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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-30 · Heft 4 (30.1.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (30.1.1884)
Date
1884-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis für Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Vereines ohne Musikbeilage Viertels. . st. 1.— mit Musikbekl Viertels, fl. 1.25 für Nichtmitglieder in Oesterr - llng ohne Musikbeil vierteljährig .... fl. 1.25 mit Musikbeil. Viertelsfl. 1.50 für Abonnenten im Auslande o. Musikbeil. Viertels fl. 1.5» mit Musikbeil. Viertels, fl. 1.75 Organ für die OesMini-JickreWil jüdischer Cantorm ßrfcheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob Wcruerr. ^eilacixan \־ und Administration Wien, II., Novaragasse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 4 Wien, 30. Jänner 1884. 4. Jahrgang. Arber ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. II. ,Wo ist der Anhaltspunkt dafür, dass eine specifisch jüdische Musik (Synagogengesang) existirt, und wo die Klarlegung, dass die polnische Gesangswelse auch wirklich die Basis derselben sei?" so hören wir von vielen Seiten fragen. — Je nun! — Für denjenigen Theil unserer geehrten Berufsgenossen, die mit uns denken und fühlen, dürften diese Fragen geradezu überflüssig und die Sache selbst als fait accompli erscheinen; diejenigen verehrten Herren, jedoch, die sich für Einführung des Chorals*) oder der mit Mendelssohnismen versehenen Synagogengesangsweise begeistern, ersuchen wir freundlichst, mit uns jenen Boden aufzusuchen, welchem die. letztgenannte Musikrichtnng entstammt, nämlich das Christenthum und dessen musikalische Autoritäten. Seit einer Reihe von Jahren erscheinen im Musikalienhandel Werke "christlicher Autoren, die mit der Benennung hebräische Melodien 2c. versehen sind, und der anerkannt bedeutende Musikkritiker, Herr Professor Hanslik in Wien, änderte gelegentlich einer Besprechung der Goldmark'schen Oper ,Die Königin von Saba* :Das sind Klänge, mit welchen man fromme Juden in die Synagoge, aber keinen Liebhaber zum Rendezvous treibt, und an einer anderen Stelle: ״Die Eigenthümlichkeit in dem j ü di sch - oriental i fch e n C H a r a k t e r der M u s i k'. Nach der am Wiener Hosoperntheatcr im Jahre 1878 aufgeführten Nubinstein'schen Oper ,Die Makkabäer' spricht Herr Hanslik von einer im Opernhause gesungenen Synagoge und erklärt das Alt-Solo Leah's: ״Schlaget die Pauken" für eine Nationalmclodie o r i e n t a l i s ch - s l a v i s ch e n Ursprungs. Wir sind in der Lage, noch mehrere ähnliche Auslassungen bedeutender Männer anzuführen, denken jedoch, dass ein Urtheil .des in unserer Zeit *)Die Unmöglichkeit des Chorals in der Synagoge werden wir an einer geeigneteren Stelle nachzuweisen uns erlauben. lebenden, bochbedeutenden Mannes bei Entscheidung der streitigen Angelegenheit für unsere Behauptung schwer in die Wagschale fallen dürfte. Eigenthümlich erscheint allerdings der Umstand, dass wir dic Wiege unserer synagogalen Gesangsweisen in einem Lande finden, in welchem die Kunst zu keiner Zeit in hervorragender Weise gepflegt wurde. Nicht an den Ufern des Ebro, wo unsere Väter unter der Sonne strahlenden Glückes lebten; auch nicht im elastischen Italien, der Pflege- und Pflanzstätte aller Musik, . sondern im nnwirthlichen Polen, und den angrenzenden Ländern finden wir die Heimat der uns so theuer gewordenen Weisen. *) Die Künste hatten allerdings unter den damaligen traurigen Zuständen der Slavenlande keinen gedeihlichen Boden; aber die Kunst des Gesanges fand sowohl im Herzen des Juden eine liebevolle Stätte, als auch in den polnischen Chasanim jener Periode Vertreter erster Gilde. Stimme, Talent und Gefühlsinnigkeit vereinigten sich in glühender Umarmung zu einer Kunstgestaltung, auf die wir. Jünger einer späteren Epoche, noch mit Achtung zurückblicken müssen. Es ist nichts weiter als ein Act gebührender Anerkennung, wenn wir an dieser Stelle die Namen der bedeutendsten polnischen Chasanim eines Dowidel Brod, Kanarik, Kaschtan, Herschele Kiew, Scholem Baruch rc. verzeichnen; denn diese Männer verehren wir als die kühnen Eroberer neu entdeckter Länder, deren legitime Besitznahme erst uns Vorbehalten ist; als die gottbegeisterten Vorkämpfer für eine N ichtung, deren historische Würdigung auf synagogal-gesanglichern Gebiete unsere heiligste Pflicht ist. Sie waren ja nur Kinder der Natur, kannten nicht die Gesetze und Geschichte der Musik, aber am Betpulte, als Abgesandte der Gemeinde vor ihrem himmlischen Vater stehend, unter dem Eindrücke einer gläubig durchschauertcn Seele, da fanden sie jene Melodien, dic als Offenbarungen des Gottesgeistes auch ein Vermächtnis bilden für ewige Zeiten. Wenn wir nun das Wirken der berühmten polnischen Chasanim der älteren Zeit in eminenter Weise hervorheben, so *) Wenngleich es feststeht, daß gewissen Synagogenmelodien aschkenafischen oder sesardischen Ursprungs (wie z. B. des Geschem Tall kol nidre, Pismonim 2c.) eine gewisse Legitimität zuerkannr werden müsse, so sind dieselben stets nur für einzelne Gebetsstücke anwendbar, besitzen jedoch keineswegs die Qualisicalion, für die Feststellung einer Gesangsrichtung maßgebend zu sein. Hiezu eine Mrifik-Beilage.

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