Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 12 (3.4.1884)
- Date
- 1884-04-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien. Gelegentlich eines. Dienstag den 1. April, im fürstlich Georg Czartoryski'schen Palais in der Weinba usgafse stattgefundenen Empfangsabends ergieng an Collegen. Obercantor Singer von Seiner Dnrchlaucht, dem Fürsten Czartoryski die ebrende Aufforderung, einige Gesangspiecen vorzutragen. Herr Obercantor Singer entledigte sich durch. den Vortrag mehrerer Händel'scher Arien und Löwe'scher Balladen, seiner Aufgabe in solch' anelkennenswerther Weise, dass ihm die hohe Auszeichnung zu Theil wurde, mehreren der anwesenden hohen Herrschaften der höchsten Aristokratie der Residenz vorgestellt und der schmeichelbaft’ften Aeuherungen bezüglich seiner künstlerischen Leistungen theilbaftig zu werden. Ein bei der jetzigen religiösen Strömung gewiss bedeutender Erfolg, der den Beweis liefert, dass die Kunstbestrebungen Singer's auch seitens der bezeichneten höchstillustren Kreise beobachtet und gewürdigt werden. Wien. Dem 30. Bericht des allg.- österr. israel. Taubstummen- Institutes in Wien vom Jahre 1883 entnehmen wir: Die Zahl der Zöglinge, welche im abgetaufenen Jahre Erziehung, Unterweisung und Verpflegung erhielten, belief sich auf 9.1, und zwar 58 Knaben und 33- Mädchen- Einen großen Werth legen wir auf die Würdigung, die unser Streben in der eigenen Heimat erworben hat; wir haben in dieser Beziehung zu. registriren, dass der am 20. Mai 1883 abgehaltenen Jahresprüfung der Zöglinge der Bürgermeister der k. k. Reickshaupt׳ und Residenzstadt Wien, Herr Eduard Uhl, anwohnte und seine besondere Zufriedenheit durch ehrende Worte zu erkennen gab. Die Zweckmäßigkeit sowie die Erfolge des Unterrichtes fanden allerwärts Anerkennung und das Wohlwollen der hohen Behörden begleitete auch dieses Jahr unsere Bestrebungen und ermuthigt uns, auf der betretenen Bahn fortzuschreiten. Der im Jahre 1871 in der -Roßau verstorbene Herr Leopold Müller hat in seinem Testamente zur Errichtung einer TaubstummenStistung ohne Unterschied der Konfession zwei Häuser in Wien legirt, welche Stiftung von den Erben noch durch einen ansehnlichen Betrag vermehrt, gegenwärtig aus den zwei Häusern und fl. 46 600 Rente besteht, und hat es die Anstalt der menschenfreundlichen Initiative des k. k. n.-ö. Statthalters, Freiherr» v. Possinger. zu danken, dass .ihr aus dieser Leopold und Bertha Mülluer'schen Taubstummen-Stiftung 5 Stiftplätze für israel. taubstumme Kinder zugewiesen wurden. Die allgemeine Anerkennung, deren sich unser Institut auch in anderen Kreiselt zu erfreuen hat, fand Heuer anläßlich des 70. Geburtsfeites unseres geschätzten Directors, des kais. Rathes Herrn Joel Deutsch, welcher der Anstalt eine nahezu 40jäbrige unermüdliche Thätigkeit gewidmet hat, freudigen Ausdruck. Die Feier des Jubiläums fand am 20. März statt. Die ehemaligen Zöglinge der Anstalt überbrachteu eine von einem gewesenen Zözlinge verfaßte Adresse, welcke d>r, selbst taubstumme Lehrer der Anstalt, Herr Herzl, verlas, und übergaben Herrn Deutsch den unter sich ge׳ sammelten Betrag von fl. 500 mit der Bitte, darüber zu verfügen. Der Jubilar fügte dieser Stiftung noch den Betrag von fl. 100 hinzu und widmete den Gesammtbetrag von gleich fl. 700 Rente dem Zwecke, für Zöglinge, welche das Institut verlassen, Lehrmittel zu ihrer Fortbildung anzuschaffeu. Indem wir nun die Gönner der Anstalt bitten, ihr bisher uns entgegengebrachtes Wohlwollen auch fernerhin bewahren zu wollen, müssen wir an die Theilnahme aller Wohlthäter um so mehr appelliren, als uns im Laufe des Jahres vom hohen k. Ungar. Ministerium für Kultus und Unterricht abermals einige Stiftplätze aus dem ungar. israel. Sckulfonds entzogen und der Budapester Anstalt zugewiesen worden sind. Die Einnahmen betrugen fl. 36.334, die bis auf fl. 2231 veraus.abt wurden. Tkebitsch, 31. März 1884. (Orig.-Corresp.) Das Herz eines treuen, wackeren Collegen hat zu schlagen aufgehört! Obercantor I Simon Beer ist nicht mehr unter den Lebenden. Nach mehrjährigem, ן schwerem Leiden und nach einer nahezu vierzigjährigen, segensreichen Wirksamkeit als Obercantor in der hiesigen Cultusgemeinde, hat er heute morgens im 70. Lebensjahre seine edle Seele ausgehaucht. An seinem Sarge trauert um ihn seine Gattin, die ihn in der aufopferndsten Weise bis an sein Ende gepflegt hat, und neun Kinder, die zum Theile versorgt, zum Theile noch unversorgt sind. ,Ich will dem Cantoren-Vereine wissentlich kein Nisico ver- Ursachen,' sagte er gleich nach dessen Begründung, ״denn ich bin alt und fühle mich sehr krank, mein Ende naht und darum melde ich mich nicht als Mitglied. Es werden sich wohl edle Collegen finden, die sich, so wie meine theure Gemeinde, meiner verlassenen Gattin und Kinder annehmen werden". Die seltene Begabung, die Berufstüchtigkeit und der Feuereifer ן in der Erfüllung seiner Berufspflichten einerseits, sein treues Herz, das jedem seiner Kollegen warm entgegenschlug, die patriachalische Gastfreundschaft, die auch er stets gegen verlassene Berufsgeuossen und deren Angehörige übte, seine Freigiebigkeit gegen Nothleidende über- Haupt, lassen uns hoffen, dass sein Ausspruch sich bewähren und seinen unglücklichen Familienangehörigen Trost und Hilfe in verdientem Maße gespendet werden wird. Ihm aber möge die Erde leicht sein und die ewige Glückseligkeit zu Theil werden. Zu dem Leichenbegängniße, daö am 1. April stattfinden wird, werden von Seite der hiesigen Cultusgemeinde Vorkehrungen getroffen, um dasselbe in einer würdigen Weise begehen zu können. An demselben wird sich auch der hiesige deutsche Männergesang-Verein betheiligen. Nach Schluss des Blattes. Wien, 3. April. Herr Dr. Ignaz Kuranda, Präses der Wiener israelitischen Cultusgemeinde und Reichsraths-Abgeordneter der Haupt- und Residenzstadt Wien, ist heute einem Herzleiden, das schon seit voriger Woche einen höchst bedenklichen Charakter angenommen hatte, erlegen. Das Leichenbegängnis wird Sonntag den 6. April ftattfinden. Gründungs- und Verrinsbeitrage. Leop. Kraus, Verösee, dreivierteljährigen Beitrag; Th. Fleck, Josefstadt. Wien, halbjährigen Beitrag; Franz Teltsch, Stockerau, ganzjährigen Beilrag; Ad. Rotier. Wien, halbjährigen Beitrag; S. Schischa, Kirchberg a. Wagram, halbjährigen Beitrag; Friedländer, Szilos Balhas, vierteljährigen Beitrag. Korrespondenz der Nedaetion. Collegen Fr. in Sz.-B., Culrg. N. Ab., H. in B., R. in P.. Sch. in K., W. in Tr-, H. in T-, Gr. in L., Rin W., F. in Tr., L. in K-, Fl. in W.. I. in M-, A. in H., K. in R-, Schl, in Ott., B. in Tr., bestätigen dankend die eingesandten Beträge. Colleg. Gruß. Gr. in B. Wir sprechen hiermit unser tiefstes Bedauern über Ihren herben Verlust, den Sie erlitten haben, aus. Die Blätter haben wir expedirt. Den Rückstand wollen Sie nur in Raten einiendeu. Gruß. St. in Czecze. Nachdem Sie kein Mitglied unseres Vereines sind, haben Sie noch 25 kr. für das vergangene Quartal zu senden ohne Musikbeilage. Wenn L!ie also die Beilage wünschen, haben Sie noch den Rest per 50 kr. nacbzu senden. M. in Neuh. Für das zweit- Quartal haben Sie 68 kr. gut. Wenn Ihr Abonnement bis 1. October l. I. beglichen sein soll, haben Sie noch den Betrag per fl. 2.32 einzusenden. Gruß. R. in Prg. Herzlichsten Dank stir die Einsendung Ihrer gediegenen Compositionen, nächstens mehr. Colleg. Gruß. Sch. in Gr.-W. Den von Ihnen angewiesenen Betrag haben wir noch nicht erhalten. D. in M. Wollen Sie Ihren Rückstand in zwei Raten senden, wir werden deshalb die Zusendung nicht unterbrechen. Allen Collegen und Freunden unseres Blattes wünschen wir .שמחת יום טוב I Des Pessachfestes halber erscheint die nächste ן Nummer der Cautorenzeitung erst nach den Feiertagen. Die Nedaetion.