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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-03-10 · Heft 9 (10.3.1884) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 9 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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-schon veralteten Missbrauche gegen unsere OWtyii'U gar nicht ׳Einhalt geschehen könne, da erst verlor ich begreiflicher Weise die Lust und Liebe für diesen erst kürzlich angetretenen Posten und wehmuthsvoll that ich einen Rückblick auf meine alte Gemeindc, wo ich 3V2 Jahre, geachtet von jedem einzelnen Gemeindcmitgliede, gewirkt habe und wo man mich so ungern entlassen hat. Ich .ging zum Herrn Präses in K. wie auch zu mehreren anderen Mitgliedern, meldete ihnen, dass ich aus Nelizionsrücksicht und mit Rücksicht auf meine Gesundheit unter gar keiner Bedingung länger bei ihnen zu bleiben gewillt sei und nahm zugleich die Verpflichtung auf mich, ihnen sämmtliche Spesen sammt Vorschuß bei Heller und Pfennig zurückzubezählen, was ich auch innerhalb drei Tagen getreu tbar. Zu meinem größten Glück nahm mich meine alte Gemeinde wieder zurück, und ich genieße hier wieder dieselbe Achtung, wie ich sie bisher genossen habe. Jetzt erst frage ich: sollte denn dieses mein Vorgehen unsere Standesehre wirklich so tief verletzt haben? Oder aber, sollte denn ein Schochet unter der Würde!einer Standesgenossen stehen, wenn er der strengen Vorschrift seiner heiligen Gebote treu zu bleiben gedenkt? Ich will dieses kaum glauben und hoffe vielmehr, jeder Einzelne meiner geehrten Herren Collegen werde mir vollkommen bcistimmen, dass ich gezwungen^war, so lind nicht anders vorzugehen. Indem ick nun schließlich die löbliche Nedaction höflichst ersuche, dieses Schreiben zur Veröffentlichung zu bringen, umsomehr als viele Herren Collegen der Meinung sind, dass mit dem benannten E. mein Bruder Samuel Eigner in Euzersdorf gemeint sei, zeichne mit besonderer Hochachtung Gabriel Eigner, Cantor. Szt. Georgen, 5. März 1884. Kleine Chronik. Äglau. (Orig.-Corresp.) Auf Beschluß des Cultnsvorstandes wurde die Feier des in diesen Blättern bereits gemeldeten fünfundzwanzigjährigen Amtsjnbilänms unseres hochgeehrten Obercantors S. Low, in Folge eines plötzlich eingetretenen Unwohlsein des Letzteren, bis auf Pessach verschoben. Nngarisch-Skakrtz. In der hiesigen königlichen Freistadt, wo sonst das freundschaftliche Verhältnis zwischen den Burgern christlicher und' jüdischer Confesfion nie gestört war, ereignete sich der Fall, dass ein bei einer israelitischen Witwe in Dienst gestandenes, 1?jähriges Mädchen evangelischer Confesfion vor etwa 4 Wochen plötzlich verschwand. Freilich lag die Ursache des Verschwindens jenes Mädchens nahe, da ihre Dienstgeberin ihr auf die Spur kam, dass sie auf .Rechnung ihrer Herrin Schulden machte, Betrügereien aus führte und mehrere Gegenstände ihrer Herrin entwendete; die nachsichtige Frau verzieh Alles und drohte nur, für den Fall der Wiederholung solcher Vergehen die polizeiliche Anzeige zu erstatten. Nichtsdestoweniger kam das Mädchen vor vier Wochen zu einer Nachbarin und Freundin ihrer Frau und verlangte auf Rechnung derselben ein Darlehen von 1 fl. 50 kr. Die Nachbarin aber erklärte, dass sie den Betrag ihrer Frau selber überbringen werde. Als sie dies wirklich that, wusste die Frau nicht, welches Bewandtnis es mit demHGeldbetrag habe, bis die Frau die Aufklärung gab, ihr Dienstmädchen habe vor einigen Minnten diese Summe in ihrem Namen entlehnen wollen. Die Frau -öffnete die Thür, um das Mädchen zu rufen und ihr den neuerlichen Betrug in Gegenwart der Nachbarin vorzuhalten, doch das Mädchen hatte in dem Augenblicke, als die Nachbarin in das Haus trat, dasselbe verlassen, offenbar, weil es die gerichtliche Anzeige von Seite der Frau fürchtete. Trotz allen eifrigen Suchen» konnte das Mädchen nicht anrgefnnden werden. In normalen Zeitläuften wäre vielleicht dieser harmlose Vorfall nicht weiter besprochen worden. Nicht so in unseren Tagen, nicht so'im letzten Fünftel des erleuchteten 19. Jahrhundert». Die ungnalisizirbarsten Combinationen wurden ausgeheckt und bald auch als Facta angenommen. Die Einen wollten wissen, das Mädchen sei von den Juden für die bevorstehenden Ostern anfbewahrt worden, die Andern wollten gesehen haben, wie die Leiche in einer Kiste Nachts von Inden wegspedirt worden sei. Die Verhältniße fingen an recht unheimlich, ja peinlich und besorgniserregend zu werden, da auch schon Leute, die sich mit Vorliebe zur Intelligenz zählen, behaupteten, nunmehr die Inden meiden zu müssen, da es doch wahr sei, dass sie Chrifteumädchen verschwinden lassen. Zum Glücke wurde das Mädchen gestern anf dem Dachboden ihrer Frau, tief im Heu verborgen, zufällig aufgefunden. Unter Zusammenlauf einer großen Menge wurde das Mädchen zur Polizeibehörde geleitet. ^Dort erklärte es nach wiederholten Verhören, dass sie ans Furcht, wegen ihrer begangenen Diebstähle und Betrügereien abgeftraft und in ihre Heimat abgeschoben zu werden, in dem Momente, als die Nachbarin zu ihrer Frau kam. das Hans verlassen und in der Gegend sich herumgetrieben habe; da sie aber keinen Dienst bekommen konnte, schlich sie sich eines Abends wieder in das Hans ihrer Herrin ein, begab sich auf den Dachboden, von wo sie spät 'Nachts herunterkam, um beim Brunnen ihren Durst zu löschen und von anfgefnndenen Resten von Grünzeug und anderen Speiseüberresten, welche der Hauskatze vorgelegt wurden, sich zu nähren. Diese Lebensweise führte das Mädchen schon 3 Wochen hindurch und sieht in Folge dessen sehr herabgekommen aus. Die Aerzte erklären, dass ihre Kräfte derart geschwunden, dass es auf solche Weise noch höchstens zehn bis zwölf Tage hätte leben können. Das Mädchen befindet -sich gegenwärtig wohlbehalten im Svitale. Was geschehen wäre, wenn das Mädchen später todt aufgefnnden worden wäre? Vielleicht hätten wir einen Tisza-Eszlarer Prozeß in zweiter Auflage erlebt. Ans HZudapest wird folgende lustige Geschichte mitgetheilt: Ein Jude, Namens Coloman Ellbogen, fühlte das Bedürfnis, sich, oder eigentlich seinen Namen zu magyarisiren. ״Coloman Ellbogen", dachte er sich, ״das ist nichts, das ist zu jüdisch, und muss man denn Einen schon an dem Namen erkennen, dass er Jude ist? Wie wäre es, wenn ich mich Coloman Tisza nenne?" Aber auch der ungarische Ministerpräsident heißt Coloman Tisza. Bei Diesem nahm Ellbogen Andien; und theilte ihm seinen Plan mit. Der Minister erklärte, nichts dagegen zu haben, fügte jedoch hinzu: ״Wenn Sie mir aber einen Gefallen erweisen wollen, so bitte ich Sie, Ihren neuen Namen mit h zu schreiben, nämlich Thisza". Hat sich Herr Ellbogen durch diese ministerielle Erklärung beleidigt gesuhlt, oder ist ihm ein neuer Gedanke gekommen, das weiß man nicht; genug, er heißt noch heute ganz einfach Coloman Ellbogen. Correspondenz der Nedaction. Collegen L. in K.. F in P., K. in Kob^ Fr. in M., L. in W-, Sch. in >2z. E., K. in Hl-, L. in K-, L-chw. in 2.. bestätigen dankend die eingesandten Beträge. Gruß. Lin K-, 9t. in Lr. Es freut uns. dass die Comvositionen vom Collegen Obercanwr A. Simon in Kopenhagen in Ihrer Gemeinde viel-n Beifall fanden. St. in Gr. M. Eingesandten Betrag haben wir auf Ihr Saldo gutzebucht. Gruß. K. in Kob. Wegen der Vereinsstatuten wollen sie sich direct an den Vorstand wenden. Grnß. N. in M- T. in Sz. Wir bewilligen Ihnen, den Rückstand in Raten zu begleichen. Fr. in Csorna n. Wollen Sie jedenfalls Ihre Arbeit senden. Wegen Aufnahme in den Verein wollen iLie sich direct an den Präses, Obercantor Singer, 1-, Seirenstettengasse 4, wenden. Allen Freunden nnd Collegen wünschen wir שמחת פורים. Die Redaction.

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