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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-03-26 · Heft 11 (26.3.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 11 (26.3.1884)
Date
1884-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Vereines ohne Musikbeilage viertelj. . st. 1.— mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.» Nng. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.35 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im Auslande o.-Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 Organ für die Gesammt-Interesse« Mischer Cattau. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Marrev. und Administration Wien, II., Novnragasse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 11 Wien, 26. Mar? 1884. 4. Jahrgang. Nestor Sulzer81 5׳. Geburtstag. jin grosser Sohn unseres Volkes, eine Leuchte unseres Standes, SÄLOMON SULZER, feiert am 30. Marz dieses Jahres seinen 81. Geburtstag. Ueberall, wo die Söhne Israels Gebete zum Allmächtigen emporsenden, überall, wo die Klänge des Schir Zion ertönen, wird der Name SULZER auf den Lippen aller Andächtigen schweben. Wie sollten nun wir, seine Jünger und Genossen des Standes, den er so eigentlich aus dem Nichts geschaffen, den Tag vorübergehen lassen, ohne der Liebe und Verehrung, die uns erfüllt, vor aller Welt freudigen Ausdruck zu geben und zu erklären, dass wir stolz darauf sind, SULZER den Unsrigen zu nennen, dass wir seine Grösse und Bedeutung in vollstem Masse zu würdigen wissen? Traurig und wüst sah es in den heiligen Hallen der jüdischen Gotteshäuser aus, ehe SULZER mit gewaltiger Energie sein grosses Werk begann. Von einer kleinen Schaar der Glaubensgenossen sympathisch begrüsst, unternahm er den Kampf mit Orthodoxie und veralteten Missbrauchen. Mit den Erfolgen wuchs die Zahl seiner begeisterten Anhänger und umfasste nach einigen Jahrzehnten die meisten Gemeinden des Judenthums. Man beeilte sich, der Initiative SULZER’s zu folgen, und so erhielt der jüdische Gottesdienst jene Gestaltung, die er fast überall noch heute hat und auch in der fernsten Zukunft haben wird. Eine oder die ^dere Aeusserlichkeit mag wohl der Strom der Zeit hinwegschwemmen, die Basis, die SULZER den! Gottesdienste gegeben, wird unverrückbar bleiben. Aber nicht nur der Organisator und Reformator des jüdischen Gottesdienstes ist es, den wir in SULZER verehren und bewundern, sondern auch der grosse Meister des Gesanges, der noch bis vor Kurzem, vom Alter ungebrochen, vor dem Altäre des Herrn durch sein weihevolles Gebet die Zuhörer begeisterte und von den Grossen dieser Erde Anerkennung und Ehre in reichlichstem Masse erntete. Und als es galt, einen Mittelpunkt für die Gantoren Oesterreich-Ungarns zu begründen, als es galt, zu zeigen, dass die SULZER’schen Reformen einen intelligenten, seiner selbst bewussten Stand herangebildet, der seine Interessen selbst zu wahren, selbst zu schützen im Stande ist, da brachte SULZER diesen Bestrebungen ein warmes Herz entgegen. Wenn ihn auch sein hohes Alter hindert, sich an die Spitze unserer Vereinigung zu stellen und thatkräftig einzugreifen in die Kämpfe, die. uns wie jedem anderen Stande nicht erspart geblieben, so nimmt er doch an Sieg und Niederlage den regsten Antheil und weiss es nur zu wohl, wie eng unsere Erfolge mit seinem Namen verknüpft sind. So wie SULZER einen ganzen Künstlerstand geschaffen, hat er auch in seinen Kindern eine wahre Künstlerfamilie herangezogen, die mit Ehren den Namen des grossen Meisters führt. Ueber ein halbes Jahrhundert hat so SULZER für und in der Kunst gewirkt. Welch’ Wunder nun, wenn Alles, was Sinn für das Schöne und Edle hat, am 30. März seine Wünsche für SULZER’s Wohlergehen vereint? Auch wir, die wir unsere schwachen Kräfte einem guten Zwecke gewidmet, haben es hier versucht, dem Altmeister des Gantorenthumes in schlichten Worten unsere Dankbarkeit auszusprechen. Möge der Allmächtige seine Lebensdauer verlängern und es uns gönnen, einst noch an der Feier seines hundertsten Geburtsfestes Theil zu nehmen. Möge er uns erleuchten, auf dem Wege fortzuwandeln, den SULZER als der erste betreten und gebahnt, und möge־ er den Namen SALOMON SULZER mit ehernem Griffel in die Tafeln der Geschichte eingraben!

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