Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (15.2.1884)
- Date
- 1884-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cairtoren-Vereines ohne Musikbeklage viertelj. . st. 1.— mit Musikbeil viertelj. ff. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr.» Ung. ohne Musikbeil, vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil, vkertelj. fl. 1.50 für Abonnenten im AuSlande o. Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 Organ für die Gesummt-IiitMMil jüdischer Galltorev. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Warrev. und Administration Wien. II., Novara gaffe 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 6 Wien, 15. Februar 1884. 4. Jahrgang- Krlirr ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. IV. Zur Richtigstellung der irrigen Anschauung, dass in der vorsulzerischen Periode Musiktheorie, sachgemäßes Singen und Musiciren unter den Juden gar nicht bekannt waren, bedarf eS ja blos des Hinweises auf die allbekannten Namen Meyerbeer (geb. 1791), Halevy (geb. 1799) und Mendelssohn Bartholdy (geb. 1809), welch' beide Ersteren auch ziemlich viel, ausschließlich für Synagogengesang geschrieben haben. Allein, abgesehen von diesen benannten Persönlichkeiten weist die Musikgeschichte selbst der -früheren Zabrhunderte auf hervorragende jüdische Musiker und Musiktheoretiker bin, deren Namen, obgleich nicht im directen Zusammenhänge mit Synagogengesang stehend, dennoch dem Rahmen dieser Besprechung einverleibt werden müssen, um der anfangs erwähnten historisch irrigen Anschauung entgegenzntreten. Wir meinen Salomon Rossi (geb. vor 1600)*), Israel Lovy (geb. 1778) und Nathan Jsaas (geb. 1792) — Nossi und Nathan jedoch wirkten, unserer Anschauung gemäß, trotz der Bearbeitung hebräischer Texte seitens des Ersteren, nicht auf synagogal-gesanglichem Gebiete —> verdienen demgemäß innerhalb der vorliegenden Besprechung ,Ueber die Entwickelung des Synagogcn-Gesanges* keiner eingehenden Berücksichtignng; ganz anders jedoch verhält es sich mit Israel Lovy (Iisroet Glogau). Dieser war ein Chasan par excellence, verdient daher unsere volle Beachtung, weshalb wir uns veranlaßt seben, seine Biographie, sowie eine eingehende Besprechung seines Wirkens und Schaffens folgen zu lassen**.) *)Ueber Rossi's Werke behalten wir uns eine spezielle Besprechung vor. *״)Die heutige Fortsetzung der ״Entwicklung des S y nag o g e n־@_c ־ ן an ge 3* bespricht das Leben und Wirken Israel Lovy's. Wir haben Letzen Biographie schon seinerzeit in Nummer 28 und 29 vom Jahrgange 1882 der Cantorenzeitung veröffentlicht; da sie jedoch einen Theil der obigen Artikelserie bildet nnd daher mir den!lächstsolgeiidcn Fortsetzungen in engstem Zusammenhange steht, sehen wir uns veranlaßt, dieselbe nochmals zum Abdruck zu bringen, zumal sie den seither zahlreich neueingetreteuen Abonnenten im Innnd Auslande nicht bekannt sein durste. Im Jahre 1773 in Danzig geboren, übersiedclte Lovy mit seinen Eltern nach Glogau und entwickelte sich in Folge der, für die damaligen Verhältniße, glänzenden Erziehung so glücklich, dass er bereits als dreizehnjähriger Knabe befähigt war, in den Synagogen der größten Gemeinden Böhmens, Sachsens, Mährens und Baierns als Cbasan zu fungiren und als 26jähriger junger Mann die Stelle eines ersten Cautors in der bedeutenden Gemeinde Fürth anzuuebmen. Hierselbst verlebte er, wie er sich persönlich äußerte, die glücklichste Zeit seines Lebens. Jntellectuell reich begabt und vom glühendsten Wissensdrangs beseelt, arbeitete er rastlos an seiner Ausbildung und soll, nach kaum vierjährigem Aufenibalte in Fürth, sich große Fertigkeit im Clavier-, Violin- und Violoncellospiele, als auch genaue Kenntnis mehrerer fremder Sprachen angeeignet haben. — Als Beleg für dessen eminente gesangliche Leistung diene Die Nach׳ richt, nack welcher er im nahen, damals von keinem Juden bewohnten Nürnberg, in Gemeinschaft mir seinen Msschorerim, sechs geistliche Concerte gab, welche so beifällig ausgenommen wurden, dass der Kurfürst Maximilian Joses, nachmaliger König von Baiern, ihn aufforderte, in der im Hofconcerte zu Aschaffenbürg aufzuführenden Haydn'schen Schöpfung einen Part zu übernehmen. Schreiber dieses Aufsatzes, dem die Thalsache der oben erwähnten Nürnberger Concerte bekannt war. forschte Monate lang in den Archiven Nürnbergs nach einem, dies Ereignis publicirenden Actenstück, einer Concenanzeige oder Programm rc., und es ist ihm gelungen, durch freundliche Mithilfe des Herrn Dr. Essenwein, 1. Director am germanischen Nationalmuseum, folgendes interessante Document aufzufinden: ,Friedens- und Kriegs-Courier Nr. 62 vom 14. März 1799: Musikalische Anzeige! .Sonntags, als am 17. März, wird Herr Levy von Fürth mit noch zwei Sängern die Ehre haben, hier im Bitterholz *) eine große musikalische Academie zu geben. Er empfiehlt sich einem verehrungswürdigen Publikum und bofft auf zahlreichen Zuspruch. Der Anfang ist um 6 Uhr; das Entt've 30 Kr/ *) D. i. im jetzigen Hotel ״zum baierischen Ho/.