Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 14 (27.4.1884)
- Date
- 1884-04-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3452960-3452974--0983-3455074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gott ist ihm ein erhabener, hoher Geist; die Seele, der gute Name, der den Menschen belebt! Er glaubt nur, was er versteht und was zeitgemäß ist. (Hameliz.) Die jüdischen Katakomben in Rom. — Es ist gewiß seltsam, dass diese etwa seit einem Jahrzehnt erschlossenen, ebenso merkwürdigen als räthselhasten Grabstätten bisher der hochverdienten Beachtung elitgailgen sind. Nur einige neuere Reisehandbücher erwähnen derselben ganz flüchtig und erst jetzt ist es, wie wir erfahren, im Zuge, eine diesbezügliche Monographie erscheinen zu lassen. Jnzwischen fand sich eines der eifrigsten Vorstandsmitglieder der Wiener Allianz angeregt, ungeachtet eines nur sehr kurzen Aufenthaltes in Nom und seines ersten Betretens der ewigen Stadt, aus diesen, für die jüdische Geschichte so wichtigen archäologischen Fund näher einzugehen, und stundenlang in den sogenannten jüdischen Katakomben zu verweilen. Eben aus Rom zurückgekehrt, hat er uns so viel des Interessanten über seine diesfälligen Wahrnehmungen erzählt, dass wir uns die Erlaubnis erbaten, Einiges in unserem Gedächtnisse Zurückgebliebenes hier mitzutheilen, indem wir uns Vorbehalten, bei dem demnächst zu erwartenden Erscheinen der erwähnten Monographie ans diesen Gegenstand ausführlicher zurückzukommen. Die jüdischen Katakomben besinden sich auf der via ^.ppia, unweit der sogenannten Calixtus-Katakomben, und dehnen sich über eine weite Strecke aus. Den Eingang bezeichnet ein ziemlich wohlerhaltener jüdischer Tempel mit einem Altar, der dem Tbieropserdienst geweiht scheint. Die Grabstätten sind nach Art der palästinensischen Gräberfunde in die Steinwände geschoben, und sollen, nach der freilich unverbürgten Angabe des Führers, den Zeitraum vom zweiten bis sechzehnten Jahrhundert unserer gegenwärtigen Zeitrechnung umfassen. Es ist gewiß sehr merkwürdig, dass die Grabschriften theils in lateinischer, theils in griechischer Sprache abgefaßt sind, während auch nicht Eine, hebräische Schristzeichen trägt. Dafür sprechen wohl andere Kennzeichen hinlänglich, daß man es hier mit jüdischen Gräbern zu thun hat. Dem alttestamentarischen Namen der Verstorbenen ist häufig der Vateruame mit der hebräischen Bezeichnung des Ben hinzugefügt. Auf sehr vielen Gräbern findet sich die Abbildung des siebeuarmigen Leuchters, ganz wie er am Titusbogen ausgenommen ist; auf mehreren anderen ist ein Hammer ausgezeichnet, was mözlicherweise auf die Eigenschaft eines Freigelassenen zu deuten wäre, dem nach biblischer Vorschrift das Zeichen, der Freiheit dadurch aufzudrückrn war, dass sein Herr ihm mit einem Hammer einen Nagel in's Ohr schlug. Andere Gräb.r tragen die Abbildung eines Bockes oder Stieres, oder auch ׳ von Ochsenhöruern, und vielleicht sollten hierdurch die zum Opferdienste berufenen Priester und Leviten bezeichnet sein, da die diesfalls bei unseren Gräbern vorkommenden Embleme der verschlungenen Hände und des Becher.s nirgends vorkommen. Einzelnen reichen Familien sind gewölbte Grabkammern gewidmet, deren eine an der Decke die Abbildung einer Abundantia, andere mythologische Darstellungen, wie man sie in Pompeji findet, schmücken. Die erwartete Monographie dürfte diese vorläufigen Mittheilungen vielfach ergänzen und erläutern. Als Pendant sei noch erwähnt, daß die noch viel zu wenig gewürdigten neapolitanischen Katakomben unter zahlreichen Grabsteinen auch mehrere mit hebräischen Inschriften enthalten, mit welchen die gelehrten Beschreiber eben gedachter Katakomben. Jorie und Belärm in, jedoch nichts anzufangen wußten. Zur Judenfrage in Rußland. Wenn unsere Volksfreunde sich mit Recht - über die Trunksucht der Bauern beklagen, so wird gewohnlich nicht ermangelt darauf hinzuweisen, dass diese Corruption von den jüdischen Schänkern ausgehe. Der Nachdruck wird auf die Juden, nicht auf die Schänker gelegt. Die Richtigkeit und Berechtigkeit dieses banalen Vorwurfes wird in einer zu Petersburg erschienenen Broschüre ,Zur Judenfrage in Rußland" gar treffend illustrirt. Es werden dort nämlich interessante Daten über die grenzenlose Trunksucht angegeben, welche unter dem russischen Landvolke gerade in solchen Gegenden grassirt, wo der Fuß eines Juden nicht hinkommen darf. Alle Kunstgriffe und Betrügereien werden angegeben, deren sich die Eigenthümer der Brandweinbrennereien, die Schänker und Propinatoren, lauter gute Christen, bedienen, um sämmtliche Maßregeln der Regierung, den Suff einzuschränken, zunichte zu machen und daS Landvolk auf haarsträubende Weise zu exploitiren. Die schwarze» Jude» in Indien. Zum erstenmal wurde eine jüdische Indianerin Maria Samuel Perry bei der Universität zu Bombei immatriculirt. Zwei jüdische Jünglinge erhielten den Grad der Auszeichnung im Lateinischen, und drei im Hebräischen; wenn man bedenkt, in welchem Zustande der Unwissenheit die eingeborenen Juden sich noch vor kurzer Zeit befanden, kann dieses nur Befriedigung verursachen. Auch das beweist den Fortschritt, dass drei jüdische Blätter in diesem Lande erscheinen, nämlich: ״The jewish Gazete“ wöchentlich herausgegeben in Calcutta, ״The Lamp of Judaism“, alle 14 Tage, und dann ein 14tägiges Blatt ״Tim Israel“ in Bomber, sie enthalten die gewöhnlichen Zeitungsartikel, hauptsächlich ethischen Inhaltes. Diese Journale regen besonders die Jugend zur Bildung an. Stellenveränderungen. College I. L ö w e n s o b n, bisher in Brüx, wurde in Prag, Zigeuner Synagoge, engagirt. College Lederer wurde von Kaunowa nach Schwarz- Kostelez in Böhmen berufen. (Beiden Collegen unsere herzlichste Gratulation zu ihrem Amtsantritte. Die Ned.) Gründungs- und Vereinsbeiträge. H. Bermann. B.-Leipa, halbj. Beitr.; A. Krämer, Freudenthal, Schlesien, ganzj. Beitrag; A. Wodak, Göding, vierteljähr. Beitrag; M. Schlesinger, Ottakring, halbjähr. Beitrag; Jos. Steiner, Groß- Meserirsch, ganzj. Beitrag; S. Rosenberger, Komotau, vierteljährigen Beitrag; I. Weiß. Tobitschau, halbj. Beitrag; L. Blum, Schlau, Viertels. Beitrag; G. Löwenthal, Wölkersdorf, vierteljähr. Beitrag; I. Salier, Breitenbrnnn, vierteljähr. Beitrag; D. L. Notter, Wien, halbj. Beitrag; S. Singer, (Leopoldst.) Wien, halbjährigen Beitrag; D. Engel, Kövago-Eörs, halbjährigen Beitrag. Korrespondenz der Nedaction. Collegen B. in A., R. in Pod., R. in H.. S. in N., Schw. in P., H. in W., All. in Str.. Bl. in Kr., Schl, in E., B. in T-. Eug. in K.-Oe., Gr. in I., K. in Pr., R. in K.. L. in Br-, Sch. in R-, Gr. in Ir. bestätigen dankend die eingesandten Beträge. Gruß. B. in A. Ihr Abonnement haben Sie bis 1. Juli beglichen. Kl. in Olm-, K. in Hlin. Bezüglich Ihrer Aufnahme in den Verein haben wir das Nöthige veranlasst und wurde dieselbe in der letzten Vorstandssitzung bewilligt. Gruß. Led. in K. Nachdem Sie vorläufig der Einzige mit der Spende für Wtw. B. sind, muffen wir noch mit der eventuellen Veröffentlichung abwarten. Gruß. So. in T. Wir sandten das Blatt an Sie ab und erwarten Ihren zugesagten Bericht. Sp. in G.-B. Gesandten Betrag bestätigend, danken für die Mittheilung, welche jedoch für jetzt nutzlos ist. Fi. in Clnm. Wir wünschen Ihnen viel Glück in Ihrer neuen Stellung. Gruß. H. in T. Wir haben das von Ihnen bestellte Inserat mit 2 Gulden berechnet. I. H. Kin Z. Herr Sch. wohnt I., Seitenstettengaffe 4. Wir danken für die Freundlichkeit und haben die Expedition der Blatter veranstaltet. Colleg. Gruß. I. St. in Gr.-M. Das Vereinsjahr beginnt immer mit 1. Juli. Gruß, Die Redaction.