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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-22 · Heft 3 (22.1.1884) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (22.1.1884)
Date
1884-01-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Delegirte verschiedener deutschst Vereine waren zugegen. Die zwei Hauptsächlichsten deutschen Gesangvereine waren durch starke Männer׳ Chöre vertreten, die sich an deck musikalischen Programme der Feier betheiligten. Die Zipfel des Leichentuches trugen der Bürgermeister von New-Pork und die hervorragendsten Mitglieder .der deutschen Colonie. Während der Sarg in den Tempel getragen wurde, spielte das auf der Galerie befindliche Orchester einen Trauermarsch. Der Bürgermeister von New-Aork legte namens der Bürgerschaft einen prächtigen Blumenkranz auf den Sarg. Nach der Predigt des Rabbiners hielt Karl Schurz eine deutsche und Mr. Andrew White, früher Gesandter der Nnkonsstaaten in Berlin, eine englische Leichenrede. Die Leiche wird am Samstag mit dem Dampfer ״Neckar" nach Deutschland gesandt. Petersburg. Wie die ״Petersburger Zeitung" erfährt, hat die Plenarversammlung des Senates in Folge einer Petition beschlossen, noch vor Entscheidung der Zudensrage. durch die Judencommission, eine Vorstellung zu überreichen und anzusuchen, um Aufhebung der vom Minister-Comits im Mai 1882 verfügten provisorischen Maßregeln, wonach die Abschließung von Verträgen mit Juden über den Verkauf und die Verpachtung von ^Realitäten außerhalb der den Juden zugewiesenen Wohnsitze untersagt wird. Der Gouverneur von Kiew hat folgende einschränkende Verfügungen bezüglich des Aufenthaltsrechtes der Juden im Kiewer Gouvernement erlassen: 1. Die aus dem Militärdienste austretenden jüdischen Untermilitärs sind verpflichtet, sich in denjenigen Städten oder Dörfern anzusiedeln, wo sie vor dem Antritte des Militärdienstes gewohnt haben. 2. Die in den Ehestand tretenden Jüdinnen sind verpflichtet, sich in dem Wohnorte ihrer Männer niederzulassen. 3. Wenn eine Frau einen in einer anderen Gegend wohnhaften Juden heirathet, so verliert sie das Aufenthalisrecht in ihrer früheren Heimath. 4. Der Mann hat nicht das Recht, sich dort niederzulassen, wo er heiratet, falls er früher in einem anderen Orte gewohnt hat, als seine. Frau. Aus Kriworog werden wieder Ausschreitungen gegen die Juden gemeldet. Mehrere jüdische Kaufleute wurden vollständig ausgeplüudert. Namentlich war es auf Spirituosen abgesehen, an denen die Volksmenge sich berauschte, und hierauf um so schrecklicher gegen die Juden vorging: Von einem der Opfer des- Krawalls in Nowomoskowsk, von dem Uhrmacher Spiro, berichten die russischen Zeitungen in belobender Weise, dass derselbe, als Gefahr in Verzug war, die ihm zur Reparirung übergebenen Uhren im Garten vergraben und nachdem der Aufstand gestillt war, an die Eigenthümer zurückgegeben habe. In Bezug auf eine Eidesfrage hat sich im Stadtrath zu Peskow folgender Vorfall ereignet. Ein Stadtrath gab die Erklärung ab. dass er den offieiell vorgeschriebenen Eid nicht leisten könne, da er sich in Bezug auf den Glauben mehr dem Judenthum als dem Christenthum nähere, Jude aber nicht werden könne, weil der Uebertritt zum Judenthum in Rußland gesetzlich verboten, sei. Der Vorfall wurde an den Minister des Innern berichtet. Literarisches. Moses, fein Leben, Streben und Wirken und dessen cu lturhistör tsch e Bedeutung, von Professor I. Baum, I. Baud 1883. In einer -für uns Juden so überaus trüben Zeit, wie es das Epde des 19. Jahrhundert ist, kann das Erscheinen des vorliegenden Werkes nur mit Sympathie begrüßt werden. Die Welt ist ja nur zu sehr geneigt, den Einflüsterungen der vom Hass verblendeten Anti׳ semiten Gehör zu schenken und die Bedeutung des Judenthums für die Menschheit in kultureller Beziehung zu unterschätzen. Leider gibt es auch unter uns selbst zahlreiche, vielleicht sogar zur Intelligenz sich zählende Personen, die das Judenthum, seine Heroen und deren Wirken ganz und gar nicht kennen und mit einer gewissen unerklärlichen Voreingenommenheit daran festhalten, es gehöre zum Chic, Alles was jüdisch ist, auch für schlecht und unbedeutend zu halten. Nur so ist es erklärlich, dass Moses, dieser große, bahnbrechende Geist, der nicht nur für Israel, sondern für die gesammte Menschheit gedacht und gewirkt hat, förmlich in Verruf kam, dass man ihn für eingebildete und wirkliche Uebel verantwortlich machte, die man selbst hervorgerufen hatte. Es muss daher mit Anerkennung das Unternehmen begrüßt werden, welches sich zur Aufgabe stellt, in leichtfaßlicher und doch streng historischer Weise, diese tief eingewurzelten, so sinnlosen Vorurtheile zu widerlegen und aä absurdum zu führen. Der vorliegende 1. Band nun ist als vorbereitende Arbeit zu dem bezeichneten Zwecke zu betrachten. Aber schon dieser liefert uns den Beweis, dass der Verfasser mit gründlicher Gewissenhaftigkeit vorgeht, dass er mit allen Mitteln der historischen Forschung ausgestattet, an das schwierige Unternehmen sich gewagt hat. Wenn wir noch hinzufügen, dass die Form dem Stoffe vollkommen angemessen ist, und dass wir nur selten Härte in der Schreibweise gefunden haben (zu letzteren mußten wir beispielsweise das Wort ,Denkmann'' zählen, statt deffen immer ״denkender Mann" kommen sollte), so brauchen wir zur Empfehlung des Werkes wohl Nichts mehr hinzuzufügen. Wir halten es daher auch für überflüssig und unrichtig, wenn der Verfasser die zahlreichen Anerkennungsschreiben, die ihm zugekommen sind, am Schlüsse des 1. Bandes abdrnckt. Diese Mühe hätte er sich wohl ersparen können, und dies umsomehr, als sie beim oberflächlichen Leser gerade ein dem angestrebten entgegengesetztes Resultat hervorbringsn kann. V. Die von Obercantor I. Singer componirte und dem Krön- Prinzenpaare gewidmete Festhymne ist bereits im Drucke erschienen und trotz der schönen Ausstattung zu dem geringen Preise von 60 kr. 5. W. durch den Componisten zu beziehen. Das 4. Heft der Synagogengesänge ״Semiroth le'el Chaj" von M. G. Löwenstamm, weiland Obercantor in München, befindet sich bereits unter der Presse und wird demnächst erscheinen. Dieses Heft enthält Gesänge für Pessach, Schewuoth und Sukkoth, sowie mehrere Cafuakgesänge. Aviso! Diejenigen Herren Abonnenten, welche auf die in nächster Nummer erscheinende Musikbeilage reflektiren, wollen den Betrag hiefür uns noch im Laufe dieser Woche zukommen lassen, da dieselbe nur den Pränumeranten eingesendet wird. Zugleich ersuchen wir die geehrten Leser unseres Blattes, die mit Ihrem Abonnementsbetrage noch im Rückstände sind, denselben baldigst an uns zu senden. Wir dachten durch Ermäßigung des Preises eine Punktkichere Pränumerations-Einzahlung erwarten zu dürfen, müssen es aber leider eingeftehen, dass wir uns in unseren Erwartungen sehr getäuscht haben. Die Administration der österr.-ungar. Cantoren-Zeitung Correspondenz der dtedaction. Collegen E. iu S., St. in C;., W. in Pr., H. in D-, G. in N.-Kör. G. in P., Win G-, Str. in Pr.. G. in Fnnfk., R. in Riga, Rin H.-M. Gr. in Bbestäkigen dankend die eingesandten Beträge. B. in Postr. Nachdem >Lie Mitglied sind, haben Sie richtig gesendet und sind daher nichts im Rückstände. L. in Basel. Für das bestellte Inserat hat Ihr lobl. Vorstand fl. 1.50 zu bezahlen. Gruß. I. Tsin Ter. Wegen ihrer Mitgliedskarte wollen Sie sich an den Veremspräfes, I-, Seitenftettengaffe 4, wenden.

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