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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-02-23 · Heft 7 (23.2.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (23.2.1884)
Date
1884-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische f-===ור Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Lereines ohne Musikbeilnge vierteil. . fl. 1.— mit Musikbeil, viertel!, fl. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr - Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im Auslande o. Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 Organ für die Gesummt-ÄMMll jüdischer Gimtüreu. Erscheint jeden achten Tag. Begründer: Obercantor IcrAoö Wcrrrev. ^|edaeüon und Administration Wien, II., Novaragcisse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 7 Wien, 23. Februar 1884. 4. Jahrgang.!flirr ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. V. Aus jedem Tacte dieser alt-ehrwürdigen Melodien gucken Dreimaster, Barett und Schabbesmantel, und wie all' die Neliquien der längst' entschwundenen Zeit heißen mögen, hervor. Nur einer, für den Historiker überaus' wichtigen Erscheinung begegnen wir bei Durchsicht der vorliegenden Lovy'schen Compositionen — nur wenige Tacte und anspruchslose Melodien in noch viel anspruchsloserer harmonischer Gewandung und dennoch so bedeutungsvoll für die Würdigung der Lovy'schen Bestrebungen insbesondere, wie für die Geschichte des Synagogenchor- Gesanges im Allgemeinen; wir meinen die Chorresponsorien Boruch adonoj hamworoch leolom woed und Amen Seite 28, Nr. 3 und Boruch hu umworoch sch'mo Seite 31 und namentlich das J’he Scli’me rabbo etc. bei Kaddisch Seite 37. Diese kurzen, unscheinbaren Chorsätze, die beim heutigen jüdischen Gottesdienste als selbstverständlich gelten, waren in der vorsulzer'schen Periode. als Chorresponsorium gänzlich unbekannt, werden daher allgemein als hervorragende Errungenschaft Sulzer's angesehen; trotzdem stnden sich dieselben hier in dem Lovy'schen Werke, welch' Letzterer, wie im vorigen Aufsatze narbgswiesen wurde, schon zu einer Zeit als Chasan wirkte (1799), da Nestor Sulzer noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte. Auf eine diesbezügliche Anfrage bei Meister Sulzer wies derselbe jede Bekanntschaft mit Lovy und jede Einflußnahme des Letzteren auf seine synagogengesanglichen Bestrebungen entschieden zurück — wie gleichfalls auch eine Nachfrage bei Herrn Eugen Manuel, dem Enkel Lovy's und Nedacteur des^vorliegcnden Werkes, der präcis gefaßte Bescheid zurückkam, dass die fraglichen Chorresponsorien im Manuscript vorhanden waren und nicht später hinzucomponirt wurden. So stehen die Erklärungen der beiden alten Herren gegenüber und das Urtheil wäre schwer zu fällen, wenn nicht die bei Beurtheilung der Entstehungsperiode irgend eines antiken Kunstwerkes allein maßgebende Charakteristik des Styles dem Fachmanne zu Hilfe käme; deshalb wären wir für eine neue Auflage des im Musikalienbandel leider vergriffenen Werkes, weil es dann Jedem ermöglicht wäre, durch unmittelbare Anschauung der fraglichen Nummer zn einem eigenen Urtheile zu gelangen und weil wir überzeugt sind, dass Jeder, der Sinn und Geschmack für das Alte bat, bei Durchsicht dieses Schmuckkästchens synagogal-gesanglicher Antiquitäten poetisch angeregt werden muss. Lovy wird von gewisser Seite als Regenerator des französisch-jüdischen Gottesdienstes bezeichnet, welcher Anschauung wir uns keineswegs anschließen können, vielmehr nachdrücklichft und wiederholt auf seine allerdings meisterhafte, aber conservative Vertretung der alten Synagogengesangsmanier (nicht Chasanus) Hinweisen müssen. Es gibt Style auf jedem Kunstgebiete, die, wenn sie zur höchsten Vollkommenheit emporgreisen, auch schon unmöglich geworden sind und als den letzten bedeutendsten Repräsentanten dieses Zieles auf alt-synagogengesanglichem Gebiete möchten wir Lovy bezeichnen. Dieser conservative Standpunkt Lovy's erscheint uns allerdings um so ausfallender, als wir in dem, in sämmtlichcn Compositionen Lovy's sich manifestirendem ängstlichen Bestreben, dem alten Chasanus aus dem Wege zn gehen, einen Moment des Fortschrittes erblicken möchten. Mit keinem Federstriche bezeichnet Lovy das Chasanus, selbst die hol nidre-Melodie ist vernichtet und dort, wo er der Nothwendigkeit eines Anlehnens nicht mehr ausweichen kann, wie z. B. bei Olenu am Rösch haschana, da erscheint das Motiv verkrüppelt und gleichsam als abgerungenes Zugeständnis hingeworfen. Wir resumiren, indem wir die Erscheinung Lovy's trotzdem auf synagogal-gesangtichem Boden als eine glänzende bezeichnen. Seine außergewöhnliche Begabung, sein eiserner Fleiß, wie sein ganzes leider, zu kurzes Leben war dem jüdischen Gottesdienste geweiht. Er starb am 7. Januar 1832 im 59. Lebensjahre an einer Lnngenkrankheit, an dem Tage, an dem die Einnahme Warschau's und das neue Martyrium des von ihm so heißgeliebten Polens in Paris bekannt war, nachdem er am bezeichneten Tage noch beim Gottesdienste fungirte. D as war sein Schwanengesang. Mit der Künstlergestalt Lovy's ist keineswegs die Reihe der bedeutenden Chasanim der älteren Periode zn Ende; die

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