Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 41 (5.12.1883)
- Date
- 1883-12-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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WttkM. Dem antisemitischen Hofprediger Stöcker wurde hohen Ortes die Wahl gestellt, sein Amt niederzulegen, oder die antisemitische Hetze aufzugeben. Das Auftreten Stöckers in London hat diesen Schritt zur Folge gehabt. Herr Stöcker soll ans diesen behördlichen Wink geantwortet haben: ,Wenn es mir nicht erlaubt ist, als Hof- Prediger auch auf einem anderen Gebiete zu wirken, wäre es mir lieber, mein Amt aufzugeben, denn ich fühle in mir den Drang und den Beruf, für das allgemeine Wohl (?) zu wirken.' Herr Stöcker ist ein wohlhabender Mann und hängt von dem Erträgnisse seines Amtes nicht ab. Was mag aber gerade jetzt am Berliner Hofe gegen Stöcker vorgefallen sein? Man leidet dort sein aufrichtiges Auftreten in London nicht. In der englischen Hauptstadt hat nämlich Stöcker öffentlich behauptet, daß er nicht an der Spitze der antisemitischen Bewegung stehe. Und das ist doch eine handgreifliche Lüge, durch -welche Stöcker auch seine bisherigen besten Freunde gegen sich aufgebracht hat. ßonstanlinopel. 3m türkischen Ministerium beschäftigt man sich jetzt mit dem Plane einer Eisenbahn durch Palästina. Diese Bahn soll den Fluß Kischon auf einer 60 Meter langen Brücke Passiven und die Tiefen in der Umgebung des Karmel-Gebirges durchschneiden. Natürlich ist diese Bahn für das ganze Land von großer Wichtigkeit und der neue Verkehrsweg, der dadurch entstehen wird, von unermeßlicher Bedeutung. Diese Bahn soll auch in das Jordan-Thal hinübergeleitet werden. Sind die Aöessynier Znden? Die Berliner .Jüdische Presse" bringt einen Bericht über einen Vortrag des berühmten Afrika-Reisenden Rohlf in Berlin, welcher vor zwei Jahren im Aufträge des deutschen Kaisers nach Abessynien reiste. Wir entnehmen diesem Berichte Folgendes: ,Die jetzigen Abessynier sind zwar dem Namen nach Christen, doch steht es unzweifelhaft fest, daß sie schon vor mehreren tausend Jahren Bekenner des jüdischen Glaubens gewesen sind. Von den vielen arabischen Stämmen, die das Judenthum angenommen, sind schon vor langer Zeit einige wenige nach Afrika hinübergezogen und haben sich unter Beibehaltung ihrer Religion in Abessynien, das die Größe von Deutschland hat, festgesetzt. Doch wurden die Abessynier von dem .Kämmerer der Königin Kanraze, einem getauften Juden, zum Christenthume bekehrt. Ihre jetzige Religion ist ein Gemisch aus allen anderen Bekenntnissen. Während sie von den Protestanten die Taufe, von den Katholiken die Heiligenverehrung haben, sind ihre rituellen Einrichtungen zum großen Theile jüdisch. Die Abessynier lassen sich beschneiden, das Innere ihrer Kirche besteht aus 9 Theilen, an den Seiten bestndet sich die Frauengallerie, an diese schließt sich links im Kreise der Raum für Männer an, und in der Mitte ist das ..Allerheiligste", welches nur die Priester betreten dürfen. In dem Allerheiligsten steht eine Bundeslade, in dieser liegen die Thora-Rollen, die fünf Bücher Moses enthaltend. Während des Gottesdienstes, der vom Abend bis zum Morgen dauert, tanzen die Priester um die Bundeslade herum Sie verrichten stehend ihre Gebete. Redner sah oft am Tage die Priester vor den Tempeln sitzen und Thilim sagen. Besetzung des Waööirrerposterrs in Kohenerns. Der hochgeehrte Mitarbeiter unseres Blattes, Herr Rabbiner Dr. Grün, welcher bisher den Rabbinerposten in Znaim bekleidete, ist einstimmig nach Hohenemsin gleicher Eigenschaft berufen worden. Herr Dr. Grün hat seiner cantorenfreundlichen Gesinnung bereits durch mehrere Artikel in unserem Blatte Ausdruck gegeben und wenn er seinen Principien treu geblieben ist — was wir gewiß nickt bezweifeln — so mag es ihm vielleicht gelingen, die Gemeinde Hohenems von ihrer irrigen Anschauung bezüglich des Gottesdienstes zu überzeugen, was gewiß im Interesse des Friedens zu erwünschen wäre. Herr Dr. Grün hat somit in HohenemS eine wichtige Mission zu erfüllen und wir hoffen, dass er derselben gerecht werden wird. Vereinsnachrichten. Seine Hochwohlgeboren, Herr Baron Todesro hat, auf Veranlassnng der hochwohlgeborenen Frau Baronin, dem österreichischungarischen Cantoren-Vereine den Betrag von Zweihundert Gtttden ö. W. (Mai-Rente) gewidmet. Indem wir den geehrten Vereinsmilgliedern dies erfreuliche Ereignis zur Kenntnis bringen, statten wir )»gleich im Namen derselben dem hochherzigen Spender öffentlich unseren tiefgefühlten Dank ab. Der Morstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. Aviso! Die in der letzten und vorletzten Woche von den Vereins- Mitgliedern eingesandten Vereins- und Gründungsbeiträge werden in der nächsten Nummer der Oesterreichisch-ungarischen Cantorenzeitung veröffentlicht werden. Cantor A. Fischer, Vereinscaffier. Covrespondenz dev Redaetion. Collegen P. in E-, R. in M. Kr., L. in K., Bin Pr., W. in T., W. in Ep.. Schwin T. beglichen bis Ende December, Schr. in G- I-, Gr. in L-, St. in N-, Schw. in P., Fr. in Pr. bestätigen dankend die eingesandten Beträge. B. in Pr. Beglichen bis Ende December. W. i n T. Abonnement beglichen bis Ende Juni 1884. W. in Ep. Wollen Sie sich gefälligst um Aufnahme in den Verein an den Vorstand wenden. Ihr Abonnement ist bis Ende Dec. beglichen. Gruß. R. i n K. College Sp. hat leider krankheitshalber seine Stellung aufgeben muffen und ist gegenwärtig in Ungarn. Dr. Kurrein ist Rabbiner in Bielitz. Gruß. Fl. in Sk. Ihr Rückstand beträgt bis Ende December fl. 3. L. in K- Das war ein anderer Abonnent. Wir ersuchen h ö f l i ch st alle geehrten Herren Abonnenten, welche mit dem Abonnement im Rückstände sind, dasselbe ehestens vor Ablauf des Jahres einsenden zu wollen. L. in W. Wollen Sie uns besagten Bericht nur einienden. Das Stylistische werden wir schon besorgen. Gruß. Red. d. Dr. Ztg. Besprechung und Inserat in nächster Nummer. Für diesmal zu spät eingetroffen. Besten Gruß. S. i n K. Der eingesandte Artikel mußte wegen Ueberfülle des Materials für die nächste Nummer Zurückbleiben. Für diese Nummer kam er schon zu spät, da Manuscripte mindestens zwei Tage vor dem jeweiligen Erscheinungstermine in unseren Händen sein müffen. Besten Gruß. R. in Z. Dieses Thema wurde bereits zur Genüge besprochen, daher Ihr Eingesendet nicht berücksichtigt werden konnte. Gruß. R. i n H. Der Autor der , Erinnerungen aus meiner Meschorerzeit" ist ein angesehenes Gemeinde- und Vorstandsmitglied in Mähr.-Ostrau. Gruß. Die Re-action.