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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-04-27 · Heft 14 (27.4.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 14 (27.4.1884)
Date
1884-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische f= Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Äereines ohne Musikbeilage viertelj. . si. 1.— mit Musikbeil viertelj. ff. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.» Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten rnr Auslands o. Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 _ )> Organ Ar die Gesammt-Interessen jüdischer Gautnreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercanlor Icrk.oö Wcruev. ^tdae&m und Administration W i e n, | II., Ziovaragasse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 14 Wien, 27. April 1884. 4. Jahrgang. Uebrr ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XI. ׳ Sein erster I/cho. ..dodi .in. As-dur,.jRr.2 ״t vräsentirt? sich uns bei breiter Anlage (fünfstimmiger Solo- und mehrstimmiger Chorlatz) und einfacher, aber gediegener musikalischer Bearbeitung so vortheilbaft, dass er sofort unsere Sympathie erringen muss. Die rnbig gehaltene und bequeme Stimmführung, wie nicht minder die aus dem vorangehenden Harmonieaufbau fick nngezwunaen entwickelnde Nlodulation ermöglichen es selbst dem minder Geübten, den vier- und mebrzeiligen Partilursatz leicht zu übersehen und bekundet gleich hierdurch die vollständige Beherrschung aller musikgesctzmäßiger und musiktechnischer Hilf«- mittel seitens Snlzers, wie nicht minder den umsichtigen, fleißigen Arbeiter, dessen Herzensangelegenheit es ist, nur möglichst Vollkvmmeneszu prodnciren. Das Auftreten der Septimen im Tenor, gerade beim Solip’ne schabbos nekabb’loh, als Vermittlerin des natürlichen Fortschreitens nach Les-dur — wie die beinahe gelegentlich und vorübergehend . erscheinende Modulation nach B-moll; — das geistvolle, wirklich schwierige Ausspinnen der Musikphrase des den Inhalt beim Chor b’dibbur echod bischmionu so trefflich charakterisirenden Ntusikgedanksns in der 3. Pariiturzeile Seite 12, wie die gediegene Wiedergabe der plötzlich veränderten Scenerien bei ra'koi׳ habrocho durch den unvermittelten Uebergang von Asnach C-dur, sind diese bei der Erstlingsarbeit eines Componisten sich manifestirenden Musikhilfsmittel nicht etwa beredte Zungen für die Genialität -ihres Schöpfers? Ziehen diese Gedankenblitze nicht wie Kundgedungen einer beinahe vollkommen gereiften Componistentüchtigkeit an uns vorüber? Oder müssen wir etwa zu Gemeinplätzen unsere Zuflucht nehmen, um nachzuweisen, dass keine verbotenen Quinten, keine verbotenen Fortschreitungen. vorhanden sind? Zeigt sich gleich hier, beim Beginn seiner componistischen Thätigkeit nickt das zielbewußte Vorgehen Sulzers, jedem Worte, ja jeder Silbe den. sprach- und musikgerechten Ausdruck zu verleihen? Mau betrachte die Vertheilung der Notenwerthe bei lik’ras und vergleiche dies Mit den Parallelstellen unserer bedeutenden, jetzigen Componisten. Die Melodie fließt ungezwungen dabin, trotzdem ihr im Chorsatze nur selten eine räumliche Fortbewegung über den Umkreis einer Octave hinaus zuerkannt wird; die Harmonie rauscht zwanglos, aber im Nahmen des Gesetzes au uns vorüber, und die Berücksichtigung des Inhaltes ist eins sola/^ vorzüglich gelungene, dass wir es geradezu unbegreiflich finden, wie man solchen Thatsachen gegenüber einen Zweifel über Snlzer's componistiscke Tüchtigkeit auszusprechen wagen konnte. Geradezu überwältigend ist der Eindruck, den der Mittelsatz für Solo und Chor bei adonoj echod, uschmo echod, Seite 13, hervorbringr; jede einzelne Stimme ick bemüht, die Einheit Gottes zu ver^ künden, Tenor I und Sopran in Form einer fetten Melodie, die anderen Stimmen begleitend. Wenn diese A:l der Stimmführung. für sich betrachtet, auch etwas zerbröckelt erscheint, so müssen wir durch den Hinweis auf den Umstand, dass das Solo des Sopran I als aufforderud auftrirr, während die anderen Stimmen eine blos bestätigende Mission zu erfüllen haben, trotzdem für diese Anordnung des Stoffes plaidiren. Die Härte bei der Solosopran- und Tenor-Stelle merosch mikedem durch das Zusammcnklingen von O-des nebst dem im z . eiten Ackteltactrheile hinzutretenden Ls der Baßstimme können wir nicht gur heißen. Dass Sulzer für Lchomor w’sochor und lik’ras schaDbos, und wieder imlcdasch. melech und hisaa’ari dieselben Melodien verwendet, kann im Hinblick auf die damals üblich gewesene, derartige Eint Heilung um so weniger auffallend erscheinen, als es ja selbst unsere bedeutendsten Synagogengesangs- Componisten der Gegenwart auch nicht verschmähen, dieser Bequemlichkeit eine hochwichtige, logisch-musikalische Nothwendigleit zu opfern. Man gestatte uns, auf dieses, sowohl für Componisten wie Interpreten, überaus beachtenswerthe Vorkommnis etwas näher einzugehen, indem wir vorausschicken, dass die Musik in der Seele eines jeden Menschen eine Stimmung wachruft, welche, der mehr oder minder vorhandenen Intelligenz entsprechend, auch eine mehr oder minder ausgeprägte Gestalt annimmt und dieselbe, als Mittheilungsmittel der empfangenen Eindrücke, an andere

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