Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-03-02 · Heft 8 (2.3.1884) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 8 (2.3.1884)
Date
1884-03-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/1304829-3452960-3452968--0929-3455014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— *7 war ursprünglich für den Rabbinerstand bestimmt. Er kam 1832 nach Berlin, wo er sich eine vielseitige, sprachliche und naturwissenschaftliche Bildung aneignete. Seine veröffentlichte Uebersetzung und Bearbeitung des hohen Liedes (Schir hasebirim), sowie eine literaturhistorische Arbeit ,,Das junge Deutschland" führten ihn in die literarischen und wissenschaftlichen Kreise Berlins ein. Die freien religiösen Bewegungen der Vierzigerjahre regten auch Bernstein an, in Gemeinschaft mit Stern und Anderen die erste jüdische Reformgemeinde in Berlin zu begründen. Die wesentlichste Bedeutung Bernsteins liegt aber in seiner publizistischen Wirksamkeit- Er begründete 1849 das demokratische Volksblatt ״Urwähler Zeitung", das bald große Ausdehnung und Einstuß gewann, ihm mehrere Preßprvcesse, 1851 auch eine mehrmonatliche Gefängnißhaft zuzog, 1853 aber ganz unterdrückt wurde. Er veröffentlichte eine Reihe von naturwissenschaftlichen Aufsätzen unter dem Titel: ״Aus dem^Neiche der Naturwissenschaft", welche wegen ihrer Gediegenheit und Formvollendung in fast allen europäischen! Sprachen übersetzt und ipäter in erweiterter Form als ״naturwiffenschaftliche Bücher ' erschienen sind. Der älteste Sohn des Verstorbenen, Namens Julius, ist Professor an der medizinischen Fakultät in Halle. Er war ein ausgezeichneter Hebräer und Mitarbeiter von fast allen { jüdischen Zeitungen. Die hebräische Literatur hat durch sein Hinscheiden einen großen fast unersetzlichen Verlust erlitten. Km Amerikaner gegen die Antisemiten. Im Senate des Staates Pensylvauien ließ sich ein Mitglied eine judenfeindliche Aeußerung zu Schulden kommen. Darauf erwiderte ein anderer Senator Mr. Amerman Folgendes: Die jüdische Bevölkerung Amerikas bedarf wahrlich keiner Schutzrede, da ihre Geschichte mit allen großen Unternehmungen der Welt verknüpft ist. Seitdem es eins Civilisation gibt, haben die Juden immer im Vordertreffen des Fortschrittes gekämpft, immer einen ersten Rang eingenommen in der Literatur und den Wissenschaften. In Finanzsachen lenken sie die Welt, in Sachen der Wohlthätigkeit beschämen sie ihre Gegner. Zerstreut über die ganze Welt, waren sie stets und überall bemüht, den Staaten, welche sie bewohnten, dienlich zu sein. Sie haben ihre Anhänglichkeit mit Blut und Geld erwiesen. Nehmen sie unserem Lande das Geld, den Unter» nehmungsgeist und den Verstand seiner jüdischen Bürger, werden sie sehen, wie sehr sie den Fortschritt aufhalten. — Wenn Sie den Fleiß, die Nüchternheit, die Unternehmungslust brandmarken wollen, dann können Sie sortfähren, in einem Tone gegen die Juden zu sprechen, . den ich für jämmerlich und unwürdig erkläre- — Unsere Asyle be- Herbergen keine Juden, unsere Gefängnisse schließen sie fast niemals ein, und dennoch wagen Sie dieses Volk für unredlich zu erklären? Sie verlangen niemals einen Pfenning Almosen, und Sie beschuldigen sie der Habsucht? Ich bin kein Jude, wäre ich es, so würde ich mich glücklich schätzen, dass Leute wie Sie, nicht zu den Juden gehören, Leute welche durch ihre Angriffe nur ihre Gemeinheit und Unwisfenheit erweisen. Befreien Sie uns doch endlich von dem schmachvollen Schauspiel, dass ein Repräsentant dieser Republik sich in solch' un» würdiger Weise über ein großes Volk ausspricht. An der hiesigen isr. Religionsgemeinde ist die Stelle eines tüchtigen zeitgemässen Cantors, der שוחט ובודק קורא מוהל sein muss, am 1. Mai zu besetzen. Jährlicher Gehalt 450 fl., halbe שחיטה freie Wohnung und Nebenemolumente. Reflectirende wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis längstens 22. März 1. J. einsenden. Nur Berufene werden zum Probevortrag zugelasscn und nur dem Aeceptirten werden als Reise- und Uebersiedlungskosten 25 fl. vergütet. B.-Topolya, am 13. Februar 1884. Sigmund Beck, Präses. Kitt schrecklicher Word wurde in Slotschow verübt: Der Tischler Moses Joief Weintraub kam zu seinem Einwohner, ein christlicher Uhrmacher Bachiezky, um von ihm den schuldigen Miethzins zu fordern. Der Uhrmacher gerielh hierüber in Wuth, versetzte dem Juden mehrere Hiebe mit einem Hammer auf den Kopf, so dass er ganz bewusstlos zu Boden stürzte. Der Unglückliche wurde nach Hause gebracht und nach zweistündigem Leiden hauchte er das Leben aus. Der Mörder wollte sich flüchten, er wurde aber aufgefunden und verhaftet; nur sein Geselle, welcher auch am Morde betheiligt war, ist spurlos verschwunden. Aviso! In Folge plötzlich eingetretener technischer Schwierigkeiten mußte die Expedition der zweiten Musikbeilage bis in den Monat März verschoben werden. Dieselbe ist von unserem hochgeehrten Collegen, dem Herrn Obercantor A. B a e r in Gothen bürg, dem Componisten des sBaal T?fillahft und wir sind überzeugt, dass die geehrten Herren Abonnenten durch die Gediegenheit und die Ausstattung dieser Musikbeilage für den Aufschub vollkommen entschädigt seilt werden. Correfpondenz der Nedaction. Collegen L. M. in S-, A. W. 21. in Sz. R-, H. S. in P., Sp. M. in Sz., M. Sch. in K. bestätigen dankend die eingesandten Beträge. L. G. in T. Trotz der Trefflichkeit ihrer Arbeit sind wir nicht in der Lage, dieselbe unter den heutigen Verhältnißen in unserem Blatte zum 2lbdrucke zu bringen, sehen jedoch mit Vergnügen der augekündigten größeren Arbeit entgegen. Dieselbe dürfte sich aber nicht, wie die eingesandte, auf socialpolitischem Gebiete bewegen, da uns dann die 2lusnahme erschwer:, ja sogar unmöglich werden kann. Herzl. Gruß. S. in R. Warum lasten sie schon so lauge nichts vernehmen? Wo ist Ihre frühere Arbeitslust? Gruß. H. in S. Danken für die eingesaudte Notiz. Solche Mittheilungen, wie überhaupt alle Nachrichten über die Vorgänge in den Gemeinden sind uns jederzeit willkommen. Gruß. S. 28. in F. Ihr Abonnement ist bis I. Jänner 1884 beglichen, daher Sie nur für das laufende Quartal im Rückstände sind. Die Redaction. Unserer heutigen Nummer ist ein illustrirter Prospect der Firma A. Kranzthor, Wien, II., Praterstrasse Nr. 12 beigelegt. Wir können dieses Etablissement den Herren Cantoren, Rabbinen und sonstigen Cultusbeamten zur Anfertigung aller Gattungen Ornate auf’s Beste empfehlen, da Herr A. Kranzthor bestrebt ist, den an ihn gestellten Anforderungen vollkommen gerecht zu werden. I In der hiesigen Cultusgemeinde ist die Stelle eines! zweiten Cantors, der zugleich שוחט ובודק וקורא und פסקנר | zu sein hat, zu besetzen. Jährlicher Gehalt, ausser freien I Wohnung, halber שחיטה und (Rabbinats-) Emolumenten, j 500 fl. — Bewerber wollen gefälligst ihre Gesuche, ver-! sehen mit Zeugnissen über ihre Befähigung, bisherige Ver- ן Wendung, Familienverhältnisse und über ihr Alter, bis 1 spätestens 1. April an den Gefertigten einsenden. Zum | Probevortrage werden nur die hierzu Aufgeforderten zuj gelassen und werden nur dem Aeceptirten die Reisespesen! vergütet. j Nagy-Abony (Pester Com.) den 17. Februar 1884. Adolf Busztin, Gemeinde-Präses.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.