnis bringen, statten wir zugleich im Namen derselben den hochherzigen Spendern unseren tiefgefühlten Dank ab. Das Comits, welches vom Vorstande mit der Heranziehung hochherziger Gönner für den österr.-ungar. Cantorenverein betraut wurde, hat außerdem von mehreren Seiten freundliche Zusicherungen erhalten, und werden wir baldigst wieder in der Lage sein, einen weiteren Zuwachs des Vereinsfondes constatiren zu können. Wien, am 5. Mai 1884. Z>er Vorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. Kleine Chronik. Wien, 5. Mai 1884. (Orig.-Corr.) Bei der gestern in Folge des Ablebens des früheren Präses der israel. Cultusgemeinde, Herrn Dr. Ignaz K u r a n d a, vorgenommenen Constituirung des Vorstandes wurden der bisherige Vicepräsident Herr Moriz Ritter von Borkenau zum Präsidenten, Herr kais. Rath Arminio Kohn zum Vicepräsidenten und Herr Regierungsrath Dr. Angelo v. K u h zum Obmann der Cliewra Kadischa gewählt. Gestern fand im israel. Blindeninstitute in Döbling in An- Wesenheit des Vertreters der Regierung Hofrath Ullrich, des Bürgermeister-Stellvertreters Dr. Prix, des Baron Königswarter, des Gemeinderathes Gustav Simon, des Generaldireetors Tausky von der österr. Boden creditau statt, deS k.iis. Rathes Dr. Wölfl er, der Patroneffinnen und zahlreicher geladener Gäste die Prüfung der Zöglinge dieses Institutes statt. Die Feier wurde mit einem Präludium, welches von einem Zöglinge des Institutes gespielt wurde, und der Absingung des Psalmes 100 von Lewandofsky eröffnet. Beide Productionen, welche von Herrn Obercantor I. Singer, als dem Musiki und Gesangslehrer der Anstalt, geleitet wurden, machten auf die Anwesenden einen wahrhaft rührenden Eindruck, und es gab Keinen unter den Gästen, der sich der Thränen enthalten konnte. Hierauf wurde von dem Herrn Director H e l l er die Prüfung in den einzelnen Gegenständen, biblische Geschichte", deutsche Sprache, Rechnen, Stylübungen, Typendruck rc. vorgenommen und die Erfolge, welche hiebei zum Vorschein kamen, sind wirklich bedeutende zu nennen. Herr Director Heller, Herr Obercantor Singer sowie der gesammte Lehrkörper verdienen für ihr edles und ersprießliches Wirken die vollste Anerkennung, die ihnen auch allseits zu Theil wurde, Nachdem noch als Schlussgesang ein Lied von Mendelssohn und die Volkshymne gesungen wurde, hielt Hofrath Ullrich eine warme Ansprache, in welcher er hervorhob, dass diese Anstalt nicht nur den edlen Gründern derselben und dem Humanitätssinne der Wiener Cultusgemeinde zu großer Ehre gereiche, sondern dass sie auch eine wahre Zierde der gesauunten Monarchie genannt werden könne. Wie». Eine sehr hübsche Aneedote wird von dem jüngst verstorbenen Director Anton Ascher erzählt, die wir hier wiedergeben; Ascher weilre im vorigen Sommer in Ischl, seinem liebsten Sommeraufenthalte, und debattirte jeden Morgen mit dem Abgeordneten Pazmand über den Tisza-Eßlarer Proeeß. Eines schönen Morgens entwaffnete er den ungarischen Abgeordneten mit einer lustigen selbsterdachten Anecdote: ,Sie', sagte er, ,da war ich Heuer zu Ostern bei der Baronin K. zu Tische geladen. Man erwartete mich um so bestimmter, als ich seit Jahren die erste Osternacht im Freiherrlichen Hause verbracht hatte. Doch diesmal schrieb ich ab und zwar mit der Motivirung: Ich kann Heuer nicht erscheinen, da ich mich zu Ostern bereits mit einem eigenen Christenmädchen versorgt habe. Ein Helles Lachen folgte der Erzählung. »Sehen.Sie', nahm Ascher wieder das׳ Wort, ,wenn dieses scherzhafte Schreiben heute in die Hände des Untersuchungsrichters Vary gelangt, so legt er es als ^eweismaterial gegen die Juden von Tisza-Eszlar vor'. Krakau. Eine hiesige Zeitung enthält ein Document, bestehend in einem Berichte des Warschauer Gouverneurs nach Petersburg bezüglich der erforderlichen Mittel zur Reform der geistigen Ausbildung, respective vollständiger Russificirung der jüdischen Bevölkerung in Congreß-Polen. In diesem Berichte wird zunächst der stete Kampf zwischen den Orthodoxen- und den Fortschrittsjuden geschildert und die fortschrittliche Partei als jene Partei im Judentum«: Russisch-Polens und Galizien dargestellt, die nach Assimilirung mit den Polen behufs gänzlicher Polonisirung sämmtlicher Juden strebt, und deshalb dem ruffischen Elemente feindlich sei. Der Bericht sagt: »Die jüdische Fortschrittspartei ist zwisch en zwei Feuern, entweder muss sie offen sich für die Regierung erklären und die Umgestaltung der polnischen Juden in treue Unterthanen anstreben, oder der nationalen polnischen Partei huldigen, im Sinne der polnischen Ideale wirken, und so den sprichwörtlichen Typus einer ,Polen mosaischer Religion" repräsentiren. Leider ist Letzteres der Fall. Der Bericht schildert die regierungsfeindliche Haltung der aufgeklärten Juden im Ausstande von 1861 und sagt, so lange die polnische Intelligenz dem russischen Staatssystem feindlich gesinnt sei, so lange die jüdische Fortschrittspartei sich mit dieser polnischen Intelligenz zu verschmelzen strebe, müsse die׳ ruffische Regierung im eigenen Interesse die orthodoxen und eonservativen Juden im Kampfe mit den Aufgeklärten kräftigst unterstützen, um die Polonisirungs-Bestrebungen der Letzteren zu verhüten. In Wrzeworsk kam es während der verflossenen christlichen Osterfeiertage zu antisemitischen Ausschreitungen; ein junger Neophyt, welcher sicherst vor Kurzem-taufen ließ, wurde Sonntag den 13. v. M..