Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1884)
- Date
- 1884-01-14
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Synagoge, wo er volle fünfviertel Stunden dem Gottesdienste beiwohnte und ganz - entzückt die Synagoge verließ, um die anderen Kirchen zu hesuchen. Eonstanlnlopek. Wir haben bereits in unserem Blatte vom schrecklichen Unglück mitgetheilt, welches die jüdische Gemeinde in Constantinopel heimgesucht hat. Ein Feuer hat den am meisten von Juden bewohnten Stadttheil, ,Haskiöi^ genannt, gänzlich zerstört. Der ganze Stadttheil glich einem fenersveienden Berge, aus welchem unter entsetzlichem Jammergeschrei die Unglücklichen entflohen, nichts als das nackte Leben rettend. Ueber 1000 Häuser, unter ihnen 3 Synagogen sind abgebrannt. 7000 Glaubensgenossen, welche fast sämmtlich dem Arbeiterstande angehören, waren ihres Obdaches und ihres geringen Vermögens beraubt worden. Abends brachte der Sturm Regen mit Schnee vermischt, was die Lage der Unglücklichen noch verschlimmerte. Seme Majestät der Sultan gab sofort Befehl, eine in der Nähe befindliche Baracke den Obdachlosen einzuräumen. Auch viele Menschen׳ leben sind zu beklagen. Wie viele in den Flammen umgekommen sind, konnte man noch nicht feststellen. Fünfzehn kleine Kinder starben in Folge des Unwetters; eine Frau kam zu früh nieder, sie und ihr Kind verloren das Leben. Auf Befehl Seiner Majestät des Sultans wurden die Obdachlosen, die in der Baracke nicht sämmtlich Raum fanden, in verschiedenen Negieruugsgebäuden untergebracht. Auch sandte der Sultan dem Oberrabbiner sofort 1000 türkische Pfund (12000 fl.). Von allen Seiten sind Juden, Christen und Mohamedaner bemüht, das große entsetzliche Elend so viel als möglich zu lindern. Das Hilfscomits besteht, unter dem Vorsitze des Sultans, aus dem Minister der frommen Stiftungen, dem Präfecten von Constantinopel, dem ' Unterpräfecten dieser Stadt, Behor Effendi, ein Jude, dem Director der kaiserlichen Bank und dem Director der türkischen Credirbank. Das Comits hält täglich, mit Ausnahme der Feiertage, Sitzungen. Auch von Außen sind bereits größere Gaben eingelaufen. Baron von Hirsch aus Paris hat 50.000 Francs geschickt. Allatini von Salonichi 5000 Francs. Baron Rothschild von London 2000 Francs; diese Gaben sind jedoch nur geringfügig im Vergleich mit dem Elende. Nach dem amtlichen Ausweise bedürfen 6750 arme Israeliten, die Alles verloren und nichts als ihr nacktes Leben gerettet haben, der Unterstützung. Die Gräfin von Dufferin, die Gemalirc des englischen Gesandten, hat ein Damen-Comits, meistens aus den Damen der fremden Gesandtschaften bestehend, gebildet. Dasselbe hat bereits Kleider, Lebensmittel und Geld vertheilen lassen. Die israelitische Gemeinde hat beschlossen, durch den Oberrabbiner dem Sultan eine Dankadresse zn überreichen. ZUM Arande itt Hakata. Man schreibt aus Constantinopel vom 25. December v. I.: Die Jsraeliten-Gemeinde der Hauptstadt wurde durch das furchtbare Brandunglück in Galata in tiefste Bestürznng versetzt. Sonntag den 23. Vormittags brach in einem Spirituosen-Laden, in der Nähe der alten Post, Feuer aus, welches sofort auch die oberen Stockwerke des Hauses ergriff. Im ersten Stocke wohnte eine jüdische Familie und im zweiten befand sich eine Schule für Kinder im Alter von 5 bis l0 Jahren. Die Schule war Hauptsächlich von armen ׳deutschen und polnischen Kindern besucht. Das Gebäude war bald ganz in Flammen gehüllt, so schnell hatte das Feuer um sich gegriffen. Die Bewohner des ersten Stockes hatten kaum Zeit, sich zn retten; Einige stürzten sich aus den Fenstern. Die unglücklichen Kinder befanden sich in einem Saale, wo sie gerade Unterricht erhielten. Man gab sich zwar sofort alle erdenkliche Mühe, die Kinder zu retten, allein die Stiege, welche zur Schule führte, war bereits ganz verbrannt, und der dichte Rauch, welcher aus dem Feuer׳ Herde hervorgualmte, erschwerte das Vorwärtsdringen. Die armen kleinen Kinder stießen ein herzzerreißendes Geschrei aus, in welches sich die Verzweiflungsrufe, der herbeigeeilten Eltern mischte. Von 23 Kindern, welche sich in der Classe befanden, verbrannten 19. Blos vier Kinder hatten den Muth der Verzweiflung, sich aus dem Fenster zu stürzen, was auch der Lehrer und dessen Frau thaten. Eines der vier Kinder, welches den Sprung aus dem Fenster wagte, büßte sein Leben ein. Die anderen drei Kinder haben mehr oder weniger schwere Verletzungen erlitten. Der Lehrer kam zwar mit dem Leben davon, allein der Tod seiner Frau, welche eine Stunde später an den Folgen der schweren Verletzungen bei dem Sprunge starb, trieb ihn zum Wahnsinne, so dass er in eine Irrenanstalt transportirr werden mußte. Das Rettungswerk wurde noch durch die höchst ungünstige Lage des Hauses erschwert. Nach mehrstündiger unausgesetzter Arbeit war zwar der Brand gelöscht, jedoch erst Abends konnten die bereits ganz verkohlten Leichen der Kinder aus den Trümmern des Gebäudes ausgegraben und in Särgen in die deutsche Synagoge gebracht werden. Entrüstung herrscht über das Benehmen der Aufseher der armenisch-katholischen Kirche, welche gegenüber dem abgebrannten Hause gelegen ist. Diese Leute weigerten sich nämlich, die Thore der Kirche für die Feuerwehrmänner zu öffnen, welche dies verlangten, um aus den im Innern der Kirche befindlichen Brunnen und Cisternen Wasser zu holen. Die Feuerwehrmänner leisteten wahre Wunder an Heroismus, und ihrer Thätigkeit hat man es zu danken, dass nicht ganz Galata in Flammen aufging. Leider haben die Feuerwehren ihren Standort am äußersten Ende von Per«, so dass sie nicht rechtzeitig auf dem Schauplatze des Brandes erscheinen konnte». Vielleicht wäre es ihnen sonst gelungen, das Feuer gleich bei seiner Entstehung zu unterdrücken. An die geehrten Herren VereinsmiLgtieder. Diejenigen Herren Collegen, welche die au sie gelangten Fragebögen noch nicht eingesendet haben, werden ersucht, dies ehestens zu thun. Diejenigen Vereinsmitglieder, welche nicht im Besitze der Mitgliedskarte oder der Statuten sind, wollen dieselben beim Vereinsvorstande reclamiren, da es möglich ist, dass eine oder die andere der Sendungen verloren gegangen ist. Wien, im Jänner 1884. Aer Worstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. Gründungs- und Vereinsbeiträge. Leop. Au'pitz, Horic, halbjährigen Beitrag; Sigm. Jellinek, Mistelback, Halbjährigen Beitrag; Herrn. Löwenstsin, Turn- Severin, halbjährigen Beitrag; Carl Brunner, Jglau, ganzjährigen Beitrag; s. Baß, Marienbad, halbjährigen Beitrag; M. Nosenfeld, Pisek, halbjährigen Beitrag; Lndw. Friedländer, Szilos-Balhäs, vierteljährigen Beitrag; Sigm. Beinkeles. Anschitz, halbjährigen Beitrag; Martin Zemplina, Wien, dreivierteljährigen Beitrag; Jsak Schiller, Wien, halbjährigen Beitrag; D. Beutler, Auscka. halbjährigen Beitrag; S. Schischa, Kirchberg, vierteljährigen Beitrag; M. Blatt, Wien, ganzjährigen Beitrag; Jos. Singer. Wien, halbjährigen Beitrag; M. Staugl, Zlabings, halbjährigen Beitrag; I. Lamm, Pohrlitz, halbjährigen Beitrag; I. Neumann, St. Pölten, halbjährigen Beitrag; I. Salles, Brsitenbrunn, vierteljährigen Beitrag; A. Freisinger. Pilsen, ganzjährigen Beitrag. Correspondenz der Wedaetion. Nin W. Für das letzte Ouartal Ihr Eingesandtes gutgebncht. G. in B. Ihr Rückstand stammt noch vom Jahre 1882, worauf Sie nicht mehr denken. Gruß. Rosenth. in H. Wegen Staturen wollen Sie sich direct an den Ver> einsvorstand wenden. Sch. in B. Ihr Abonnement hat nicht, wie Sie angeben, im Juni, sondern am 1. April begonnen, weshalb Ihr Rückstand fi. 3 beträgt. Gruß. G. in Gr.-K- Unseren verbindlichsten Dank für Ihre wahre Freundschaft. Collegialen Gruß. (Fortsetzung auf der fnseraten-Seite.)