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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-02-07 · Heft 5 (7.2.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 5 (7.2.1884)
Date
1884-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische /r ' Pränumeristious-Preis für Mitglieder des ö.-u- Cantoren-Vereines ohne Musik- Beilage viertelj. . fl. 1.— mit Musikbeil viertelj. fl. 1.25 | für Nichtmitglieder in Oesterr.»! Ung. ohne Musikbeil. viertell jährig .... fl. 1.25! mit Musikbeil, viertelj. fl- 1.50 für Abonnenten im Auslande o. Musikbeil, viertelj. fl- 1.50 mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 Organ für die OesllMmt-IutrrrMU jüdischer Cüiltoreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Wcruev. ^edaetion und Administration Wien, II., Novarcigasse 27. Inserate werden billigst berechnet. V. Manufcripte werden nicht retournirt. Nr. 5 Wien, 7. Februar 1884. 4. Jahrgang. Wien, 7. Februar 1884. Bon verschiedenen Seiten wurden schon Jeremiaden über die Unbeständigkeit der Stellungen der Cantvren angestimmt, und vielfache Klagen sind bereits laut geworden, dass es selten einem Cantor gegönnt sei, längere Zeit an einem Orte zu wirken.. Das ewige Hin- und Herwandern wurde als ein Uebel bezeichnet, dem entgegenzusteuern die erste und wichtigste Ausgäbe der Cantoren-Zeilnug und des Cantorenvereines sein sollte. Der größte Theil der Schuld wurde hiebei natürlich den Gemeinden oder, wie cs immer heißt, einzelnen Machthabern in derselben, denen der Cantor nicht gut zu Gesichte stand, beigemessen. Wir können cs uns wohl nicht verhehlen, dass diese Argumentation in manchen Fällen zutreffend ist, haben jedoch schon einmal an leitender Stelle daraus hingewiesen, wie viel in dieser Beziehung van den Cantvren selbst schon gesündigt wurde, wie sehr denselben ein größeres Maß von Beständigkeit uöthig wäre, damit das alte, gewissermaßen traditionelle Uebel des fortwährenden Postenwechsels. allmälig von der Tagesordnung verschwinde. Um jedoch nicht, wie es in letzter Zeit von einer gewissen Seite geschah, den Vorwurf zu hören, dass wir uns bei unseren Betrachtungen allzusehr aus dem'Boden der Theorie bewegen, und daß alle Argumente durch die Thatsachen hinfällig werden, wollen wir heute mit Berücksichtigung, eines speciellen Falles, der sich vor nicht allzulanger Zelt ereignete, darlegen, dass an ein Besserwerden nicht zu denken ist, insolange nicht wirklich die Cantvren aufhören, m' ihrem eigenen Fleische zu wühlen, und insolange ihnen Solidarität ein unbekannter Begriff ist. Daß Eine muffen wir noch vorausschicken, dass sich diese Begebenheit in unserer nächsten Nähe, oder sagen wir in der Nesidenz selbst, zutrug, und wir uns nicht etwa auf falsche Mittheilungen stützen, sondern treu berichten, was wir selbst gesehen und gehört haben. In einer Gemeinde, oder vielmehr in einem Bethaus- Vereine, wurde in Folge eines Zerwürfnisses zwischen dem Cantor und dem Vorstande der Cantorposten frei. Die Gemeinde war von jeher als solche bekannt, welche mit jeder Iahreszeit ibren Functionär wechselt, und trotzdem gab es, als der Concurs ausgeschrieben wurde, eine Unzahl von Bewerbern um diesen Posten. Auch der bekannte Pferdefuß, ,die Reisespefen werden nur dem Acceptirten vergütet/ vermochte es nicht, Fernanden von der Concnrrenz zurückzuschrecken, ja wir haben es sogar erlebt, daß ein College, der kurze Zeit vorher in unserem Blaue die Behauptung ausstellte, ,ohne zugesicherte Reisespesen keine Concurrenz," seinem Principe untreu wurde und gar bedeutende Spesen für die Reise hieber opferte. Wir wollen ihm keineswegs einen Vorwurf daraus machen, dass er durch die Aussicht auf eine Anstellung in der Residenz seine lieberzeugung verleugnete; wird ja doch ein solcher Posten immer als eine Goldgrube angesehen, trotzdem wir ihm und so manchem Anderen, der bei uns ansragte, die wirklichen Verhältnisse daselbst schilderten und aus das Prekäre und Unsichere dieser Stellung hinwiesen. Nach unzähligen Berufungen und Probevorträgen, wobei kein Einziger der Candidaten einen Heller als Ersatz für die manchmal sehr bedeutenden Reisespesen erhielt, wurde der Posten endlich besetzt. Bisher haben wir nichts Besonderes und Außerordentliches berichte!, so etwas kommt fast alle Tage vor und scheint kaum der Erwähnung werth zu sein. Jawohl, aber was sich hinterher in derselben Gemeinde ereignete, dagegen müssen wir energisch protestiren. Der angestellte Cantor wirkte ruhig in seiner Stellung, er kam seinen Obliegenheiten mit dem größten Pflichteifer nach, bis vor kurzer Zeit die Gemeinde resormationssnchtig wurde. Warum denn nicht? Sie baut ja einen neuen Tempel, warum soll sie denn den alten Gottesdienst beibehalten? Aus diese Weise kann man sich, bei sonstiger Bedeutungslosigkeit, ja am leichtesten ein goldenes Blatt in der Geschichte erwerben. Was hat dies Alles aber mit der Stellung des Cantors zu thun, könnte man sich verwundert fragen, dem Manne ist ja nur zu gratuliren, sein Wirkungskreis wird größer, sein Einkommen bedeutender. Wer aber so denkt, der hat sich arg getäuscht. Es werden Stimmen laut, welche da behaupten: der Cantor ist uns nicht mehr für den neuen Tempel genug bedeutend, seine Stimme hat nicht genug Schmelz, sein Vortrag ist zu wenig kunstvoll, sein Wissen zu gering.

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