Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 42 (13.12.1883)
- Date
- 1883-12-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Lemberg, 1l. December. In dein Preßprocess: deS von :jüdischen Fanatikern in der Eigenschaft-eines .verantwortlichen Medacteurs" vorgeschobenen Börien-Agenten Samuel Ritz haben die Geschwornen die auf das Verbrechen der öffentlichen Ge- .waltthätigkeit durch Erpressung lautende Hauptfrage mit Elf gegen Eine Stimme verneint, dagegen sprach die Jury in Beantwortung der Eventual-Frage den Angeklagten Ritz des Ver- .gehens der Aufreizung gegen einzelne Stände, Classen, Körperschäften 2c. nach §. 802 des Strafgesetzes schuldig, wetzhalb er -nun vom Gerichtshöfe in Berücksichtigung vieler Milderungs- .umstände zu einmonatlicher strenger Kerkerstrafe verurtheilt wurde. Krankfurt a. Zu. In der Hauptsynagoge der hiesigen Gemeinde ist der dreijährige Cyclus für die Thoravorlesung .am Sabbat aufgehoben und der einjährige wieder eingeführt worden und zwar so, daß ein Theil der laufenden Parascha bei Morgen-Gottesdienst am Sabbath und der Nest Sabbath Nachmittags, Montag und Donnerstag verlesen wird. Diese Rückkehr zum einjährigen Cyclus ohne den Gottesdienst zu verlängern wird hier allgemein gebilligt, da der jüdische Kalender und die jüdische Liturgie mit dem einjährigen Cyclus verbunden ist. Petersburg. Am 3. d. M. wurde in Moskau die Alexander» Gewerbeschule feierlich eröffnet. Diese Schule wurde von der Moskauer Zfraeliten-Gemeinde zum Andenken an Kaiser Alexander II. gegründet. .Der Rabbiner hielt die Eröffnungsrede, in welcher er die Wohlthaten rühmte, welche der verstorbene Kaiser den Israeliten erwiesen habe und deren sich die Juden auch unter dem heutigen Kaiser erfreuen. — Unter der Ministerschaft des Grafen Jgnatieff sollte den jüdischen Apothekern Rußlands untersagt werden, dort Apotheken zu halten, wo Juden nicht wohnen dürfen. Diese Frage ist jetzt zu Gunsten der jüdischen Apotheker entschieden worden. Diese dürfen in Rußland überall, ohne Ausnahme, Apotheken besitzen. — Graf Fahlen, der neue Präsident der russischen Juden-Comlnission, veröffentlicht ein Buch, in welchem er die schlechte Lage der ruffischen Juden schildert und für die volle Gleichberechtigung derselben auftritt. Kolonien in Palästina. Die ,Politische Correspondenz" läßt sich aus Jerusalem über die Eröffnung einer ,jüdischen Colonie unter christlicher Leitung' einen Bericht zukommen. Die aus Rußland und Rumänien nach Palästina ausgewanderten Juden können vor solchen Colonien ,unter christlicher Leitung" nicht genug gewarnt werden, da diese Unternehmungen., englischen Gesellschaften gehören, welche die Nothlage der Juden benützen, um sie zu bekehren. Waris. Der Rabbiner der hiesigen polnisch-jüdischen Gemeinde, .Rabbi Herschl Lewin ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Rabbi Lewin war ein ausgezeichneter מגיד und hatte tiefes talmudischeS Wissen. Es sind von ihm viele Werke erschienen. Der Verstorbene erfreute sich einer großen Achtung in Pariser jüdischen Kreisen. Beim Leichenbegängnisse hielt der Qberrabbiner von Frankreich eine ergreifende Trauerrede. Das Leichenbegängniß wurde auf Kosten des -Pariser israelitischen Consistoriums veranstaltet. Literarisches. ,Bibel und Talmud" oder ,ist der rituelle Mord möglich", von Jacob Kopelovitz. Wien, 1833. Unausrottbar scheinen die Vorurtheile und Jrrthümer zu sein, die der religiöse Fanatismus hervorruft. Jahrhunderte hindurch wird das Märchen vom Blutrituale unter der christlichen Bevölkerung selbst civilisirter Länder geglaubt, obgleich von vielen Seiten in gründlicher Weise das Lächerliche der Blutbejchuldigung nachgewiesen, die Möglichkeit eines rituellen Mordes zurückge- .wiesen wurde. Auch die vorliegende Broschüre hat denselben Zweck und sie wird demselben, wir müssen es bekennen, in gründlicher Weise gerecht. In streng objektiver Weise, in consequent-logischer Auf. einanderfolge werden alle Vor- und Anwürfe, die sich nur irgendwie auf die erwähnte Beschuldigung beziehen, als unwahr und unrichtig nachgewiesen. Kein Pförtcken zum Entrinnen wird den Antisemiten gelassen, jeder wirkliche, bereits geschehene oder nur mögliche Ein- Wurf findet ans Bibel und Talmud seine verdiente Abfertigung. Dieser Inhalt der Broschüre läßt uns hoffen, dass man dort, wo noch Liebe zum Judentbum herrscht, wo seine Vertheidigung als gemeinsame Sache angesehen wird, die Bestrebungen des in der jüdischen Literatur bewanderten Verfassers unterstützen wird. Die vorliegende Broschüre aber verdient es, von Freund und Feind gelesen zu werden.- Herr A. H. Zupnik, Nedacteur der Drohobyczer Zeitung, hat die seinerzeit auch in unserem Blatte besprochene Broschüre .Jüdische Lehre und jüdisches Leben", von Josef Ritter von Wertheimer ins Hebräische übersetzt. Die gediegene Uebersetzung verdient die vollste Anerkennung und Herr Zupnik hat sich durch diese Arbeit das besondere Verdienst erworben, diese Broschüre einem großen Theile unserer Glaubensgenossen zugänglich gemacht zu haben. Die Uebersetzung ist beim Verfasser zu dem Preise von 50 kr. zu beziehen. An den löblichen Vorstand des österr.-nngar. Cantoren-Vereinrs in Wien. Indem ich Ihnen den richtigen Empfang von fl. 170 ö. W., das Ergebnis der durch ihren geehrten Verein zu meinen Gunsten veranstalteten Sammlung, bestätige, ergreife ich die Gelegenheit, um Ihnen und all' den hochherzigen Spendern meinen innigsten Dank auszudrücken. Doppelt und dreifach fühle ich mich hiezu gedrungen, da Ihre Unterstützung eine so bedeutende ist und es mir ermöglicht ein Geschäftchen im hiesigen Orte anzufangen, welches mich mit Gotteshilfe vor dem Bettelbrode bewahren wird. Andererseits reichten Sie mir die Gabe auf solch' freundliche, humane Weise, die mich einen Theil meines Unglückes vergessen ließ. Darum nochmals Dank! Dank aus dem tiefsten Innern meines Herzens. Möge der liebe Gott Ihr wohlthätiges Wirken segnen und belobnen, belohnen nach Verdienst. Zum Schluffe richte ich an den iöbl. Vorstand das höfliche Ersuchen, meinen edlen Wohlthätern, den hochherzigen Collegen meines seligen Mannes, auf die Ihnen am geeignetesten erscheinende Weise, meinen tiefgefühlten Dank zur Kenntnis zu bringen. Es zeichnet hochachtungsvoll eines löbl. Vereins-Vorstandes ergebenste Minna Frei singe r. K o m o r n, 9. December 1883. Correspondenz der Redaetion. Collegen N. ^in St. P., Fr. in Pr., L. in K., Bin Kr., L. in P-, K. in R. M. in K- St. M-, Fr. in M., S. in Kar. Vorstand Gew. bestätigt dankend die eingesandten Beträge. B. in Kr. Sind noch für 1 Quartal im Rückstände. K. in R. Wir haben Ihnen für 1884 1 fl. gutgebucht. M. in N. Bedaueren Ihre eingesandte Arbeit nicht aufnehmen zu können, das Hebräische wäre nur dann zu berücksichtigen, wenn Sie dasselbe in Quadratschrist einsenden. R. in H. Den eingesandten Betrag haben erhalten- K. in K. Ihre Zuschrift werden wir in einer demnächst stattflndenden Vorstandssitzung vorlegen. Gruß. Gr. in Pr. College Sch. ist in Raab. * R. in N. Sie sind bis Ende dieses fl. 3 im Rückstände. Gruß.