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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1884-01-14 · Heft 2 (14.1.1884) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 2 (14.1.1884)
Date
1884-01-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische .ך- )1 Prämunerations-Preis sür Mitglieder des ö.-u. Cantoren-Vereines ohne Musik- , beklage viertelj. . st- 1.— ן mit Musikbeil, viertel!, fl. 1.25 j für Nichtmitglieder in Oesterr.- > Ung. ohne Musikbeil, viertel-! jährig .... fl- 1.2S j mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 j für Abonnenten im Auslande! o. Musikbeil, viertelj. fl. 1.50 > mit Musikbeil, viertelj. fl. 1.75 l Organ für die Gesammi -Juteressm jüdischer Gllnturm. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrk.06 Mauev. V. ^tdaction Administration Wien, II., Novaragcisse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 2 Wien, 14. Jänner 1884. 4. Jahrgang. Wien, 14. Jänner 1884. Uumotivirte Aussprüche, fachlich unbegründete Erklärungen, seitens eines Laien, können die betreffenden, ernsten Fachgenossen wobl in Harnisch bringen, minder ernsten Naturen vielleicht ein Lächeln abgewinnen, niemals jedoch einen nackhaltigen Eindruck hervorbrigen. Allein wir stehen vor den Erklärungen eines-sonsts verdienstvollen, im Amte ehrenvoll ergrauten College», dessen Kundgebungen ,a ufErfahrun g' beruhen und denen in gewissen Kreisen unbedingte Annahme von Vorneherein gesichert ist; wir können und dürfen demnach die Feder nicht früher binlegen, bis die für die Fortentwickelung des jüdischen Cantorates in der ungarischen Beamtenzeitung veröffentlichten Anschauungen beleuchtet und richtiggestellt erscheinen. So viel als Begründung für die Fortsetzung der in voriger Nummer an leitender Stelle begonnenen Betrachtungen. Nicht die ganze Anzahl der für das jüdische Cantorat in der ungarischen Beamtenzeitung enthaltenen unheilvollen Eröffnungen wollen wir bekämpfen; das wäre räumlich unausführbar, weil es dieselbe Legion ist, und jede neue Nummer der betreffenden Zeitschrift leider neue ähnliche Streitkräfte in's Treffen führt; sondern einen bereits im vorigen Aufsatze angeführten Aussprüch, weit derselbe so voll und ganz die Geschichte des jüdischen Cantorates, dessen Verfall, dessen Emporb lühen und dessen gegenwärtigen Zustand in sich fasst, und weil die genaue Betrachtung desselben in eminenter Weise geeignet ist, den einzig und allein richtigen Weg mitten in dem traurigen Gedankenwirrsal bezüglich der Fortentwickelung des jüdischen Cantorates, zu zeigen. Der betreffende Absatz in der Beamtenzeitung lautet: ,Bei jeder anderen Schule werden für alle Schüler und Classen die Vorkenntnisse, die Aufnahmsbedingungen und die Freguentations-Zeit vorgeschrieben und genau bestimmt. ZLeiM ßantorate aber ist einzig und allein die Gabe der Matur für den Krfolg des Unterrichtes maßgebend. G r o st e L e i stu n g en, besonders poetischer Nat ur, kann man nicht erlernen, dazu gehört eine Unmittelbarkeit.' Ist in diesem Aussprucke nicht die ganze Entwickelungsgeschickte des jüdischen Cantorenthums enthalten? Der jüdische Vorbeter entstand aus sich selbst, keine Be- Hörde hatte über seine Berufsfähigkeit zu entscheiden, keine Vorbedingung war für ihn zu errüllen, das Tribunal der eigenen Machtvollkommenheit, unterstützt durch eine eventuell schöne Stimme und Naturgabe, qualifizirte ihn zum Vorbeter. Erst in der Ausübung seines schweren Berufes machten sich all'' die Mängel geltend, die entweder durch ein Uebermaß von Arbeit nach mehreren Jahren ausgeglichen werden konnten — oder den Betreffenden dem Hohne seiner Zuhörer Preisgaben und die Unhallbarkeit seiner Siellung vollführten. Seit undenklichen Zeiten besitzt das Judenrbum seine Nabbinerschulen. ישיבה, und diese Arbeitsstätten geistiger Werke halfen dem Nabbinerstande jene dominirende Stellung erobern, welche es heute mit Neckt einnimmt; das jüdische Canlorenthum hat, das fachlich und geistig tisferftehende Meschorerthum abgerechnet, nichts Aehnliches besessen, konnte demnach als Stand niemals eine höhere Stellung einnehmen; mußte vielmehr von Jahr zu Jahr sinken und oer Willkür und dem Ermessen der Gemeinden und deren Vorsteher überliefert bleiben. Das Uebergewicht, welches das Rabbinerlhum dem jüdischen Cantorate gegenüber zu allen Zeiten einnimmt, war und ist durchaus nicht in der höheren Stellung, oder immer in der persönlichen Würdigkeit, sondern lediglich in der wiffenschaftlichen Ausbildung seiner Jünger (בני תורה) im Gegensätze zur Wissenslosigkeit der Cantoren zu suchen. Deshalb mußte das nur aus dem Meschorerthum hervorgehende Canlorenthum, welch' ersteres seine Stellung mit Vorliebe auf der breiten Heerstraße des Vagabundenthums nahm, bis zu den 30er-Jahren einen gar argen Niedergang erleiden. Von da ab haben die Beispiele der uns allbekannten Männer, die theils durch die Macht der Verhältniße, theils au ch durch den Flügelschlag eines glücklicheren, erleuchteten Zeitabschnittes zum Studiren gedrängt wurden, eine neue, glückliche Phase für das jüdische Cantorenthum erstehen lassen. Jener Zeit und ihrer Nach- Periode hat das jüdische Cantorenthum a!l' die Fachgenossen zu verdanken, welche heute noch als alte Herren in unserer Mitte leben und eine Zierde unseres Standes sind. Möge man doch

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